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  • Catharina Nitsche
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  • 10.08.2016

Medizin studieren ohne Abitur: Geht das?

Kurzum, die Antwort lautet: Ja! Auf der Kultusministerkonferenz im Jahr 2009 wurde beschlossen, wer wie trotz fehlendem Abitur an einer Hochschule in Deutschland studieren darf. Hier erfährst du mehr.

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Grundsätzlich gibt es zwei Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um an einer deutschen Hochschule studieren zu dürfen: Die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung und die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur).

Eine fachgebundene Hochschulberechtigung muss aber nicht unbedingt an einer Schule erworben werden. Auch eine Ausbildung in der Krankenpflege mit anschließend dreijähriger Erfahrung im Beruf gilt beispielsweise als fachgebundene Hochschulreife, wenn ein Eignungstest erfolgreich abgeschlossen worden ist. Wie dieser Test genau aussieht, unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. Ein einjähriges Probestudium, bei dem bestandene Prüfungen den Eignungstest ersetzen, ist an manchen Universitäten möglich.

Auch andere Ausbildungen gelten, allerdings müssen sie mindestens zwei Jahre dauern und thematisch zum gewünschten Studienfach passen. Eine Durchschnittsnote von mindestens 2,5 muss erreicht werden. Mit einer Fachhochschulreife kann man an Fachhochschulen studieren und in dem jeweiligen Fach an Universitäten. Nach einem abgeschlossenen Bachelorstudium an einer FH oder Uni in dem jeweiligen Fach hat man aber die allgemeine Fachhochschulreife erlangt.

Stipendiaten des Aufstiegsstipendienprogramms des Bundes müssen lediglich zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen. Betreuung für Kinder und finanzielle Unterstützung sind zwei wichtige Teile dieses Programms. Auch berufsbegleitendes Studieren kann gefördert werden.

Ein Meistertitel oder eine gleichwertige Fortbildung stellen neben dem Abitur die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung dar. Für Krankenpfleger und –pflegerinnen gibt es Fortbildungen, die diesen Ansprüchen entsprechen. Die Auswahl dieser Fortbildungen dürfen die Bundesländer variieren.
Als Beispiel findest du hier eine Beschreibung der Uni Oldenburg, welche Wege zum Studium ohne Abi an einer Uni führen.

Zudem findet man unter „Links“ ein Dokument mit einer Auflistung, welche Ausbildungsberufe für das Medizinstudium anerkannt werden. Auch Kontakte und Ansprechpartner sind dort zu finden. Für das Land Niedersachsen gibt es hier nähere Informationen, wie zum Beispiel auch Termine und das Formular für den Antrag auf Zulassung zur Prüfung für den Erwerb der fachbezogenen Hochschulzugangsberechtigung. Es lohnt sich, vor der Bewerbung ein Beratungsgespräch an der Universität zu vereinbaren.

Anerkannt sind die Berechtigungen offiziell nach einem erfolgreichen Studienjahr (das Probestudium nicht eingerechnet). Danach darf einfach weiterstudiert werden.

Das offizielle Dokument zu dem Entschluss der Konferenz findest du hier.
Auch die Arbeitsagentur hat einige Informationen zum Thema gesammelt. Besonders für die Finanzierung werden hier Möglichkeiten aufgezeigt.

Die Bewerbung für Medizin an der Hochschule findet genau wie bei Abiturienten und denjenigen, die auf einen Studienplatz warten über hochschulstart.de statt. Die Durchschnittsnote im Abitur ist ein wichtiges Kriterium für die Vergabe der Studienplätze. Der Numerus clausus (NC) ist der Durchschnitt, der von den Bewerbern mit Zusage für einen Studienplatz mindestens im Abitur erreicht wurde. Er wird nicht von den Hochschulen festgelegt, sondern ergibt sich aus den Noten, die die Bewerber vorweisen.

Der NC spiegelt also immer das vorherige Semester wieder. Bewerben sich beispielsweise nur Abiturienten mit einem Durchschnitt von 2,0, läge der NC bei 2,0. Im Fach Medizin gibt es mehr Bewerber als Studienplätze und sehr viele davon haben ein sehr gutes Abitur. Daher liegt der NC sehr hoch. Bei einer Ausbildung oder geltenden Fachweiterbildung z.B. gilt die Abschlussnote dieser Qualifizierung. Genauere Informationen zum Bewerbungsverfahren und nützliche Informationen für Bewerber ohne Abitur findet ihr auf der Homepage .

Für 20% der Plätze einer Uni werden die besten Bewerber vorab zugelassen und erhalten direkt einen Studienplatz. 20% werden nach Wartezeit (wenn nach dem Abitur kein Studium an einer deutschen Hochschule aufgenommen wurde) vergeben und 60% der Plätze vergibt die Hochschule nach individuellen Kriterien. 51% muss aber dennoch von der Note entschieden werden – ob von der Durchschnittsnote im Abitur oder der Fachweiterbildung.

 

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