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  • Sebastian Sennock
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  • 30.09.2013

Tipps für die erste Famulatur

In der Famulatur sollen Medizinstudenten die ärztliche Arbeit besser kennenlernen. Doch viele Famulanten werden nur als lästig wahrgenommen und kaum beachtet. Lokalredakteur Sebastian erzählt, wie man verhindert, nur als Bettenschubser missbraucht zu werden.

 

In der Famulatur dürfen Medizinstudenten zum erstem Mal ärztliche Tätigkeiten ausüben. Foto: Corbis

 

Das Wort Famulatur kommt vom lateinischen famulus und bedeutet Diener. Als ich meine ersten Erfahrungen als Famulant gesammelt habe, musste ich schnell feststellen, dass die Herkunft des Begriffs dabei nicht nur eine nette Anekdote ist. Viele Ärzte nehmen die Bedeutung recht wörtlich. Man kann wirklich so manche Famulatur mit reiner Dienerarbeit verbringen. Um so wichtiger ist es, sich von Anfang an klar zu machen, was man von seiner Famulatur erwarten will und kann.

 

Zum ersten Mal im weißen Kittel

Ich habe mich sehr auf meine Famulatur gefreut. Zum ersten Mal im weißen Kittel das Krankenhaus zu betreten, ist ein besonderer Moment. Leider scheint dort niemand mit mir zu rechnen. Der Oberarzt nimmt mich schließlich doch mit den Worten ‚Ach so, Sie sind ab heute Famulant? Mit wem haben Sie das denn abgesprochen?‘ in Empfang. Er stellt mich einer jungen Assistentin vor. Die scheint zwar wenig begeistert, nimmt mich aber doch mit auf ihre Station. Im Arztzimmer bietet sie mir einen Hocker an und warnt mich gleich vor, dass im Augenblick sehr viel los sei und, dass vermutlich wenig Zeit übrig sein würde, um mir etwas beizubringen.

Eine Stunde später muss ein Patient zum CT transportiert werden. Ob ich mit möchte? Na klar! „Deine Aufgabe ist es jetzt, auf den Infusionsständer aufzupassen", meint die Assistentin. Ich frage mich noch, ob das wohl ein Witz sein soll. Aber es wird mir schnell klar, dass die junge Ärztin schlichtweg nichts mit mir anzufangen weiß und mich als Famulanten nur für einen Klotz am Bein hält.

Da verdaute ich gerade noch die Erfahrungen als Pflegepraktikant und schon bekam ich wieder zu spüren, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.

 

Es geht aber auch anders

Zum Glück gibt es auch Ärzte, die sich vielleicht noch an ihre Zeit als Studenten erinnern und sich viel Mühe geben den Famulanten etwas beizubringen.

Teilweise bekam ich "eigene" Patienten zugeteilt, die ich mit Hilfe der Stationsärzte aufnahm, untersuchte, manchmal bei einer Abteilungsbesprechung vorstellte und für die ich am Ende den Entlassungsbrief schrieb. So konnte ich mich wirklich dem späteren Arztberuf nähern und die Famulatur war nicht nur eine Herausforderung, sondern machte auch einen riesen Spaß!

 

Plötzlich wird man mit Herr Doktor angeredet

Am Anfang kann es ganz schön gewöhnungsbedürftig sein, wenn man nur wegen des weißen Kittels eine ganz neue soziale Rolle einnimmt.

Plötzlich stehen die Angehörigen auf dem Gang und fragen „Herr Doktor, wie geht es denn dem Patienten?" Wer hier freimütig aus der Mittagsbesprechung die neusten Ergebnisse aus der Diagnostik verrät, kann schnell großen Schaden anrichten. Denn dass die Biopsie positiv war und damit der Krebs bestätigt ist, wäre dem Patienten vielleicht besser in einem ruhigen Arztgespräch mitgeteilt worden. Besser ist es, sich als Famulant vorzustellen und an den Stationsarzt zu verweisen.

Auch wenn man bei den ersten eigenen Untersuchung vom Patienten gefragt wird, ob denn alles in Ordnung sei, sollte man sich da nicht festlegen. Falls der Stationsarzt bei seiner Untersuchung doch etwas findet, hat man sich nicht nur blamiert, sondern auch das Vertrauen des Patienten enttäuscht.

Ganz anders sieht es mit der sozialen Rolle eines Famulanten innerhalb der Ärzteschaft aus - besonders an Unikliniken, wo die Hierarchie noch eine große Rolle spielt. Als ich mich in meiner ersten Mittagsbesprechung ganz selbstverständlich neben eine die besagte Assistentin setzen wollte, scheuchte die mich entrüstet in die letzte Reihe. Da würden schließlich die Famulanten immer sitzen und der Chef würde auf so etwas Wert legen.

 

Damit die Famulatur zum Erfolg wird

Das Wichtigste ist, sich eine gute Stelle auszusuchen. Fast alle meine Kommilitonen haben die Erfahrungen gemacht, dass es sich lohnt, am Anfang die ganz grundsätzlichen ärztlichen Basics kennenzulernen, bevor man sich den ganz speziellen Themen nähert. Auch wenn die Unikliniken mit dem Image locken, dass nur hier die richtige Hochleistungsmedizin stattfindet, so hat sich doch gezeigt, dass es sich meist mehr lohnt, wenn man in einem kleinen Haus beginnt. Wenn man vor lauter Spezialisierung bei geschwollene Halslymphknoten in der Erkältungszeit ein Lymphom für die wichtigste Differentialdiagnose hält, hat man sich für das spätere Berufsleben wohl keinen gefallen getan.

Falls man doch unbedingt an die Uniklinik möchte, kann es sich lohnen, eine Famulatur direkt in einem Funktionsbereich zu machen. Zum Beispiel wird eine gewisse Sicherheit im Umgang mit radiologischer Bildgebung nicht nur im späteren Berufsleben, sondern auch für die ärztliche Prüfung nützen. Auch die Anästhesie bietet sich an, um gezielt bestimmte praktische Fertigkeiten zu üben.

In der Regel wird es belohnt, Eigeninitiative zu zeigen und anzupacken. Natürlich ohne dabei die eigene Kompetenzen zu übertreten. Wenn man auf Station zeigt, dass man nicht bremst und vielleicht sogar in manchen Dingen eine Hilfe sein kann, ist einem das Wohlwollen der Stationsärzte sicher. Wenn es doch einmal Probleme gibt, sollten diese zeitnah angesprochen und nicht einfach ausgesessen werden. Denn die Famulaturen sind nicht einfach nur lästige Verpflichtungen in den Semesterferien, sie sind wichtiger Teil unserer Ausbildung. Und wenn wir es richtig anstellen, können wir von der einen oder anderen Famulatur mit Sicherheit unser ganzes Berufsleben profitieren.

 

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