• Interview
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  • Eleni Sturm
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  • 09.03.2009

Interview mit Prof. Dr. Britsch

Von Innovationen in Lehre und Forschung: Ein Jahr lehrt und forscht Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, nun an der Uni Ulm. Engagierte Doktoranden finden hier sehr gute Bedingungen und können im Rahmen eines Praktikums auch einfach einmal in die Forschungsarbeit hineinschnuppern. Eleni Sturm sprach mit Professor Britsch über das erste Jahr an der Ulmer Universität.

> Professor Britsch, warum haben Sie sich entschlossen, dem Ruf an die Universität Ulm zu folgen?

Zum einen war das natürlich der wissenschaftliche Aspekt. Ich bekam die Möglichkeit, die Leitung des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie zu übernehmen und nach meinen eigenen Vorstellungen komplett neu aufzubauen und zu gestalten. Das ist eine spannende Aufgabe, die ich gerne angenommen habe. Zum anderen eilt der Uni Ulm auch ein sehr guter Ruf in der Lehre voraus. Ulm ist bekannt für eine sehr gut entwickelte und starke Vorklinik.

 

> Was gefällt Ihnen an der Fakultät besonders?

Ulm ist eine junge Universität, die extrem offen für neue Ideen und Innovationen ist. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie durchstrukturiert das Studium in Ulm ist und wie bemüht man von Seiten der Fakultät ist, den Studierenden Hilfen zu bieten. Auch der Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden ist in Ulm sehr persönlich. Es besteht eine enge Verknüpfung mit der Fachschaft, was ich in Berlin und Göttingen so nicht erlebt habe - das ist mir gleich positiv aufgefallen. Weitere Vorteile sehe ich darin, dass die vorklinischen Fächer alle auf dem Oberen Eselsberg angesiedelt sind und so eine gute Abstimmung mit den Kollegen erleichtert wird. Außerdem habe ich sehr große Unterstützung dabei erhalten, das Institut neu zu gestalten und die Labore auf dem neuesten technischen Stand auszustatten.

Das neue Labor - Foto: Eleni Sturm

Nagelneu und hochmodern - ein attraktiver Arbeitsplatzfür angehende Doktoranden

> Was wünschen Sie sich von einem medizinischen Doktoranden?

Ein Doktorand sollte vor allem ein starkes Interesse an der Forschung haben. Idealerweise sollte sich der Doktorand ein Freisemester nehmen. Die Doktoranden werden von einem erfahrenen wissenschaftlichen Mitarbeiter betreut und in alle wichtigen Methoden eingearbeitet. Die Neugierde und Bereitschaft, in eine Thematik einzutauchen, müssen sie selbst einbringen.

 

> Wann empfehlen Sie, mit der Doktorarbeit anzufangen?

Der Zeitpunkt ist nicht zwingend festgelegt und kann individuell sehr verschieden sein - das hängt von der persönlichen Studienplanung ab. Auslandsaufenthalte, Famulaturen und vieles mehr müssen auch eingeplant werden. Generell halte ich es für sinnvoll, das Physikum bereits absolviert zu haben, einfach weil dann schon ein Studienabschnitt geschafft ist und man einen Überblick über die großen vorklinischen Fächer hat. So kann man besser abschätzen, für welches Fach man das größte Interesse hat, oder ob es vielleicht doch eine klinische Arbeit sein soll. Ausnahmen sind aber immer möglich - ich selbst habe meine Doktorarbeit bereits im 2. Semester begonnen, habe dann aber erst noch mal eine Pause zu Beginn des klinischen Studienabschnitts eingelegt, weil ich plötzlich unsicher wurde, ob nicht doch ein klinisches Thema das Richtige für mich wäre. Wir bieten interessierten Studenten vor Beginn einer Doktorarbeit die Möglichkeit zu einem Schnupperpraktikum, bei dem der zukünftige Doktorand seine Vorstellungen mit der Realität abgleichen kann und die alle Beteiligten sehen können, ob sie in einem Forschungsteam miteinander klar kommen. Während des Praktikums entwickelt sich dann meist das Thema der Doktorarbeit - dies hängt auch davon ab, ob der Doktorand schwerpunktsmäßig beispielsweise lieber molekularbiologisch arbeitet oder mit tierexperimentell. Wenn alles abgeklärt ist, kann's losgehen.

 

> Wie sind Sie selbst in die Forschung gekommen? Wollten Sie nicht als Arzt tätig werden?

Während meines Studiums war ich sofort Feuer und Flamme für die Anatomie. Doch als ich in den klinischen Studienabschnitt kam, interessierten mich auch diese Themen. So arbeitete ich nach dem Studium zunächst einige Jahre als Arzt in der Inneren Medizin der Uniklinik Tübingen. Aber meine Begeisterung für die Grundlagenforschung ließ nicht nach, und so bewarb ich mich für ein Postdoc-Stipendium und erhielt die einmalige Möglichkeit, in einem renommierten und international anerkannten Forschungslabor zu arbeiten. Von da an ließ die Forschung mich nicht mehr los. Ich bin dennoch sehr froh über meine klinische Tätigkeit, da es mir durch diese Erfahrungen oftmals leichter fällt, klinischen Bezüge in den Unterricht einfließen zu lassen.

 

> Welches sind Ihre Lieblingsthemen?

Ich war schon immer fasziniert von der Embryologie: Wie entsteht ein so komplexer und vielfältiger Organismus aus wenigen undifferenzierten Zellen? Wie schaffen es die Zellen, untereinander zu kommunizieren und perfekt aufeinander abgestimmt zu einem fein ausgetüftelten Gesamtkunstwerk zu werden? Das zu verstehen, auch vor dem Hintergrund von Krankheitsentstehung, fasziniert mich besonders. Mein Hauptforschungsgebiet ist dabei die Entwicklung des Nervensystems.

 

> Wie sieht so ein Forscheralltag aus?

Bei unserer Forschung spielt die Arbeit mit Modellorganismen, z.B. genetisch veränderten Mäusen, sog. Knock-out Mäusen eine große Rolle. Zukünftig werden wir auch verstärkt Hühnerembryonen nutzen. Das Hühnchen bietet viele Vorteile, da es zum einen während seiner Entwicklung wenig Ansprüche stellt und zum anderen direkt im Ei beobachtet werden kann.

 

Der Hühnerembryo bietet bislang verborgene Einblickein die Entwicklung des Organismus

Wir arbeiten viel im Team, besonders wichtig ist uns der Austausch untereinander. Junge Forscher teilen sich bei uns ein Büro mit mehreren Computerarbeitsplätzen - so können sie wichtige Fragen und Probleme miteinander diskutieren, von der PCR bis zur Entscheidung über den abendlichen Kinobesuch.

Kontakt 

Wer sich schon sicher ist, sein Herz an die Anatomie verloren zu haben, kann seine Interessen nutzen und seine Fähigkeiten weiter ausbauen, indem er am Institut von Herrn Prof. Britsch promoviert. Die Abteilung ist spezialisiert auf die Erforschung neuer Gene und Steuerungsmechanismen, die der Entwicklung von Nervenzellen im Zentralnervensystem zugrunde liegen. Weitere Informationen:

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Britsch

Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie

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