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  • Carina Wels
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  • 16.03.2017

Elektrisierend – Was bringt der Trendsport EMS?

Keine Zeit für Training? Die Lösung soll Elektrostimulationstraining sein. Hält dieser neue Fitnesstrend, was er verspricht?

EMS- Triaining - Foto: ©lunamarina-Fotolia.com

 

Uns Medizinstudenten fehlt vor den Prüfungen zumeist eines: Freizeit. So bleibt die immens wichtige körperliche Fitness häufig auf der Strecke. Der Alltag scheint unvereinbar mit einem ausgiebigen Krafttraining zur Stärkung des Muskelkorsetts und auch das Kardiotraining, um das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu halten, kommt zu kurz.
Die Folgen, die aus diesem Bewegungsmangel resultieren sind alles andere als harmlos. Besonders Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen, müssen mit teils schwerwiegenden Nachwirkungen rechnen. Hier reicht das Spektrum von: Muskelabbau, Rücken-, Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes Typ 2, Osteoporose, Arthrose; bis hin zu diversen Stresserkrankungen. Dies sind einige der großen Epidemien unserer Zeit.

 

Was wären wir ohne Muskeln?


Unsere Knochen wären nicht miteinander verbunden, wir könnten uns nicht bewegen, unser Herz würde nicht schlagen, geschweige denn existieren.
Für uns gibt es also kein Dasein ohne Muskeln. Nun ist die Mehrzahl von uns in der glücklichen Lage, mit allen nötigen und voll funktionsfähigen Muskeln ausgestattet zu sein. Natürlich ist das nur die Grundvoraussetzung und da ist noch viel Luft nach oben. Ein gut trainierter Körper ist nicht nur ästhetisch für die meisten ansprechend, sondern auch sehr gesundheitsfördernd.

 

Wie funktionieren Muskeln?


Der normale Muskelaufbau geschieht durch Muskelkontraktionen, die meistens durch Bewegung herbeigeführt werden. Hierbei handelt es sich um einen biologischen Prozess, bei dem mechanische Kräfte im Muskelgewebe erzeugt werden. Die Kräfte entstehen durch Umwandlung von chemischer in mechanische Energie mittels des ,,Aktin-Myosin-Komplexes’’ in den einzelnen Muskelzellen, der wiederum seine chemische Energie aus der Hydrolyse von ATP (Adenosintriphosphat) bezieht. Der Befehl zur Kontraktion kommt allerdings vom Gehirn. Das Nervensystem leitet daraufhin elektrische Impulse an die Muskeln, die folglich kontrahieren. Das Adenosintriphosphat (ATP) ist der chemische Stoff, der den Muskel mit Energie versorgt, die benötigt wird um die Kontraktion des Muskels einzuleiten. Das Zusammenspiel von ATP und der Muskelfaser ist hierbei das Erfolgsrezept. Läuft die Muskelkontraktion mit aktiver Bewegung ab, so nennt man dies ,,isotonische Kontraktion’’, geschieht der Vorgang ohne Bewegung spricht man von ,,isometrischer Kontraktion’’. Letzteres ist dabei die Art von Kontraktion, die durch elektrische Impulse von außen, also, beispielsweise beim EMS Training, vollzogen wird.

Video: So funktioniert ein Muskel


Was ist EMS?


Die elektrische Muskelstimulation (EMS) ist keine neue Methode, schon seit Jahrzehnten findet dieses Verfahren in verschiedenen Disziplinen Anwendung. EMS wurde bis vor einiger Zeit hauptsächlich in der Rehabilitationsmedizin zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt. Bei Rückenschmerzpatienten konnte sich sogar ein korrigierender Effekt auf die schmerzbedingten Fehlhaltungen manifestieren. Auch im Bereich des Leistungssports wird die Methode des Muskeltrainings durch elektrische Impulse schon seit langem eingesetzt. Seit einigen Jahren haben nun auch Privatpersonen die Möglichkeit z.B. in speziellen EMS Studios das strominduzierte Krafttraining zu absolvieren. Beim EMS Training trägt man einen Trainingsanzug, auf den dann die verschiedenen Elektroden aufgebracht werden. Die Elektroden wiederum sind mit dem Steuergerät verbunden, das den Strom liefert und dem Trainer die Möglichkeit gibt, die Intensität der Impulse individuell zu variieren. Hierbei läuft die Stimulation des Muskels nicht über den physiologischen Weg (Gehirn - Nervensystem - Muskel), sondern erfolgt auf direkte Art. Die Muskelzellen werden also auf direktem Weg durch die elektrischen Reize erregt und kontrahieren daraufhin. Die Impulse des niedrigen Reizstroms bringen den Muskel somit dazu, seine Aktivität unter körperlicher Anstrengung nachzuahmen. Passiert dies nun häufig und intensiv genug, verdicken sich die Muskelfasern und werden so kräftiger. Es kommt zu Muskelwachstum.

Konventionelles Kraft- und das EMS-Training zielen also beide darauf ab, Muskelkontraktionen zu erzeugen. Vorteilig beim EMS Training ist, dass diese Kontraktionen in kürzeren Abständen und höherer Frequenz induziert werden können. Somit reduziert sich die Trainingsdauer auf lediglich 20 Minuten für 1-2 Mal die Woche.

 

Ist EMS also ein Ersatz für herkömmlichen Sport?


Nein, EMS bewirkt Muskelwachstum in einem gewissen Rahmen. Durch Muskelaufbau erhöht sich der Grundumsatz, was bedeutet, dass der tägliche Kalorienverbrauch im Ruhezustand steigt. Jedoch fördert das Training mit den Elektroden auf der Haut in erster Linie die Kraft. Durchaus nützlich! Aber um rundum fit und gesund zu bleiben, brauchen wir außerdem auch Kondition sowie Koordinationsfähigkeit. Das EMS Training bildet demnach eine gute Grundlage, es stellt aber keinesfalls einen Ersatz für ein ganzheitliches Sportprogramm dar und sollte deshalb mit Ausdauertraining ergänzt werden. Nur auf diesem Wege erhält man eine optimale Kombination aus zeitsparendem, effektivem Kraft- und Kardiotraining.

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