• Bericht
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  • Janine Hansmann
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  • 30.04.2013

Ich brauche keinen Hustensaft - ich kann auch ohne husten!

Unsere Lokalredakteurin Janine absolviert ihre Praxisfamulatur in einer Kinderarztpraxis in Ulm. Dabei hatte sie zunächst Zweifel, ob sie überhaupt die Richtige für den Job ist ...

Hatte man mich zu Beginn des Studiums gefragt, welche Fachbereiche für mich definitiv später nicht in Frage kommen, nannte ich z.B. die Kinderheilkunde. "Ich kann doch gar nicht mit Kindern umgehen", dachte ich mir insgeheim. Durch das Pflegepraktikum auf der Neugeborenenstation, die sehr gute Vorlesung an der Uni und dank Zuwachs im Bekanntenkreis packte mich aber doch ein gewisses Interesse. Und so beschloss ich, die Praxisfamulatur in der Kinderarztpraxis Böker/Dr.Hämmerle im neuen Ärztehaus mitten in der Ulmer Fußgängerzone abzuleisten.

Learning by doing

Meine Bedenken wegen des Umgangs mit den Kleinen zeigte sich als völlig unbegründet. Es dauerte keine Stunde, bis ich das erste zuckersüße Babylächeln erntete.
Damit war das Eis gebrochen und ab sofort befanden sich Stethoskop und Otoskop bei mir im Dauereinsatz. Die ersten beiden Tage nutzte ich zum Einarbeiten. Eine gründliche Anamnese, die Auskultation von Abdomen und Lunge, Untersuchung von Rachen und Ohren waren durch gute Erklärungen seitens der Ärzte schnell gelernt. Am dritten Tag bekam ich dann ein "eigenes" Zimmer zugeteilt, in welchem ich die Patienten zunächst alleine betreuen und anschließend einem der beiden Ärzte vorstellen durfte.

Tausend Facetten

Was mich am meisten an der Pädiatrie fasziniert ist der Facettenreichtum. Im Prinzip hat man als Kinderarzt die komplette Erwachsenenmedizin mit ihren vielen Bereichen auf dem Kasten - nur eben auf die Kleinen bezogen.
Dabei unterscheidet sich der Praxisalltag natürlich von dem in der Klinik.
HNO-Infekte und Gastroenteritiden mit unterschiedlicher Schwere waren die hauptsächlichen Krankheitsbilder. Aber auch den knallroten Rachen mit dicken Mandeln in Kombi mit der Himbeerzunge, hohem Fieber und dazu der typische Ausschlag, manchmal begleitet von Bauchschmerzen lernte ich zu diagnostizieren.
(Na, um was handelt es sich? Richtig - A-Streptokokken, die ollen Scharlach-Plagegeister!)

Von Impfungen zu Raritäten

Weiterhin gestalteten die vielen U-Untersuchungen den Praxisalltag. Dabei bekam ich einen kleinen Einblick in die normalen Entwicklungsschritte eines Kindes. Wie man aber jede U-Untersuchung altersgemäß auswendig und flüssig in petto haben kann, ist mir immer noch ein Rätsel. Zu den U's kamen auch die Impfungen. Auch hierbei durfte ich helfen. Babies unter einem Jahr werden in den M.vastus lateralis, ab einem Jahr in den M.deltoideus geimpft. Masern-Mumps-Röteln und Varizellen subkutan in den Oberarm. Eindrucksvoll waren auch die Krankheitsbilder, die ich bisher entweder gar nicht oder nur flüchtig aus dem Lehrbuch kannte - wie die so genannte "vanishing white matter disease" oder die Purpura Schoenlein Henoch. In der Spezialsprechstunde am Dienstagnachmittag gab es einige Raritäten zu sehen. In der Nierensprechstunde kamen kleine Patienten mit subpelvinen Stenosen oder Doppelnieren zur Verlaufskontrolle und in der Lungensprechstunde gaben die jungen Asthmatiker im Bodyplethysmograph und auf dem Laufband alles.

Fazit

Alles in allem eine sehr gelungene Praxisfamulatur. Ich habe mich jederzeit im gesamten Team gut aufgehoben und betreut gefühlt, konnte alle meine Fragen stellen und hatte auch im Gegenzug das Gefühl, gefördert zu werden - und das genau im richtigen Maß. Ich hatte Spaß und würde mich jederzeit wieder entscheiden, meine Famulatur in der Kinderarztpraxis Böker/Dr.Hämmerle zu absolvieren.

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