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  • Antonia Greb
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  • 05.09.2013

Alle Jahre wieder: die Beginner's Week

Frisch eingeschriebenen Erstsemestler der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität lernen ihre Uni im Rahmen der “Beginner's Week” kennen. Doch erleichtert das den Einstieg der Neulinge wirklich?

Es ist nicht leicht, an der PMU aufgenommen zu werden. Jedes Jahr bewerben sich Hunderte junge Studiuminteressierte im Frühjahr an der medizinischen Privatuniversität und hoffen darauf, zu den 50 Auserwählten eines jeden Jahrgangs zu zählen, die in nur fünf Jahren die Promotion der Humanmedizin erlangen können.

 

Studenten auf dem Sofa - Foto: K. Oborny

 

Die erste Hürde stellt ein umfassender computergestützter Test unter psychologischer Aufsicht dar. Wie der Test ausgewertet wird und nach welchen Kriterien geeignete Bewerber ausgewählt werden, bleibt streng geheim. In der zweite Runde, dem Interview, wird dann unter Berücksichtigung der Testergebnisse sowie der individuellen Bewerbungsunterlagen entschieden, wer es geschafft hat. Doch auch diejenigen, für die es nicht auf Anhieb gereicht hat, dürfen sich noch Hoffnungen machen: Erfahrungsgemäß nehmen zehn bis fünfzehn der erfolgreichen Bewerber ihren Studienplatz nicht an, sodass Jahr für Jahr die Obersten auf der Warteliste nachrücken. Dann geht alles ganz schnell: Die Letzten erfahren erst wenige Tage vor Studienbeginn (Ende August), dass es doch noch gereicht hat und ein Studienplatz in Salzburg auf sie wartet.

Die Beginner's Week

Endlich! Das für viele langersehnte Medizinstudium beginnt. Aber zunächst wartet die “Beginner's Week” auf die neuen Studierenden: Während der ersten drei Wochen des Studiums sollen die Neuankömmlinge Zeit und Gelegenheit haben, sich untereinander kennenzulernen, mit der Universität vertraut zu machen und sich am neuen Studienort ein wenig einzurichten. Außerdem startet parallel das Mentorenprogramm der Universität. Bereits am ersten Sonnabend in Salzburg treffen die Erstsemestler beim sogenannten “PreMeeting” auf ihre Mentoren. Das sind Studierende des zweiten Jahrgangs, die sich insbesondere im nächsten Studienjahr darum kümmern, dass sich die neuen Mentees an der Universität und in Salzburg zurechtfinden. Im Prinzip eine großartige Idee, denn nicht selten resultieren die Mentoren-Mentees-Beziehungen in engen Freundschaften. Und selbst wenn nicht, den Einstieg ins neue Studium erleichtert die Unterstützung durch den erfahrenen PMU-ler in jedem Fall.

Im Laufe der nächsten drei Wochen erwartet die Erstsemestler ein straffes Programm: Mentorengrillen, Teamstärkung beim Ausflug in den Klettergarten, Einführung in das IT-System der Uni, die Unterrichtseinheit “Lernen lernen”, Kneipenrallye in der Salzburger Altstadt, erste Veranstaltungen des Faches “Soziale Kompetenz”, Wahl des Jahrgangssprechers sowie ein gemeinsamer Abend aller Jahrgänge der Universität im Müllner Bräu, um die Mitglieder der StuVe (Studentenvertretung) zu wählen und und und. Man könnte meinen, die frisch Inskribierten sollten möglichst wenig Zeit frei gestalten können, um sich bereits im Vorfeld an den engmaschigen Stundenplan der Universität zu gewöhnen. Doch viele sind begeistert: Einige der Neuankömmlinge erinnern sich zu gut an die oftmals einschüchternde Anonymität öffentlicher Universitäten. Auch diejenigen, die direkt von der Schule kommen, freuen sich, so schnell Kontakte im neuen Umfeld knüpfen zu können.

Sind die Veranstaltungen hilfreich für die Studenten?

Alles paletti also während der “Beginner's Week”? In der Tat handelt es sich alles in allem um eine großartige Idee, die wie bereits erwähnt eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringt. Doch sind die Veranstaltungen bei genauer Betrachtung immer zweckdienlich?

“Lernen lernen” – Sollten die Neueingeschriebenen nicht bereits wissen, wie sie am besten lernen? Zumal die Veranstaltung von einer externen Psychologin gehalten wird, die sich nicht sonderlich gut auszukennen scheint mit dem Curriculum der PMU.

“Soziale Kompetenz” – Ein Fach, das die Studierenden während der gesamten fünf Jahre begleiten wird. Doch wie sehr lässt sich im Alter eines jungen Erwachsenen überhaupt noch Einfluss nehmen auf sein gewohntes Sozialverhalten? Und wie ernst kann er das Fach nehmen, wenn er bereits in Kürze so viel für die sogenannten “hard skills” wird lernen müssen, dass er die Zeit lieber der eignen Burnout-Prävention widmen würde als einem Vortrag darüber?

Einführung in das IT-System der Universität – Hat die heutige Jugend nicht ohnehin täglich mit jeglichen Programmen der IT zu tun und lernt meist schneller mittels “learning by doing”, als sich das die Lehrenden-Generation vorzustellen vermag?

Und wie kann es sein, dass sowohl beim Mentorengrillen als auch auf der Kneipenrallye die Studierenden großzügig ermutigt werden, etwas tiefer ins Glas zu schauen, wenn doch gerade (angehenden) Medizinern die Risiken exzessiven Alkoholkonsums bestens bekannt sein sollten?

Darüber hinaus stellt sich die Frage: Sind drei Wochen zum Kennenlernen des neuen Jahrgangs und der Universität wirklich vonnöten, wenn bereits vier Wochen nach Vorlesungsbeginn die erste Prüfung auf den neuen Jahrgang wartet?

 

Vorbild: Amerikanische Unis

Die “Beginner's Week” ist nach dem amerikanischen Modell einer “Orientation Week” gestaltet. Anders als an der PMU dauert Letztere aber meist nicht länger als tatsächlich eine Woche und beinhaltet lediglich einige wenige inhaltlich komprimierte Veranstaltungen, die die wesentlichen und absolut notwendigen Infos für die Studierenden vermitteln sollen. Wie der Name impliziert, bekommen die Studierenden während dieser Woche Gelegenheit, sich in der neuen Umgebung zu orientieren. Ziel ist es, dass sich die Studierenden anschließend besser zurechtzufinden, wenn der Alltagsstress des Studienjahres beginnt. Die Vorlesungszeit soll dadurch also nicht noch stressiger werden (wegen des zwangsläufig noch engeren Zeitplanes), sondern einfacher fallen.

Die PMU sollte sich ein Beispiel an ihren amerikanischen Vorbildern nehmen und die “Beginner's Week” ähnlich gestalten. Dabei würden ihr die vielen Studierenden sicherlich gerne helfen, die bereits Erfahrung im Rahmen von Auslandsaufenthalten im angelsächsischen Raum sammeln durften. Eine “Orientation Week” statt drei “Beginners Weeks” würde außerdem die internationale Ausrichtung der Universität unterstreichen und könnte möglicherweise sogar Pate stehen für ähnliche Programme an öffentlichen Universitäten.

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