• Glosse
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  • Marlen Lauffer
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  • 30.07.2013

Du wirst doch Arzt!

Nachdem die Zusage für das Medizinstudium eingetroffen ist, dauert es keine fünf Minuten, da ist man auch schon Arzt - zumindest in den Augen der Familie, Freunde und Bekannten. Das bedeutet, dass mit sofortiger Wirkung alle medizinischen Problemchen besagter Personen genauestens besprochen und bitte auch umgehend gelöst werden sollen. Je weiter das Studium fortschreitet, desto häufiger werden die Anfragen und desto komplexer die Probleme. Doch wer möchte einem guten Freund schon einen Ratschlag ablehnen? Unweigerlich nimmt somit der Berufswunsch Einzug in das Privatleben.

 

"Du wirst doch Arzt?!"

Ich lass das jetzt hier mal so stehen. Denn schließlich wäre ein "Nein" definitiv die falsche Antwort, "Ja" ist es (leider) auch. Und jedes Mal, wenn ich diesen oder ähnliche Sätze aus dem Mund mir bekannter Menschen vernehme, dann wird mir bewusst, dass es Dinge gibt, auf die einen das Studium so gar nicht vorbereitet.

Schon gleich zu Beginn des Studiums, zu einem Zeitpunkt, in dem man noch damit kämpft einer Leiche gegenüber treten zu müssen, wird der Bekanntschaft bewusst, dass das Kind bzw. der Enkel, wahlweise auch die Freundin oder der Teamkollege ja bald (ob den Menschen bewusst ist das so ein Studium 6 Jahre dauert?) Arzt ist und in diesem Sinne (später einmal) ab sofort als Ansprechpartner für dringende medizinische Fragen dienen kann, wahlweise auch nur, um den dicken Schnakenstich der letzten Nacht begutachten zu lassen.

So sieht sich der (ahnungslose Medizinstudent) angehende Arzt schon ziemlich schnell mit Omis und Opis Medikamentenliste konfrontiert: "Kann man da nicht was ändern?" oder aber mit dem verstauchten Knöchel des Fußballfreundes: "Und die Bänder sind auch wirklich alle noch in Ordnung?". Um niemanden zu enttäuschen, wird versucht, überall zu helfen. Doch ein "Da solltest Du lieber mal zum Arzt gehen", scheint in vielen Fällen nicht gerade auf Begeisterung zu stoßen, wo es doch die einzig sinnvolle Antwort ist, die ein Medizinstudent im ersten Semester geben kann.

 

Semesterzahl und Anfragen stehen im proportionalen Zusammenhang miteinander

Mit steigender Semesterzahl, steigt (hoffentlich) das Fachwissen und damit einhergehend auch die Anfragen aus dem Umkreis. Inzwischen kann der (fast) fertige Mediziner einen harmlosen Pickel von einem Abszess unterscheiden und darauf hinweisen, dass auch das stärkste Antibiotikum den viralen Infekt nicht kurieren kann. Leider steigen auch die Erwartungen des Umfeldes. So tritt der ein oder andere Freund nun mit heikleren Problemen an den Medizinstudenten heran, oftmals verbunden mit Informationen, die in anderen Freundschaften unausgesprochen bleiben. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Freundschaft und Arzt-Patienten-Beziehung. Zum eEinen ist es schön, wenn Freunde und Familie ein solches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben und mit Problemen direkt zu einem kommen, zum anderen gibt es Informationen, die will man über seine Freunde wirklich nicht wissen. Doch möchte das ein Arzt immer unbedingt über seine Patienten?

Da Freundschaften wichtig sind und es verständlich ist, dass einen die Freunde um Rat bitten, gebe ich diesen auch jeder Zeit gerne. Ich hole mir ja schließlich auch Hilfe bei befreundeten Juristen, wenn ich einmal rechtliche Fragen habe, oder lasse mich von einem bekannten Bankkaufmann in Sachen Finanzen beraten.

 

Ein 24/7 Beruf

Nur manchmal, da wäre es schön, einige Tage keine SMS und Anrufe zu bekommen und mit Freunden etwas zu unternehmen ohne ein "Marlen, wenn Du schon einmal da bist, dann muss ich Dich mal noch fragen…". Doch leider kann ich, anders als eine Praxis, nicht einfach ein paar Wochen schließen. Mit der Entscheidung den Beruf des Arztes zu ergreifen, habe ich mich wohl entschieden, auch im Privaten Arzt zu sein.Und wenn ich einmal ein medizinisches Problem habe, das ich selbst nicht lösen kann? Dann frage ich einfach einen Kommilitonen, der (ist) wird ja schließlich Arzt!

 

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