• Bericht
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  • Nathalie Graf
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  • 22.10.2013

Kleider machen Leute - Einführung ins Medizinstudium

Nathalie hat es geschafft – sie darf an der PMU in Salzburg Medizin studieren. Damit die neuen Studenten Gelegenheit haben Uni und Kommilitonen ausgiebig zu beschnuppern, gibt es zu Beginn des Semesters eine Kennenlernwoche. Einen Termin hat sich Nathalie dabei ganz fett in ihrem Kalender markiert: Die Übergabe des weißen Mantels.

Kittel an der Wand - Foto: PhotoDisc

Foto: Phtotodisc

Die erste „Kennenlernwoche“ ist vorbei und ich fühle mich in meinem Jahrgang bereits ziemlich wohl. Einiges erscheint noch fremd, ungewohnt. Hier soll ich also für die nächsten fünf Jahre Medizin studieren? Doch zugleich ist es ein besonderes Gefühl und es fühlt sich richtig an.

 

Der erste Tag als Medizinstudent

Aber ich möchte beim Anfang beginnen: Wir sind in unserem Jahrgang 50 Studenten, die das Medizinstudium an der PMU beginnen. Die Uni hat die ersten drei Anfangswochen so konzipiert, dass man sich untereinander kennenlernen kann. Für die nächsten fünf Jahre werden wir ein Jahrgang, ein Team sein. Erinnerungen an die Schulzeit werden wach. Doch uns wurde auch gesagt, weshalb dieses „Kennenlernen“ so wichtig ist: Auch im Spitalsalltag werden wir oft in einem Team arbeiten, in dem eine Vertrauensbasis aufgebaut werden und in dem sich der eine auf den anderen verlassen kann.

Nun gut! Frisch und munter haben wir alle den Start an der Uni gemeistert. Mit einem gewissen Bauchkribbeln und einer freudigen Anspannung betrete ich das Unigebäude mit 49 Kommilitonen zum ersten Mal offiziell als Medizinstudentin. Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man die Mauern, die man vor kurzem noch als Studienanwärter beim Aufnahmetest gesehen hat, nun als Student der Uni sieht.

Höhersemestrige laufen uns über den Weg, nicken uns freundlich zu. Einige von ihnen tragen bereits ihre weißen Mäntel und flitzen zu einem Praktikum im Spital, das nahe der Uni gelegen ist. Ich fiebere schon freudig meinem ersten Praktikum entgegen, das ich in wenigen Tagen absolvieren werde.

 

Die Übergabe des weißen Mantels – ein besonderer Moment

Die erste Uniwoche ist gefüllt mit sozialen Aktivitäten, Organisatorischem und jeder Menge Schnupperstunden in den diversesten Fächern, die wir die nächsten Jahre belegen werden. Doch ein Tag nach dieser ersten Woche ist besonderes in meinem Kalender hervorgehoben: Der Tag, an dem uns offiziell die weißen Mäntel überreicht werden. Dieser Tag wird von der Uni als etwas Besonderes gefeiert, da von da an unser offizieller Spitalsalltag beginnt. Zwar werden wir anfangs nur sporadisch im Spital sein, da das klinisch-praktische Wissen erst theoretisch grundgelegt werden muss, doch ist es eine wunderbare Motivation, vor allem in den präklinischen Fächern durchzuhalten und sich zu bemühen. Denn eines Tages will man so weit kommen, dass man täglich sein Wissen in die Praxis, zum Wohle der Patienten umsetzen kann.

 

Der erste Meilenstein

Versammelt sitzen wir im Multifunktionsraum. Vor einigen Tagen haben wir die Kittel zum ersten Mal anprobiert, um unsere Größen angeben zu können. Die Anspannung steigt. Wie schnell wir in den klinischen Alltag einsteigen werden, merken wir nach der offiziellen Ansprache durch unsere Studiendekanin und die bevorstehende Vergabe der weißen Mäntel. Der erste Name eines Studenten ertönt, er erhebt sich und holt sich mit einem breiten Grinsen und einem Händedruck seinen Kittel ab. Mein Herz pocht. Bald wird mein Name aufgerufen. Nun ist es soweit. Ich stehe auf, gehe auf die Studiendekanin zu, die mir meinen weißen Mantel überreicht. Sie gibt mir einen warmen Händedruck und sagt: „Nun ist auch Ihr erster Meilenstein in Ihrem Medizinerdasein gefestigt worden. Vergessen Sie nicht, dass Sie von den Leuten anders wahrgenommen werden, wenn Sie diesen Mantel tragen. Eine größere Verantwortung ruht auf Ihnen. Seien Sie sich dessen bewusst und nutzen Sie diese gut.“

Ich nehme den Mantel dankend entgegen und gehe wieder auf meinen Platz zurück. Der Name des nachfolgenden Studenten im Alphabet wird aufgerufen. Meine Gedanken sind noch bei der Übergabe geblieben. Kann es sein, dass an Gottfried Kellers Zitat: „Kleider machen Leute“ mehr Wahres dran ist, als ich bisher dachte?  Auf alle Fälle bin ich schon sehr gespannt auf meinen ersten Praktikumstag! Während ich mit meinen Gedanken zurück in den Raum finde, wird bereits der nächste Name aufgerufen und ein weiterer Student steht auf um seinen Mantel und eine neue Verantwortung entgegenzunehmen.

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