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  • Carina Wels
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  • 22.01.2013

Humanmedizin studieren? Ja, ich will!

Carina hat sich als frisch gebackene Medizinstudentin intensiv damit auseinandergesetzt, wie schwierig es ist, einen Studienplatz für Humanmedizin zu bekommen. Sie fasst für euch diesen langen Weg bis zum Medizinstudium zusammen und gibt Tipps, wie ihr diesen Weg einfacher und sinnvoller gestalten könnt.

Am Anfang steht natürlich der große Wunsch in die Medizin zu gehen, Arzt zu werden, in die Forschung oder sogar in die journalistische Sparte zu wechseln. Die Möglichkeiten sind groß, denn das Medizinstudium ist ein Grundstein, der für die unterschiedlichsten Berufsfelder gesetzt werden kann.

Optimal ist es natürlich, wenn man sich bereits Jahre vor dem Abitur sicher ist, dass man Humanmedizin studieren möchte. Wenn man dann noch über den Numerus Clausus, relevante Fächer und andere Voraussetzungen Bescheid weiß, führt das zu einer ganz anderen Sichtweise darauf, was einen erwartet und was man leisten muss, um übergangslos einen Studienplatz zu erhalten.

Klar im Vorteil ist auch, wer sich mit den Zulassungsvorraussetzungen von hochschulstart.de (früher ZVS) auskennt. Diese vergeben nämlich über die Abiturbestenquote 20% der Studienplätze an Bewerber mit einem Abiturdurchschnitt von 1,2 oder besser. Alternativ braucht man sehr viel Geduld, denn ebenfalls 20% der Studienplätze werden über die Wartezeitquote verteilt.

Im Moment beläuft sich die Wartezeit auf bis zu 12 Semester. In dieser Zeit darf jedoch kein anderes Studium an einer deutschen Hochschule aufgenommen werden, da die gesammelten Wartesemester sonst verfallen bzw. man gar nicht erst beginnen kann welche zu sammeln. Diese Wartezeit überbrücken die Meisten mit einer beruflichen Ausbildung im medizinischen Bereich, beispielsweise als Krankenpfleger oder Sanitäter. So nutzt man die Zeit sinnvoll und bereitet sich nebenbei schon auf das Studium und den anschließenden Krankenhausalltag vor.

Die übrigen 60% der Studienplätze werden durch das Auswahlverfahren der Hochschulen verteilt. Hierbei ist die Abiturdurchschnittsnote immer noch maßgeblich, kann allerdings durch weitere Kriterien ergänzt werden. Zum Beispiel können gute Einzelnoten des Zeugnisses in bestimmten Fächern, meistens Naturwissenschaften, die Chancen auf einen Studienplatz erhöhen. In diesem Verfahren haben die Hochschulen auch die Möglichkeit, bereits abgeschlossene Berufsausbildungen oder eine bestehende Berufstätigkeit positiv anzuerkennen. Auch persönliche Auswahlgespräche sind keine Seltenheit.

Wer sich für ein Medizinstudium interessiert, kann zusätzlich versuchen durch den "Test für medizinische Studiengänge" (kurz "TMS") seine Aussichten auf einen Platz zu verbessern. Leider bezieht nicht jede Uni die Ergebnisse des TMS in ihre Entscheidung mit ein. Aber bei Universitäten, die den Test anerkennen, kann man seine Chancen durch ein gutes Ergebnis erheblich verbessern. Hierzu gehören die Universitäten Bochum, Heidelberg, Leipzig, München und einige mehr. Wer also in Betracht zieht, an einer dieser Hochschulen sein Studium aufzunehmen, sollte diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen.

Wie immer im Leben kann das Glück auch bei der Vergabe der Studienplätze seine Finger im Spiel haben. Nach den Auswahlverfahren wird nämlich um Teil- oder Vollstudienplätze gelost. Ein Teilstudienplatz bedeutet, dass man lediglich für die Vorklinik zugelassen ist. Da die Zeit, die man mit einem Teilstudienplatz eingeschrieben ist, jedoch komplett in Wartesemestern angerechnet wird, ist auch eine begrenzte Zulassung ein Grund zur Freude.

Dem gegenüber stehen Studienplatzklagen, Privatuniversitäten oder ein Studium im Ausland. Das alles sind größere finanzielle Belastungen und dabei ist der Erfolg bei einer Studienplatzklage nicht einmal garantiert. Zu den Privatuniversitäten sei noch gesagt, dass sie ihre eigenen Auswahlverfahren durchführen, bei denen dem Abiturschnitt keine allzu große Bedeutung beigemessen wird. Meiner Meinung nach ist das generell richtig, denn der Abiturschnitt alleine macht noch lange keinen Mediziner.

Wessen Herz also für die Medizin schlägt, der sollte auch alles daran setzen, hier einen Studienplatz oder eine Ausbildung zu bekommen. Wer sich nicht ganz sicher ist, dem empfehle ich im Vorfeld ein Praktikum im Krankenhaus oder beim Bundesfreiwilligendienst in medizinischen Einrichtungen abzuleisten. Dieser Ratschlag gilt insbesondere denen, die sich überlegen auf einen Studienplatz zu warten. Denn im Vorfeld Praxiserfahrung zu sammeln, hat viele Vorteile und kann sogar als Krankenpflegepraktikum angerechnet werden. Ob das geht und ob es komplett oder teilweise angerechnet wird, hängt von der Form und Länge des Praktikum oder Bundesfreiwilligendienstes ab davon, in welcher Einrichtung es stattgefunden hat.

Das Krankenpflegepraktikum stellt auch eine der Voraussetzungen für das Bestehen des Physikums (der 1. Ärztlichen Prüfung) dar. Und wenn man es schon vorher absolviert, dann kann man bereits einschätzen, was auf einen zukommt, was einem abverlangt wird und kann sich im Zweifel einen Alternativplan zurecht legen. So verliert der Kampf um einen Studienplatz reichlich an Schrecken und man kann sich darauf besinnen, was heute, morgen oder vielleicht erst in 12 Wartesemestern vor einem liegt.

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