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  • Text und Foto: Romeo Rieker
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  • 06.11.2017

Glück ist keine Termine und leicht einen Sitzen haben - Romeos Physikumsrückblick

Romeo hat das Physikum gerade bestanden und erzählt, wie er die stressigsten zwei Monate seines Lebens erfolgreich hinter sich gebracht hat.

 

 

Plopp! Der Bügel der Bierflasche schnalzt zurück und ich kann es immer noch nicht ganz fassen.
Nach über zwei Monaten unzähliger Stunden Lernerei lief alles auf 320 Kreuze und 3 Stunden Prüfung hinaus. Zwei Jahre Vorklinik sind vorbei und das Bier an der Donau schmeckte so gut wie schon lange nicht mehr.
Nach all der Arbeit und 6,5 Kilo Papiermüll später ist es Zeit, mit leicht verklärtem Blick auf die wohl stressigsten zwei Monate meines Lebens zurückzuschauen: die Vorbereitung aufs Physikum.

Juli 2017

Das vierte Semester war überstanden, ich konnte mich stolz als „scheinfrei“ bezeichnen und ein Start in zwei Wochen Sonne, Strand & Faulenzerei böte sich perfekt an – wäre da nicht noch eine klitze klitze Kleinigkeit. Zur allgemeinen Unverschämtheit des Universums gehört es leider, dass von Mitte August bis Ende September das IMPP um die Ecke linst und einem, was Urlaubsplanung angeht, gehörig in die Suppe spuckt.

Ein guter Monat blieb mir und meinen Kommilitonen, um 2 Jahre Stoff für die schriftliche Prüfung zu wiederholen und anschließend fürs mündliche Examen in Anatomie, Physio und Biochemie nochmal richtig Gas zu geben. Am Anfang der Lernphase stand in meinen Augen vermutlich sowas wie belustigte Skepsis und Ungläubigkeit. Ich konnte einfach nicht glauben, wie ich den ganzen Stoff lernen sollte.

Weil ich nicht alles komplett alleine lernen wollte, meldete ich mich zum MediLearn Kurs unserer Uni an. Das hieß jeden Tag - auch am Wochenende - von 8-13 Uhr Repetitorium.
Anschließend war es damit leider nicht getan und ich steckte meine Nase oft bis abends noch fleißig in die Tagesskripte und kreuzte auf examen online Altfragen bis die Tasten glühten. Doch das lohnte sich, denn gerade die Altfragen sind ein wahrer Goldschatz, weil das IMPP so eine gewisse Vorliebe für einige Themen hat.

Als das schriftliche Examen mit seinen insgesamt 8 abgefragten Fächern immer näher rückte, machte sich doch ein bisschen Panik in mir breit. Zwar fühlte ich mich gut vorbereitet, aber man fragt sich ja immer, ob man nicht hätte früher mit dem Lernen beginnen sollen.

Hätte man natürlich nicht! Kein normaler Mensch kann sich wirklich die komplette Vorklinik in einem Monat reinpfeiffen. Und trotzdem bestehen die allermeisten. Warum? Erstens kennst du durchs Kreuzen die Vorlieben des IMPP und hast damit die Altfragen super abgedeckt, zweitens hast du die vergangenen zwei Jahre ja (hoffentlich) nicht nur dagesessen und die Hände in den Schoß gelegt und drittens ist es auch dieses notwendige Quäntchen Glück, das einen über die Hürde bringt.

Schriftliches adé - Mündliches juchee

Zwei Tage und 320 Kreuze später: Nach dem Schriftlichen hatte ich nun endlich eine Verschnaufpause, bevor es zum Endspurt ins Mündliche ging.
Die Lernerei hing sehr von meinen Prüfern ab (Vorlieben …), die mir zwei Wochen im Voraus zugeteilt wurden. Ein bisschen in die Breite lernen hat mir aber trotzdem nicht geschadet.
Mit drei Kommilitonen stand ich dann vor der Prüfungskommission aus einem Anatomen, einem Physiologen und einem Biochemiker. Und ich bestand! Auch wenn ich zum Teil voll auf dem Schlauch stand und Papi die Prüfer nicht mit Schwarzgeld aus der Schweiz bestochen hat.

Wie kommt's?

Prüfer sind auch nur Menschen und gönnen dir tatsächlich auch mal was Gutes. Nach zwei Jahren Studium und bestandenem schriftlichen Examen will dir niemand mehr ans Bein pinkeln und sie drücken oft beide Augen zu, damit du nicht durchfällst.
Das bestandene Physikum musste natürlich ordentlich gefeiert werden – in Ulm am besten an der Donau. Das Leben kann so schön sein! Ganz nach Harald Juhnkes Motto: Glück ist keine Termine und leicht einen sitzen haben.

Nachspiel

Die nächsten Tage bin ich immer wieder von dem schlechten Gefühl hochgeschreckt, nicht gelernt zu haben und der kurz darauf einsetzenden Erleichterung, dass es jetzt ja wirklich erstmal vorbei ist mit der Lernerei. Anstelle in die Bib zu pilgern, fing ich also an auszumisten und bin mittlerweile bei 6,5 Kilo Papiermüll aus überflüssigen Zusammenfassungen, Praktikumskripten und Vorlesungsfolien angekommen. Sehr befreiend und schafft Platz für Neues. In diesem Sinne - Klinik olé.

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