• Artikel
  • |
  • Text, Foto Melanie Poloczek
  • |
  • 15.06.2018

Teddybärkrankenhaus – Irgendwas stimmt mit Hasi nicht

Kindern spielerisch die Angst vor dem Arzt nehmen – das haben sich die Teilnehmer des Teddybärkrankenhauses zur Aufgabe gemacht. Einmal jährlich können Kindergartenkinder ihre kranken Kuscheltiere von Medizinstudenten behandeln lassen. Egal ob Beinbruch oder Bauchweh, jedem Teddy wird geholfen.

 

 

Es ist ein sonniger Morgen, kurz nach acht, als die ersten Kinder eintreffen. In bester Lage, direkt vor dem Münsteraner Schloss, stehen auch dieses Jahr weiße Zelte, die zusammen das sogenannte Teddybärkrankenhaus bilden. Anamnesezelt, Behandlungsraum, Apotheke, Anatomie-Schule, Zahnklinik und Physiotherapie – über hundert Human- und Zahnmediziner, Pharmazeuten und angehende Physiotherapeuten haben in diesen Tagen die Gelegenheit, Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln und erste „Patienten“ zu behandeln.

„Schnuffi hat Ohrenschmerzen“, begrüßt mich das erste Kind in meiner Schicht. Das linke Ohr des Plüschhasens, der zuvor im Anamnesezelt vermessen, gewogen und mit einem Krankenblatt ausgestattet worden ist, hängt nur noch am seidenen Faden. Während ich mein Bestes gebe, um den Lauscher möglichst schön wieder anzunähen, inspiziert der kleine Junge neben mir die zahlreichen Utensilien vor uns auf dem Behandlungstisch: Pflaster, Mullbinden, Einmalspritzen – nur den zum Ultraschallgerät umfunktionierten Schuhkarton habe er zuhause nicht in seinem eigenen Arztkoffer. Wenn er groß ist, will er Doktor werden.

Doch nicht alle Kinder sind so gesprächig, und nicht jedem Stofftier fehlt ein Ohr. Von Bauchschmerzen („Teddy hat zu viele Süßigkeiten gegessen“) über Gehirnerschütterungen („Bruno ist nachts aus dem Bett gefallen“) bis hin zu Knochenbrüchen („meine Giraffe hatte einen Fahrradunfall“) müssen sich die Teddy-Doktoren auf die kreativsten Krankengeschichten einlassen. Neben der Möglichkeit, gemeinsam mit den Kindern Verbände anzulegen oder Pflaster aufzukleben, gibt es auch die Option, eine Blutabnahme nachzuahmen (rote Watte in der Spritze), das Stofftier zu „röntgen“ (die Fotokopie eines Teddy-Skeletts darf das Kind danach mitnehmen) oder sogar eine kleine Operation zu simulieren (samt Mundschutz, OP-Tuch und darunter verstecktem Lego-Stein – denn den hat Teddy verschluckt).

Das Projekt Teddybärkrankenhaus ist mittlerweile an vielen Universitäten etabliert und bringt Vorteile für beide Seiten. Während einige Kinder während des „Krankenhausbesuches“ tatsächlich die Scheu vor uns Menschen in Weiß verlieren, zunehmend gesprächiger werden und natürlich auch Neues über den Körper lernen, bietet sich uns Studenten die Möglichkeit, die Kommunikation mit den Kleinsten zu üben: Gespräche auf Augenhöhe, kinderfreundliche Erklärungen und die Bemühung, die Aufmerksamkeit der Teddy-Eltern für sich zu gewinnen, stehen an der Tagesordnung.

Nicht nur Medizinstudenten nehmen teil. Nach der Behandlung im Untersuchungszelt gibt es Obst und Trost-Gummibärchen im Apothekenzelt der Pharmaziestudenten, und in der „Zahnklinik“ erklären Zahnmediziner, wie richtiges Zähneputzen funktioniert.
Von den begleitenden Erziehern hört man oft, wie schön sie die Idee des Teddybärkrankenhauses finden und auch uns Studenten bereitet die Teilnahme in der Regel große Freude – obwohl die Arbeit im Kindergetümmel hinterher meist anstrengender ist als erwartet.

Fazit: Wer die Möglichkeit hat, am Teddybärkrankenhaus teilzunehmen, sollte sie unbedingt nutzen – tierischer Spaß ist garantiert!

Schlagworte
Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete