• Bericht
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  • Catharina Nitsche
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  • 20.01.2014

Anatomie mal anders – Ein Tag in Groningen

Seit 2012 gibt es den Studiengang Humanmedizin in Oldenburg – doch die Fakultät verfügt über kein anatomisches Institut. Da das Fach Anatomie auf keinem Stundenplan eines Medizinstudenten fehlen darf, kooperiert die Oldenburger Universität mit der Rijksuniversiteit in Groningen. Doch dort läuft der „Präpkurs“ ein wenig anders ab als in Deutschland.

Foto: imagesource

 

Es ist 07:15 Uhr. Schnell hasten alle Medizinstudenten aus dem ersten Semester mit Kittel und Anatomieatlas ausgestattet zum Bus. Dieser fährt uns gemeinsam von unserem Campus in Oldenburg aus zum anatomischen Institut der Rijksuniversiteit am University Medical Center Groningen. Auf der Hinfahrt wird noch ein bisschen Schlaf nachgeholt, sich unterhalten oder schon einmal die Aufgaben im Leitfaden passend zu unserem Aufenthalt bearbeitet.

An der European Medical School (EMS) der Universität Oldenburg in Groningen erwartet uns kein Präparierkurs, wie wir ihn aus Deutschland kennen. Stattdessen werden Anatomiepraktika durchgeführt. An bereits vorbereiteten Präparaten werden Muskeln, Nerven und alle weiteren Strukturen passend zum Wochenthema studiert.

 

Der Vormittag – Lernen an Präparaten

Um 09:00 Uhr kommen wir in Groningen an. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie früher in der Grundschule, als man zum Schwimmunterricht zum nächsten Schwimmbad fahren musste. Wir gehen durch die große Aula des University Medical Centers, an der kleinen modern eingerichteten Cafeteria vorbei, runter in den Keller zu den Präpariersälen.

Bis etwa 12:00 Uhr untersuchen wir vorgefertigte Präparate. Zu Anfang wird uns das wichtigste erklärt und einige Hinweise gegeben, worauf wir achten sollen. Wir werden dazu in zwei Gruppen mit jeweils 20 Studierenden aufgeteilt. Für die Mutigen unter uns gibt es die Einführung auf Englisch von einem Dozenten aus Groningen, die andere Gruppe wird auf Deutsch von unserem Anatomiedozenten aus Oldenburg eingewiesen. Der Leitfaden ist an die Präparate weitestgehend angepasst, sodass wir zum Beispiel die dort aufgeführten Nerven direkt am Präparat suchen können.

 

Wenn nach dem Anatomiepraktikum noch Anatomie in vivo auf dem Plan steht, haben wir zunächst bis 13:00 Uhr eine Mittagspause. Die meisten Studenten gehen in der Mensa eine Kleinigkeit essen. Wer frittiertes Essen nicht gerne mag, sollte sich etwas mitbringen, denn neben Joghurt und Brötchen mit Aufschnitt hält sich die weitere Auswahl in Grenzen.

 

Der Nachmittag – Lernen an Kommilitonen  

Bis 16.00 Uhr haben wir an einigen Terminen den Kurs Anatomie in vivo. Anatomie „am Lebenden“ bedeutet gegenseitiges Untersuchen der Studenten unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Zum Beispiel passend zu dem Wochenthema Knie wird das Knie untersucht. Zu tastende Knochenpunkte haben wir an uns gegenseitig eingezeichnet. Beim ersten Mal in diesem Kurs war die Stimmung etwas zurückhaltend. Schließlich zieht man sich nicht jeden Tag die Hose aus, damit ein gerade kennengelernter Kommilitone das Knie untersuchen kann.

 

Schon nach kurzer Zeit fühlt es sich aber eher wie eine normale Untersuchung bei einem Arzt an. Neben anatomischen Kenntnissen lernen wir, die Rolle des Patienten und die des Arztes einzunehmen. Wir erleben am eigenen Körper, was es bedeutet, körperlich untersucht zu werden. Einige Punkte an unserem Körper sind empfindlicher als andere. Das Tasten bestimmter Halswirbelfortsätze ist zum Beispiel nicht sehr angenehm. Mit diesen Erfahrungen können wir uns dem Patienten gegenüber bei der Untersuchung dementsprechend verhalten und auf unangenehme Stellen achten.  

 

Danach geht es mit dem Bus wieder zurück nach Oldenburg. Aufs Präparieren müssen die Oldenburger Studenten aber trotzdem nicht ganz verzichten. Wer auch selber mal das Skalpell in die Hand nehmen möchte, hat dazu im Rahmen eines Wahlpraktikums die Möglichkeit. Dies ist fest in das Studienjahr eingebunden. 

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