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  • Mathias Roth
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  • 13.10.2008

Medizinisches Wissen für Film und Fernsehen

In vielen aktuellen Fernsehserien ist die Medizin eine wichtige Komponente. In einigen Serien, wie zum Beispiel in Grey´s Anatomy, übernimmt die Medizin die Hauptrolle, in anderen Formaten, wie dem Tatort, ist sie Komparse. Die Münchner Firma "The Dox" berät Film- und Fernsehproduktionen in medizinischen Fragen.

Medizin im TV - Foto: The Dox

Medizinserien im Fernsehen

Arzt- und Krankenhaus-Serien gibt es bereits seit geraumer Zeit im Fernsehen. "General Hospital" läuft in den USA bereits seit 1963, 1988 wurde die Serie erstmals in Deutschland gesendet. Das deutsche Fernsehen strahlte zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Arztserien aus, beispielsweise "Die Schwarzwaldklinik" seit 1985, "Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen" und "Für alle Fälle Stefanie" seit Mitte der Neunziger.

Die Ansprüche und auch das Alter der Zuschauer hatten sich verändert: Das Durchschnittsalter der Zielgruppe war gefallen, die Ansprüche an Realität und Spannung stark gestiegen; insbesondere die amerikanische Serie "Emergency Room" setzte in den 90ern neue Standards. Dem Zuschauer wurden neuste Behandlungsmethoden, aktuellste Technik, sowie die Abläufe und auch mögliche Hektik in einem Krankenhaus so realistisch präsentiert wie noch nie. Dieser Realismus bot jedoch auch neuen Raum für Fehler.

Idee zur Gründung auf dem Oktoberfest

Der medizinische Wahrheitsgehalt und Sachverstand war in damaligen Serien oft ernüchternd. "Die OP-Masken waren falsch angelegt, Operateure verhielten sich unsteril. Ich litt dabei unsagbar." sagt der Arzt Dr. med Pablo Hagemeyer hierzu in einem Interview mit teleschau.

Von diesen, teils gravierenden Fehlern animiert, hatte er gemeinsam mit den Medizinern Dr. med. Florian Gekeler und Dr. med. Patrick Weydt auf dem Oktoberfest 1998 die Idee zur Gründung von "The Dox". Die Firma sollte ein Ansprechpartner für Film- und Fernsehproduktionen in allen medizinischen Belangen werden.

 

Wandel des Fernsehdoktors

Seit der Gründung von "The Dox" hat sich die medizinische Fernsehlandschaft erneut gewandelt. Mit CSI kam ein neues sehr erfolgreiches Format hinzu. Immer mehr sind nun auch die Pathologen und Forensiker Protagonisten der Serien. Als Mischprodukt dieses Serientyps mit einer Kliniksendung wie Grey´s Anatomy fungiert Dr. House: Der geniale Diagnostiker, der gerne auch zu unkonventionellen Mitteln greift, wenn er auf der Suche nach den krankheitsbringenden Keimen ist.

 

Unternehmen behauptet sich seit zehn Jahren

Egal welches Format, die Zuschauerzahlen sprechen für die immense Beliebtheit der Medizin-Serien. Aus diesem Grund versuchen sich auch deutsche Produktionsfirmen immer wieder an ähnlichen Formaten, z.B. mit den Serien R.I.S. und Post Mortem, die von Sat1 und RTL produziert werden. Von diesen und anderen Firmen wird das Unternehmen "The Dox" engagiert. Es konnte sich so in den letzten Jahren als Beraterfirmen in dem Metier behaupten.

Beim Dreh muss alles stimmen - Foto: The Dox

 

Erwähnt sei hier außerdem die Firma "Flatliners" die auch für Medizin im Film zuständig ist, sich aber eher auf Ausstattung und Requisite spezialisiert hat. Sie vermietet in Berlin zwei leerstehende Krankenhäuser für Filmaufnahmen, eine komplette Ausstattung inklusive Labor, Intensivstation, OP, Krankenzimmer, Pathologie, Rettungsstelle mit zwei kompletten Rettungswagen und vielem mehr.

 

Gefragt: Drehbuch- und Set-Beratung

Zwar können über "The Dox" auch Requisiten bezogen werden, hauptsächlich wird die Firma aber für andere Aufgaben engagiert: Sie steht Filmproduktionen mit Drehbuchberatung, Recherche und einer Set-Beratung zur Seite. Spannende und interessante Plots werden entwickelt, bestehende Drehbücher werden auf fachliche Fehler überprüft und korrigiert, Storyboards und Illustrationen für medizinische Abläufe werden erstellt. Bei der Serie R.I.S. gingen "The Dox" unter anderem folgenden Fragen nach:

• Kann eingetrocknetes Blut auf HIV getestet werden?

• Kann eine akute Intoxikation mit E-605 zu halbmondförmige Flächen auf den Fingernägeln führen oder ist das nur ein Zeichen der chronischen Vergiftung?

Die Darsteller bekommen einen Crashkurs in der Aussprache medizinischer Fachausdrücke, das Set wird korrekt hergerichtet: Ein angehängter Tropf tropft dann auch wirklich, ein Röntgenbild, das tatsächlich zur Diagnose passt, wird bei den Dreharbeiten aufgehängt. Hier ein Auszug aus Produktionen, die von dem Unternehmen "The Dox" beraten wurden:  

  • Der Baader-Meinhof Komplex (2007)
  • - Fachkomparse  
  • Der Landarzt (2007) - med. Recherche/Drehbuchberatung
  • R.I.S. - Die Sprache der Toten (2007) - Drehbuch AWAKE (USA, 2007) - Drehbuchberatung
  • Tatort - Außer Gefecht (2005) - Requisite, Handdouble mit i.v.-Injektion

 

Fachkomparse beim "Der Baader-Meinhof Komplex"

Die Firma "The Dox" übernimmt bei Bedarf auch die Vermittlung eines Set-Arztes für die ärztliche Versorgung der Film-Crew. Beim kürzlich angelaufenen Kinofilm "Der Baader-Meinhof Komplex" nach dem Buch von Stefan Aust stellte "The Dox" einen Fachkomparsen. Darüber hinaus können Vorträge über "Persönlichkeitsstörungen am Beispiel von Filmfiguren" und "Medizin und Wissenschaft im Spielfilm" gebucht werden. Das Angebot ist also sehr vielfältig! Doch Gekeler betont: "Reich wird man damit nicht!" Die Mitarbeit bei der Firma scheint aber gefragt zu sein: Immer wieder erhalten "The Dox" Anfragen von Medizinstudenten nach einem Praktikum oder einer freien Stelle. Leider besteht bei "The Dox" zurzeit kein Bedarf an neuem Personal.

 

Zukunft des Fernsehdoktors

Schon jetzt ist ein neuer Trend bei den Fernsehserien bemerkbar. Die Macher der US-Produktionen setzten immer mehr auf Kriminalpsychologie und Psychiatrie, wie z.B. bei "Monk" und "Numb3rs – Die Logik des Verbrechens". Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wären Filmmacher bei "The Dox" weiterhin gut beraten. Denn die drei Gründer sind Psychiater, Neurologe und Hirnforscher!

Pablo Hagemeyer in der Kulisse - Foto: The Dox

The Dox - Homepage

Flatliners Homepage

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