• Bericht
  • |
  • Carolin Lömke
  • |
  • 11.03.2014

Erste Schritte – frühkindliche Entwicklung erleben (1)

Medizinstudenten der Uni Münster begleiten innerhalb des Projekts „Erste Schritte“ Babys zu den Vorsorgeuntersuchungen. Carolin ist eine davon und erzählt, wie faszinierend ihre Erfahrungen mit ihrem Projekt-Patenkind Mira sind.

 

 Carolin, die kleine Mira und Dr. Krins -  Foto: privat

Dr. med. Stefan Krins (Kinderarzt in Münster) mit Studentin Carolin und Mira während der Vorsorgeuntersuchung.

 

„Mira ist geboren“ – mit dieser Nachricht beginnt für mich ein ganz besonderes Projekt im Rahmen meines Studiums. Als studentische Patin werde ich die Entwicklung des Kindes über zwölf Monate verfolgen. Schon am folgenden Tag darf ich die kleine Mira und ihre Familie kennenlernen. Voller Vorfreude betrete ich die Geburtsstation der Uniklinik Münster. Wenig später legt mir die Mutter ihr Kind in die Arme. „Ihr könnt euch schon mal anfreunden“, sagt sie augenzwinkernd.

 

Das Projekt „Erste Schritte“

Mira und ich nehmen zusammen am Pilotprojekt „Erste Schritte – frühkindliche Entwicklung erleben“ der Uniklinik Münster teil, das von den Ärztinnen Dr. Lea Haisch und Dr. Christiane Elpers initiiert wurde. Ein Jahr lang begleiten acht Studenten je eine Familie mit ihrem Baby zu den Untersuchungen beim Kinderarzt. Ziel des Konzeptes ist es, die normale Entwicklung eines Kindes während seines ersten Lebensjahres zu verfolgen. Indem wir die Familien zu Hause besuchen und während der Vorsorgeuntersuchungen begleiten, können Entwicklungsschritte im Hinblick auf motorische und kognitive Fähigkeiten beobachtet werden.

 

Die erste gemeinsame Untersuchung

Die erste gemeinsame Untersuchung ist die U2, die noch im Krankenhaus stattfindet. Ich schaue zuerst einmal zu, dann darf ich das Herz des kleinen Mädchens abhören. „Das schlägt ja ganz schön schnell“, stelle ich fest. Der Arzt erklärt mir, dass eine Herzfrequenz von ca. 130 Schlägen/Minute bei Säuglingen normal ist. Miras Herz schlägt etwa doppelt so oft wie meins, überlege ich, gar nicht so einfach, da noch die Herzphasen zu unterscheiden. Besonders beeindrucken mich die angeborenen Reflexe des Babys. Der Arzt demonstriert mir verschiedene Reflexe, die eigentlich eher an eine Turnübung als an eine Vorsorgeuntersuchung denken lassen: Nachdem Mira unter den Achseln angehoben wird und ihre Füße die Unterlage des Untersuchungstisches berühren, schreitet Mira voran. Das sieht fast so aus, als könne sie schon laufen. Dieser Reflex wird aber nach einigen Monaten wieder verschwinden. Eine kurze Vorwarnung an die Eltern gibt es vor dem Moro-Reflex: „Nicht erschrecken“, sagt der Oberarzt und lässt den Kopf des Kindes kontrolliert zurückfallen. Mira erschreckt sich sichtlich, streckt die Arme aus und führt sie dann wieder zusammen, genauso wie es der Test erwartet. Alles in Ordnung, Mira ist gesund und darf nach Hause.

 

Carolin und Projekt-Patenkind Mira - Foto: privat

Carolin hat bei den Untersuchungen viel gelernt – und die kleine Mira ins Herz geschlossen.

 

Lernen, wie ein gesundes Kind heranwächst

Der Schwerpunkt unseres Projektes liegt bewusst nicht auf der Pathologie. Die teilnehmenden Kinder wurden bei der U1 ausgewählt, weil sie einen guten Gesundheitszustand zeigen und eine weitere positive Entwicklung erwarten lassen. Wir Studenten sollen ein gesundes Kind heranwachsen sehen, um uns für das spätere Berufsleben eine Sensibilität für Auffälligkeiten anzueignen. Erst wenn wir wissen, wie sich ein gesundes Kind entwickelt, können wir beurteilen, ob ein Kind sich eventuell nicht altersgerecht entwickelt.

Wir Paten sind Studenten verschiedener klinischer Fachsemester. Der Name unseres Projektes „Erste Schritte“ gilt gewissermaßen auch für uns, da wir erste Erfahrungen im Bereich der Kinderheilkunde sammeln: Wir lernen das Berufsbild des Pädiaters kennen und knüpfen erste Kontakte zu niedergelassenen Kinderärzten. Darüber hinaus stellt das Projekt einen weiteren Praxisbezug im Studium dar. Vor jeder Vorsorgeuntersuchung treffen wir uns im Rahmen eines Seminares mit einem Kinderarzt. Dort besprechen wir die nächste Untersuchung anhand von Filmsequenzen von exemplarisch durchgeführten Untersuchungen. Ein großer Vorteil ist, dass alle teilnehmenden Kinder innerhalb von zwei Wochen geboren wurden. Deshalb können wir die Entwicklung der Kinder auch vergleichend beurteilen. Durch das Projekt konnte ich mir jedoch nicht nur zusätzliches medizinisches Wissen aneignen, ich durfte zudem eine sehr nette Familie kennenlernen, die mir von Anfang an viel Vertrauen geschenkt hat. Auch die teilnehmenden Familien profitieren von dem Projekt: Sie erhalten einen Elternordner mit vielen Informationen über die Entwicklung von Kindern in den ersten Lebensjahren. Zudem können sie an einem speziellen Erste-Hilfe-Kurs teilnehmen, der von der Kinderklinik des Uniklinikums Münster angeboten wird.

 

Sichtbare Fortschritte

Vier Wochen sind seit der U2 vergangen und ich erkenne Mira am Tag der U3 kaum wieder. Gewachsen ist sie und auch deutlich aktiver. Die U3 ist die erste Untersuchung, die beim niedergelassenen Kinderarzt stattfindet. Daher steht erst mal das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Miras Kinderarzt nimmt sich sehr viel Zeit und erkundigt sich nach Miras Trink- und Schlafgewohnheiten. Gemeinsam führen wir auch eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte durch. Anschließend wird mir gezeigt, wie man mittels bestimmter Winkel am Ultraschallbild beurteilen kann, ob eine Fehlentwicklung der Hüfte vorliegt.

„Mira ist ja ein richtiges Vorzeige-Baby, was die gesunde Entwicklung angeht“, fasst der Arzt die Ergebnisse der U3 zusammen.Mittlerweile ist Mira drei Monate alt und schon bald steht die nächste Untersuchung an. Ich bin gespannt wie Mira sich entwickelt hat und freue mich darauf, wieder über die Fortschritte von Mira zu staunen.

Insgesamt stößt das Projekt „Erste Schritte – frühkindliche Entwicklung erleben“ sowohl bei Studenten als auch bei den teilnehmenden Familien auf eine positive Resonanz.Es wäre schön, wenn sich das Projekt an der Uniklinik Münster dauerhaft etablieren würde.

 

 


 

Hier geht's zum Erfahrungsbericht von Julien Park, der ebenfalls bei dem Projekt "Erste Schritte" ein Patenkind begleitet hat.

 

Schlagworte
Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete