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  • Tabea Blessing
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  • 16.02.2011

Visitentraining

Auf dem Weg zum Arztsein müssen eine Menge Barrieren überwunden werden. In Münster gehört dazu auch das sogenannte Visitentraining, das im Rahmen des Medical Skills-Kurses absolviert werden muss. Tabea Blessing sammelte erste Erfahrungen mit unmotivierten Patienten und intimen Gesprächen.

Die Uniklinik Münster bieten den Medical Skills-Kurs das erste Mal im 4. vorklinischen Semester an. In dem Kurs werden grundlegende Untersuchungs- und Anamnesetechniken an schauspielernden Patienten gelernt und erprobt. An insgesamt sechs Terminen lernen die Studenten beispielsweise Reflexe zu testen und den Leberrand zu tasten, immer gefolgt von einem Anamnesegespräch in realer Atmosphäre.

Der Höhepunkt des Kurses ist das Visitentraining. In einem "Parcours" muss jeder Student ein Gespräch mit einem Schauspieler führen, der versucht seine Symptome und Stimmungen im Kontext seiner imaginären Krankheit möglichst reell darzustellen.

 

Der erste Kontakt: Wie fühlen wir uns heute?

Ich bin als Vierte an der Reihe. Mein Tutor teilt dem Patienten mit, dass ich gleich ins Zimmer kommen werde. Von meinen Kommilitonen beobachtet, krümmt sich der Patient mit leidensvoller Miene noch einmal in seinem Krankenbett. Ich betrete das Zimmer und stelle mich vor: "Guten Tag, mein Name ist Tabea Blessing, ich bin Studentin auf dieser Station und möchte gerne das Aufnahmegespräch mit Ihnen führen. Wie fühlen sie sich?"

Aus großen und vor allem gelben Augen starrt mich mein Patient an. Ich staune, wie gut die Maske bei dem etwa 16-Jährigen gearbeitet hat. Sogar die Ohrmuscheln sind mit gelber Farbe angemalt. "Nicht so gut", kommt aus seinem ebenfalls gelben Mund und in meinem Kopf beginnt es zu rattern: Gelb, Ikterus, Leber, Hepatitis, Reisen, "Sex, Drugs and Rock'n Roll".

 

Fragen über Fragen

Obwohl ich in meiner vorklinischen Laufbahn noch kein großes klinisches Wissen angehäuft habe, fange ich an Fragen zu stellen, die ich für zielführend halte. "Waren Sie schon einmal im Krankenhaus?", "Haben Sie eine Bluttransfusion erhalten?", "Waren Sie in letzter Zeit im Ausland?" und auch "Haben Sie jemals Kontakt mit Drogen gehabt?" Man will ja nichts übersehen.

Mein Patient antwortet einsilbig, es ist schwierig die wichtigen Informationen aus ihm herauszubekommen. Unbeeindruckt stelle ich weiter Fragen und ermuntere ihn zu erzählen, auch, was ihm sonst noch auf dem Herzen liegt, man weiß ja nie. Nachdem ich ihm in Aussicht gestellt habe, dass der Oberarzt gleich kommen werde und wir ihm ganz sicher helfen könne, verabschiede ich mich mit einem guten Gefühl.

 

Ziel erreicht: Keine Angst vor "richtigen" Patienten

Nach der Feedback-Runde, in der die Kommilitonen, der Tutor und der Patient konstruktiv kritisieren und loben dürfen und sollen, fühle ich mich noch besser. Auch bei den Mitstudenten ist meine Gesprächsführung gut angekommen.
Was ich aus dem Kurs mitgenommen habe: Auch ohne das ganz große klinische Wissen ist ein Anamnesegespräch durchaus machbar, und die Patienten wollen einem nichts Böses.

So freue ich mich schon auf die Klinik, auf die ersten Gespräche mit "richtigen" Patienten. Angst habe ich nun nicht mehr davor.

 

Danke, Studienhospital!

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