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  • Tobias Herbers
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  • 24.10.2012

Anatomie ist kein totes Fach

Der Präparierkurs in Tübingen zeigt, wie man die Anatomie eindrucksvoll und dennoch auf hohem Niveau vermitteln kann. Begleitet wird er dabei von der Tübinger Sectio Chirurgica, in der Chirurgen aller Disziplinen Eingriffe am anatomischen Präparat vornehmen, welche dann von den Studenten verfolgt werden können. Durch ein zusätzliches Seminar wird der Präparierkurs so zu einer einmaligen Erfahrung mit großem klinischen Bezug.

Eines der größten Highlights der Vorklinik ist wohl für die meisten Studenten der Präparierkurs. Dieser Kurs, in dem die systematisch- und topographisch-anatomischen Kenntnisse durch praktische Arbeit am menschlichen Körper vertieft und ergänzt werden sollen, findet in Tübingen immer im Wintersemester statt.

In diesem Abschnitt des Studiums können sich die Studenten ausschließlich auf die Anatomie konzentrieren und dreimal pro Woche praktisch arbeiten. Die Veranstaltung findet für die Studenten des 2. und 3. Semesters in Gruppen von zehn Leuten statt.

Parallel zum Kurs werden systematische und topographische Vorlesungen angeboten, in denen gerade auf den klinischen Bezug des Stoffes großen Wert gelegt wird. So bekommen die Studierenden schon während der Vorklinik viele klinische Einblicke und können sich das Gelernte so besser merken.

 

Die Testate

Um den Lernerfolg jedes einzelnen zu dokumentieren, werden regelmäßig Testate abgehalten. Diese richten sich nach den drei Präparationsabschnitten des Kurses.
Der erste Präparationsabschnitt beschäftigt sich mit dem Bewegungsapparat, seinen Knochen, Gelenken und Muskeln. Nach Abschluss dieses Abschnitts wird sowohl ein mündliches als auch ein schriftliches Testat abgehalten, bevor der Student zum zweiten Abschnitt übergeht.

Hier liegt dann das Augenmerk auf den Organen der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle. Die theoretischen Inhalte zu diesem Abschnitt wurden bereits im ersten Semester gelehrt und müssen hier lediglich vertieft werden. Den Abschluss des zweiten Präparationsabschnitts bildet wieder ein mündliches Testat.

Im dritten und letzten Präparationsabschnitt wird dann die Kopf- und Halsregion studiert. Hierbei gilt es, insbesondere die Leitungsbahnen kennen zu lernen und sich topographische Zusammenhänge anzuschauen. Zum Abschluss gibt es hier sowohl ein mündliches als auch wieder ein schriftliches Testat.

Die Fülle an Informationen scheint zu Anfang fast nicht überschaubar zu sein. Doch durch intensives Lernen, erstklassige Anleitung durch Tutoren und Dozenten wie auch durch das praktische Arbeiten bekommt man schnell den Blick für das Wesentliche. Trotzdem ist jedem zu empfehlen, sich auch schon vor Kursbeginn einen Überblick zu verschaffen, gerade über den im ersten Semester noch nicht gelehrten Bewegungsapparat.

 

Tübinger Sectio Chirurgica

Dieses von der "klinischen Anatomie" ins Leben gerufene Projekt startet immer zum Präparierkurs eine neue Staffel. Dabei führen namhafte Chirurgen aller Fachdisziplinen charakteristische Eingriffe ihres Faches am anatomischen Präparat durch, um den Studenten so einen noch tieferen klinischen Bezug zu ermöglichen.

Die Eingriffe sind an die entsprechenden Präparationsabschnitt angelehnt und können von Studenten der Human- und Zahnmedizin aller Universitäten telemedizinisch per Live Stream verfolgt werden. Die Veranstaltung hilft jedem Teilnehmer des Präparationskurses, das Gelernte zu vertiefen, zu wiederholen und mit seinem klinischen Bezug zu verknüpfen. Der Eingriff wird von den Tübinger Studenten vorher anhand eines Fallbeispiels eingehend besprochen und in einem Seminar erläutert.

Auch die Privatsphäre der Körperspender bleibt gewahrt. Der telemedizinsche Zugang zu der Veranstaltung ist passwortgeschützt und wird nur für Studenten der Human- und Zahnmedizin - nach Registrierung - geöffnet. Das Projekt ist deutschlandweit einmalig und soll auch im nächsten Wintersemester fortgesetzt werden.

Interessierte Studenten anderer Universitäten können sich unter dem folgenden Link für einen Zugang registrieren:

Weitere Informationen und Anmeldung zur Sectio Chirurgica

Interview mit PD Dr. med. Bernhard Hirt, Initiator der Tübinger Sectio chirurgica

Die Aussegnungsfeier

Am Ende eines jeden Präparationskurses steht die Aussegnungsfeier in der Tübinger Stiftskirche. Hier wird der Körperspender gedacht, welche sich für diese einmalige und wichtige Erfahrung den Medizinstudenten zur Verfügung gestellt haben.

Die Feier bringt den großen Dank an die Menschen zum Ausdruck, welche sich zu Lebzeiten zu einer Körperspende bereit erklärt haben - und den großen Respekt gegenüber diesen Menschen. Der Umgang mit den Körperspendern ist während der ganzen Zeit höchst respektvoll, und jeder Medizinstudent empfindet großen Dank.

Die Aussegnungsfeier wird jedes Jahr vorwiegend von den Studierenden geplant und bildet den Abschluss des wohl eindrücklichsten und intensivsten Kurses der medizinischen Vorklinik.

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