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  • Text und Foto Melanie Poloczek
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  • 13.04.2018

Bücher der Vorklinik – eine Visite im Regal

Neues Semester, neue Fächer, neue Bücher. Die Auswahl an Medizinbüchern ist riesig, die Entscheidung fällt oft schwer. Welche Vorklinik-Bücher haben sich bewährt?

 

Anatomie

Allgemeine Anatomie & Embryologie

Kurzlehrbuch Embryologie – Thieme

Der Startschuss in die Anatomie fiel an meiner Uni mit der Embryologievorlesung, schließlich steht am Anfang allen Lebens die menschliche Entwicklung, und auch diese will gelernt sein. Das Kurzlehrbuch eignet sich hierfür ziemlich gut: Neben der allgemeinen Entwicklung wird hier auch auf die Entwicklung der verschiedenen Organsysteme und Körperregion eingegangen – nicht zu detailliert, dafür einfach erklärt und mit Bildern unterlegt. Perfekt für all diejenigen, denen die Embryologie schon das ein oder andere Mal Kopfschmerzen bereitet hat.

 

Makroskopische Anatomie

PROMETHEUS Atlanten der Anatomie – Thieme

„Sie können die Anatomie nicht allein mithilfe eines Atlas lernen“, predigen bekanntlich alle Anatomen, aber ohne Atlas geht es eben auch nicht. Viele Bilder auf vielen Seiten geben eine Vorstellung vom Inneren des menschlichen Körpers, egal ob Knochen, Muskeln, Organe oder Kopf und Hals. Die Abbildungen im PROMETHEUS sind eher schematisch, was das Lernen oft vereinfacht. Einziger Haken: Transversalschnitte betrachtet man hier von oben (kranial), also nicht wie in der Klinik bei CT und MRT üblich, nämlich von unten (kaudal).

 

Sobotta Atlanten der Anatomie – Elsevier

Im Gegensatz zum PROMETHEUS entsprechen die Transversalbilder im „Sobotta“ dem in der Klinik üblichen Betrachtungswinkel, was die Orientierung erleichtert. Auch ist mir aufgefallen, dass in Anatomieklausuren nicht selten Abbildungen aus diesen Atlanten verwendet werden. Dennoch fand ich es – vor allem zu Studienbeginn, als noch nicht viel Vorwissen da war – eher schwierig, mich auf den naturalistischen Abbildungen zurecht zu finden, weshalb ich für die Präparierzeit den bildlich-schematischeren PROMETHEUS bevorzugt habe. Mittlerweile schlage ich Strukturen aber auch häufig im „Sobotta“ nach.

 

Duale Reihe Anatomie – Thieme

Kein Anatomielernen ohne Lehrbuch. Wer die „Duale Reihe“ zum ersten Mal in den Händen hält, erschrickt vielleicht aufgrund ihrer Größe, wird aber schnell merken, dass neben dem eigentlichen Text der rote, prägnante Seitenrand die wichtigsten Informationen enthält, sodass abgeglichen werden kann, welche Textpassagen essentiell sind und welche nicht. Auch ist klar: Kein Medizinstudent kann oder muss zum Bestehen seiner Prüfung die ganze „Duale Reihe“ auf dem Kasten haben, umgekehrt geht man mit ihr jedoch nicht das Risiko ein, über bestimmte Themen gar nichts zu erfahren, wie es bei so manchem Kurzlehrbuch der Fall ist.

 

Sobotta Präparieratlas – Elsevier

Zu Beginn des Präparierkurses habe ich diesen Präparieratlas mit in den Saal genommen, in der Hoffnung, dass er mir die Orientierung am Präparat erleichtert. Das ging leider nach hinten los, denn auf den kontrastreichen, (zu) reichlich beschrifteten Abbildungen konnte ich mich nicht gut zurechtfinden. Es hat oft lange gedauert, bis ich die gewünschte Struktur auf einem der Bilder wiedergefunden habe – wenn sie denn überhaupt beschriftet war. Hier hat ein „normaler“ Atlas mehr Licht ins Dunkle gebracht.

 

Neuroanatomie – Trepel – Elsevier

Was Neuroanatomie angeht, ist „der Trepel“, und diese Meinung vertrete ich nicht allein, mit Abstand das brauchbarste Lehrbuch in der Medizinabteilung. Kein Buch erklärt unser Gehirn – von dem wohlgemerkt auch heute noch vieles gar nicht bekannt ist – so ausführlich und studentenfreundlich wie dieses. Metaphern, Fallbeispiele und Klinikeinschübe machen das Lesen zu einer faszinierenden Reise durch unser Nervensystem.

 

Mikroskopische Anatomie

Taschenatlas Histologie – Thieme

Ein Atlas mit Hunderten von beschrifteten Präparatbildern in den verschiedensten Färbungen, die mir die Orientierung im Histologie-Kurs erleichtert haben, wenn wieder einmal alles gleich aussah. Der Atlas beschränkt sich auf Beschreibungen der Präparate, viel Hintergrundwissen ist nicht enthalten.

 

Lüllmann-Rauch – Thieme

Umso mehr Hintergrundwissen enthält hingegen dieses gängige Taschenlehrbuch. Die wichtigsten Präparate sind auch hier in den gängigen Färbungen abgebildet, jedoch überwiegen die Texte zu den einzelnen Geweben, die oft auch biochemisch oder embryologisch hinterleuchtet werden. Für mich eher ein Nachschlagewerk, da das Lehrbuch, obwohl man es am Anfang vielleicht gar nicht vermutet, ein sehr ausführliches ist.

 

Welsch – Elsevier

Ein umfangreiches Buch, das vor allem durch seine schönen Bilder und Zeichnungen überzeugt. Zudem bietet es Abwechslung durch Tabellen und inhaltliche Zusammenfassungen an den jeweiligen Kapitelenden. Trotz der Fülle an Information wirkt es nicht ganz so überladen wie andere Histologiebücher, weshalb ich zum Nachlesen in den meisten Fällen auf „den Welsch“ zurückgegriffen habe.

 

Endspurt Histologie – Thieme

Wer im Histologiekurs nur Fragezeichen sieht und sich fragt, wie er all die pinken Präparate jemals voneinander unterscheiden soll, für den eignet sich das histologische Endspurt-Skript wunderbar, um sich ein Grundwissen anzueignen. Sämtliche Gewebe und deren charakteristische Strukturen werden hier kurz und prägnant dargestellt, viele Tabellen stellen wichtige oder ähnliche Gewebe gegenüber und erleichtern so die Orientierung am Präparat.

 

Biochemie

Duale Reihe Biochemie – Thieme

Für diese gilt prinzipiell Gleiches wie für die „Duale Reihe Anatomie“: ausführlich, viele Bilder, prägnante Zusammenfassungen am Seitenrand. Da die Biochemie aber nicht gerade mein Steckenpferd der Vorklinik war, hat mich die Stoffmenge dieser „Dualen Reihe“ oft erschlagen – viel zu viele Details, wenn die Basics noch nicht sitzen bzw. noch kein Überblick vorhanden ist – sodass ich den „Endgegner Biochemie“ letztendlich mit anderen Lehrwerken besiegt habe.

 

Biochemie und Pathobiochemie – Löffler – Springer

Ein von Dozenten oft hochgelobtes Buch mit tollen Abbildungen und interessanten Klinikbezügen. Ich persönlich konnte jedoch aufgrund der Formatierung nicht gut damit arbeiten: Zu kleine Schrift, die Texte ständig durch Kapitel- und Abbildungsverweise unterbrochen, was zu ständigem Hin-und-her-blättern geführt hat.

 

Smartmedix Lernkarten Biochemie

Wer in der Biochemie nicht sein Lieblingsfach gefunden hat und froh darüber ist, wenn neben all den Enzymen und Kreisläufen die Grundlagen sitzen, dem seien die obigen Lernkarten ans Herz gelegt. Grundlegende Stoffwechselvorgänge und all das, was man fürs Physikum unbedingt wissen sollte, sind auf kleinen Kärtchen stichpunktartig erklärt. Plus, man wird nicht von Strukturformeln und Reaktionspfeilen erschlagen.

 

Endspurt Biochemie – Thieme

Auch für Biochemie gilt: Endspurt mit „Endspurt“! In den Tagen vor der Klausur noch einmal den gesamten Stoff mit Endspurt durchzugehen, um Wichtiges zu festigen und den ein oder anderen zusätzlichen Fakt in Erfahrung zu bringen, hat sich bis jetzt vor jeder Prüfung bewährt.

 

Physiologie

Duale Reihe Physiologie – Thieme

Für mich das beste Physiologiebuch, die Texte sind gut gegliedert und von tollen Abbildungen begleitet. Ganz generell gilt: Egal um welches Fach es sich handelt, mit einer „Dualen Reihe“ kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

 

Pape/Kurtz/Silbernagl – Thieme

Zugegeben, „der Silbernagl“ ist ein Urgestein unter den Physiologiebüchern und an einigen Universitäten aufgrund mitwirkender Professoren gern gesehen. Mir persönlich gefällt der Aufbau nicht, neben langen Texten und Abbildungen, die denen aus der Dualen Reihe nicht ganz das Wasser reichen können, konnte ich mich auch mit dem Schreibstil nicht so ganz anfreunden.

 

Die „kleinen“ Fächer

Was Psychologie, Physik & Co angeht, kann ich keine richtigen Buchempfehlungen aussprechen. Vom „Zeeck“ für die Chemie einmal abgesehen, habe ich für diese Fächer überwiegend mit Vorlesungsmaterialien, Seminarskripten und Online-Plattformen (siehe unten) gearbeitet. Natürlich eignen sich auch hier die Endspurt-Skripte, wenn nicht der Anspruch besteht, tief in das Fach einzutauchen.

 

via medici – online lernen

Zuletzt noch ein Verweis auf die Plattform, mit der ich mittlerweile die meisten meiner Klausuren bewältige und bewältigt habe, beispielsweise den Präparierkurs: via medici, ein Online-Portal von Thieme, in dem Texte und Abbildungen zu sämtlichen Fächern und Themen zur Verfügung stehen, kombiniert mit Videos (zum Beispiel an Körperspendern) und dem Lösen von IMPP-Fragen. Textlich sind die Lernmodule an die Duale Reihe angelehnt, allerdings kann über die Menüführung sämtlicher Schnickschnack ausgeblendet werden, sodass ich mir ausschließlich die Informationen anzeigen lasse, die ich wirklich erhalten möchte. Ein weiterer Vorteil: Dicke Bücher müssen nicht mehr herumgetragen werden, im Gegenteil, ein via medici-Abo ermöglicht unbegrenzten Zugriff auf sämtliche studentische Thieme-Bücher im eBook-Format, falls es doch einmal ein Blick in die „Duale Reihe“ sein soll.

 

Schlussendlich aber ist es schlicht und gar unmöglich, das „beste“ Buch zu küren, denn du selbst musst herausfinden, mit welcher Gliederung, mit welchem Schreibstil und mit welchen Abbildungen du gut zurechtkommst.


Viele Wege führen nach Rom, und viele Bücher führen zum Physikum.

 

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