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  • Julia Hadala
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  • 05.09.2018

Aller Anfang ist schwer

Der Zulassungsbescheid fürs Medizinstudium war für Julia der Startschuss in ein neues Leben. Hier erzählt sie, was sie im letzten Jahr erlebt hat.

 

 

Wie beginnt man ein Medizinstudium? Worauf sollte ich mich vorbereiten? Sollte ich mich vielleicht schon mit dem einen oder anderen Fach befassen, um mir einen Überblick über das zu schaffen, was mich im 1.Semester erwartet? Solche und viele andere Fragen schwebten mir in der Zeit vor meinem Studienbeginn in den Gedanken. Doch die größte Frage aller Fragen war:
Würde ich überhaupt meine lang ersehnte Zulassung bekommen?


Am 22. September war es dann so weit: Meine Hoffnungen, nach etlichen Berechnungen, schon fast aufgegeben, stürmte ich im Frühdienst meines Pflegepraktikums nicht direkt zum Handy, sondern wurde erst beim Frühstück von den Ärzten aufgefordert. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: „Schau doch nach deinen Mails!“ sagte der Oberarzt. Unverhofft schaute ich im Postfach nach.
Und da war sie plötzlich. Meine Zulassung für das Medizinstudium an der Universität Rostock.
Und zugleich der Beginn eines neuen Kapitels. Mein erster Gedanke war: Ich werde Medizin studieren! Meine weiteren Gedanken folgten jedoch schnell darauf: Aber das Studium beginnt bereits in 4 Wochen!Wie soll ich so schnell eine Bleibe finden? Finde ich eine Wohnung? Schaffe ich es, mit gerade gewordenen 18 Jahren alleine zu wohnen? Alles selbst zu regeln? Habe ich den Mut, dieses neue Kapitel meines Lebens anzufangen?

Aus vielen Zufällen gestrickt und durch ein paar Bekanntschaften in der Klinik, in der ich damals als Praktikantin arbeitete, fand ich eine Wohnung in Rostock. Und wie es so mit den richtigen Plätzen ist, verliebte ich mich in sie und lernte meine neue Stadt kennen, die ich von nun an meine Wohnstadt und meinen Studienort nennen würde.

Als Großstadtkind, ich bin gebürtige Berlinerin, fiel es mir seltsamerweise nicht schwer, mich in diese Stadt zu verlieben. Ich vermisste nicht die Größe einer Großstadt - im Gegenteil, ich verliebte mich in die vergleichsweise Kleinheit einer wunderschönen Stadt am Meer, in der ich mich schon nach ein paar Wochen gut auszukennen vermochte.

Die ersten Bausteine für mein Studium und kommenden Lebensabschnitt wurden gelegt: Die Wohnung wurde so langsam eingerichtet, über die Universität täglich recherchiert und die Stadt besichtigt. Und während ich die Wohnung Stück für Stück herrichtete, begann auch schon der erste zu belegende Kurs der Universität Rostock: Terminologie. Gleichzeitig wurde auch das Datum für die erste Prüfung festgelegt. Im Nachhinein muss ich darüber lächeln, welche Angst und Nervosität ich vor der Terminologie-Klausur hatte - immerhin war es die erste Uniprüfung in meinem Leben. Die Prüfung wurde absolviert und bestanden - und damit begann für mich erst richtig das Semester. Endlich Medizinisches! Nicht mehr Deklinieren, Konjugieren und Vokabeln-Auswendiglernen, endlich Module, auf die ich mich so gefreut habe, Module, für die ich mich für das Medizinstudium entschieden habe, Module, von denen ich zu Beginn des Studiums noch keinerlei Wissen hatte. Die Vorlesungen in den Fächern Physik, Biologie, Chemie, Histologie, Anatomie, Embryologie und Psychologie begannen - und mit jeder Vorlesung rückten auch die Prüfungstermine näher.

Ich habe gelesen, recherchiert, markiert und gekreuzt was das Zeug hält und ehe ich mich versah, steckte ich schon tief in der Klausurenphase. Während manche Fächer schriftlich abgefragt wurden, musste ich mich auch damit anfreunden, dass ich manche Fächer nur auf eine Weise belegen und verabschieden werde: mündlich. Dazu zählten die Testate in den Modulen Embryologie und Histologie. Und dabei war die Embryologie doch mein Feind! Es grauste mir - ich habe Nächte durchgepaukt, Videos zig Mal angeschaut und hatte beinahe das Gefühl, manche Sätze drei Mal lesen zu müssen, bis ich sie verstand. Doch auch hier konnte ich meine Angst glücklicherweise verlieren und einen Vorgeschmack darauf bekommen, was im 2. Semester anstehen würde: der Präparierkurs und die „Präp-Testate“, die allesamt mündlich verliefen. Ein anstrengendes Semester, dessen Tage mir so manchmal den letzten Nerv geraubt haben (im wahren Sinne des Wortes). Doch auch dieses Semester konnte ich erfolgreich
absolvieren.

Was habe ich in diesem 1. Jahr meines Medizinstudiums gelernt?
Neben all dem Inhaltlichen vor allem eines: der Beginn eines Studiums bezieht sich nicht auf eine Woche oder einen Monat. Pauschalisieren kann man die Dauer des Beginnes sowieso nicht, denn bei mir dauerte der Beginn genau so lange, wie ich jetzt studiert habe - ein gesamtes Studienjahr. Denn zum Beginn gehört so viel mehr als nur das Studium. Kurz und knapp:
Aller Anfang ist schwer, aber nicht ein Stückchen weniger fantastisch.

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