• Interview
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  • Romana Mikes
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  • 27.08.2008

Interview mit einem Absolventen der Paracelsus-Uni

Seit diesem Sommer gibt es die ersten Absolventen der Medizinischen Privatuniversität Paracelsus in Salzburg. Thomas Hauser darf sich zu diesen Absolventen zählen. Ich habe mich mit Thomas über seine Erfahrungen während des Studiums und über seine Zukunftspläne unterhalten.

> Wenn Du Dich an die fünf Jahre Medizinstudium zurückerinnerst: Was hat dir am besten gefallen?

Gut gefallen hat mir, dass das Studium mit außergewöhnlich wenig Bürokratie verbunden war. Schön war auch, dass wir persönlichen Kontakt zu den Professoren hatten. Von diesen wurden wir zwar sehr gefordert, aber auch gefördert.

 

> Welche Höhen und Tiefen gab es während Deines Studiums?

Den Tiefpunkt meines persönlichen Studiums zu definieren, ist einfach: Das war das dritte Studienjahr. Ich benötigte ein halbes Jahr, um mich davon wieder zu erholen.

Persönliche Höhen waren mein Forschungstrimester in Yale, die Leistungsstipendien, der Chirurgie-Award und natürlich die Promotionsfeier.

 

> Welche Tücken hielt das dritte Studienjahr denn bereit?

Wir hatten jeden Tag acht Stunden Vorlesung und eine Unmenge an Prüfungen, für die wir abends und an den Wochenenden lernen mussten.

Doch nicht nur das dritte Studienjahr war stressig. Die Famulaturen im fünften Jahr setzten mich auch enorm unter Druck. Der Druck, nichts falsch machen zu dürfen, niemandem unnötig weh zu tun, zum Beispiel bei den ersten Blutabnahmen, war nervlich aufreibend. Ich denke, die meisten Medizinstudenten brauchen vor allem Zeit, bis sie mit diesen Aufgaben locker umgehen können.

 

> Hattest Du im Studium auch ein bisschen Freizeit?

Ja, ich hatte Freizeit. Ich hatte genügend Zeit, um mich beim Roten Kreuz zu engagieren. Außerdem habe ich für einen Marathon trainiert und ein bisschen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Aber das Ausgehen mit Freunden musste ich im vierten und fünften Studienjahr reduzieren. Es ist einfach nicht möglich, morgens um 7.00 Uhr fit am Patientenbett zu stehen, wenn Du am Vorabend gefeiert hast.

 

> Würdest du dich rückblickend wieder an dieser Universität bewerben?

Ich würde mich wieder hier bewerben, wenn ich auch weiß, dass das Studium an der Paracelsus-Universität, wie wohl das Studium an jeder anderen Uni auch, seine Vor- und Nachteile hat. Und meine Entscheidung für die Medizin: Für mich ist die Medizin zu einer Sucht geworden. Ich möchte nichts anderes mehr machen.

 

> Welche Vor- und Nachteile siehst Du genau beim Medizinstudium an der Paracelsus-Universität?

Die Ausbildung in Salzburg ist handlungs- und patientenorientiert, was ich als Vorteil sehe. Dass hier nur 42 Studenten in einem Jahrgang sind, kann hingegen sowohl als Vor-, als auch als Nachteil angesehen werden: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass jeder jeden kennt.
Als Nachteil sehe ich, dass den Studenten hier nur wenig Spielraum gelassen wird - wir hatten nur wenig Gelegenheit, eigenen Interessen nachzugehen, da es keine Freifächer gibt. Es ist auch nicht möglich, sich eine Auszeit zu nehmen oder für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu gehen. Und natürlich sind auch die Studiengebühren und die sonstigen Kosten als Nachteil nicht zu unterschätzen.

 

> Hast du Verbesserungsvorschläge für das Studium?

Ich finde, dass sich die Kliniken an den Lehrenden und an den Kliniken orientieren sollten, die von uns mit den Auszeichnungen "teacher of the year" und "clinic of the year" ausgezeichnet werden. [Anmerkung der Red.: diese Auszeichnungen werden jährlich von den Studenten an die Lehrenden und Klinken vergeben, die sich besonders in der Lehre engagieren.]
Generell sollte der Lehre ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Und wenn das dritte Jahr entlastet würde, wäre das sicherlich auch von Vorteil für die hiesigen Studierenden.

 

> Werden die Vorschläge der Studenten von der Uni angenommen?

Die Uni nimmt sich die Anregungen schon zu Herzen. Im Moment habe ich aber den Eindruck, dass die Verantwortlichen noch zu sehr damit beschäftigt sind, die Universität zu etablieren. Das Bewusstsein, dass es jetzt eine Uniklinik in Salzburg gibt, muss sich erst langsam in den Köpfen der Österreicher entwickeln.

 

> An der PMU herrscht für die Vorlesungen Anwesenheitspflicht. Was hältst Du von der Regelung?

Eigentlich wissen die Studenten von Anfang an, dass Sie in die Vorlesungen gehen müssen. Und wer die Vorlesungen nicht besuchen möchte, sollte sich vor dem Studium gut überlegen, ob diese Universität das Richtige für ihn ist. Aber ich denke, die Kontrolle der Anwesenheit sollte anders geregelt werden. Die Gruppendynamik wird dadurch gestört, da es Studenten gibt, die fast immer in die Vorlesungen gehen, aber auch solche, die eher eine lockere Einstellung haben - oft ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

 

> Hast du schon Pläne für deine Zukunft?

Wenn alles gut geht, wird mir für November eine Ausbildungsstelle in der Neurochirurgie angeboten. Bis dahin möchte ich den Turnus absolvieren.. Außerdem werde ich natürlich ein wenig Urlaub genießen: Ich reise in Kürze nach Jamaica.

 

> Kannst du den Studenten Ratschläge für die Gestaltung ihres fünften Studienjahres geben?

Es ist sicherlich klug, auf der ersten Station mindestens einen Monat zu bleiben, um den Stationsablauf einmal genauer kennenzulernen. Anschließend können die Famulaturen auch kürzer sein.

Wenn Ihr bereits wisst, welches Fach für Euch persönlich wichtig ist, solltet Ihr dieses an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Kliniken absolvieren, eventuell auch im Ausland. Wer hingegen noch nicht weiß, was er nach dem Studium machen wird, sollte sein fünftes Jahr breit fächern.

Generell kann ich übrigens kleine Häuser eher empfehlen als große, da man an den vermeintlich einfacheren Häusern besser in den Alltag integriert ist.

 

> Bald wirst Du als Arzt arbeiten. Wie fühlst Du Dich mit dem Gedanken?

Mir geht durch den Kopf, dass ich bald viel Verantwortung tragen werde, dann in einem Beruf arbeite, in dem eigentlich das "Null-Fehler-Prinzip" regiert. Im Großen und Ganzen freue ich mich aber wahnsinnig darauf, bald als Arzt arbeiten zu können!

 

> Was glaubst du: Wie werden die PMU-Absolventen in der Klinik aufgenommen?

Das hängt individuell vom Absolventen ab. Jeder Einzelne sollte aber wissen, dass er sicherlich sehr genau beobachtet wird. Das gilt natürlich gerade für uns "Erstabsolventen". In gewisser Weise bestimmen wir den Ruf der Universität mit.

 

> Glaubst du, dass ein PMU-Absolvent andere Fähigkeiten aufweist als ein Absolvent einer öffentlichen Universität?

Wie groß unser Fachwissen ist, hängt sicher wieder vom Engagement des Einzelnen ab, aber ich denke, dass wir alle auf einem einheitlicheren Wissenslevel sind, als dies an anderen Unis der Fall ist. Vielleicht sind wir auch idealistischer als andere Studenten.

 

> Was kannst du Bewerbern und Studienanfängern für ein erfolgreiches Medizinstudium raten?

Ihr dürft Euch auf keinen Fall vom ersten naturwissenschaftlichen Jahr frustrieren lassen.

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