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  • Benedikt Neubauer
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  • 18.04.2013

Wahlfach Anatomia practica

Der Sezierkurs ist nicht jedermanns Sache. Viele Studenten sind heilfroh, den alles durchtränkenden Formalingeruch nach Ende des 6. Semesters los zu sein. Andere stören sich weniger daran und finden wiederum, dass die anatomische Ausbildung an der MUW viel zu kurz kommt. Für diese ist das Wahlfach Anatomia practica genau das richtige.

Ein solides anatomisches Wissen hilft nicht nur dem Chirurgen in seinem täglichen Handwerk, beinahe jeder Facharzt wird sich ab und zu fragen müssen, wo er da eigentlich hineinsticht oder was da auf dem Röntgenbild aufleuchtet. Im regulären Sezierkurs an der Medizinischen Universität Wien, aufgeteilt in Organmorphologie 1-3, werden fast alle Regionen des Körpers abgehandelt. Leider gibt es nur eine Körperspende für sechs Studierende und so ergibt sich, dass der Einzelne vieles nur aus dem Augenwinkel mitbekommt. Auch gibt es nur im 1. Semester des Studiums Anatomievorlesungen. Kein Wunder also, dass viele Kommilitonen mit sehr löchrigen Anatomiekenntnissen die Uni verlassen. Wer das vermeiden will, muss sich entweder intensiver mit seinem Anatomieatlas beschäftigen oder ein Anatomiewahlfach besuchen.

 

Angebote

Das Wahlfach "Anatomia practica" wird jedes Jahr von mehreren Professoren angeboten. Sehr beliebt und dementsprechend überlaufen ist zum Beispiel der Kurs von Prof. Weninger. Es gibt aber noch viele weitere Möglichkeiten. Bei Interesse kann man zum Beispiel den Professor direkt im Sezierkurs ansprechen, Lehrende anschreiben oder im Sekretariat des anatomischen Instituts nachfragen. Die Anmeldung über medcampus hat sich leider noch nicht wirklich durchgesetzt. Unter Umständen wird dies aber in den nächsten Semestern auch eine Option.

 

Ablauf

Grundsätzlich ist "Anatomia practica" meist ähnlich aufgebaut wie der Sezierkurs. Der genaue Ablauf variiert allerdings von Professor zu Professor. Meist präparieren wiederum sechs Wahlfachteilnehmer an einer Leiche. Jeder bekommt wieder eine Region zugeteilt, alle paar Wochen wird die Region getauscht. Ein großer Vorteil ist, dass man in Absprache mit dem Lehrveranstaltungsleiter und den anderen Sekanten individuelle Schwerpunkte setzen kann. Man muss also nicht streng nach Plan vorgehen, sondern kann je nach Interesse ein bisschen variieren. Außerdem gilt für die Präparation freie Zeiteinteilung, das Wahlfach lässt sich also locker im normalen Stundenplan unterbringen. Lediglich zu den Feedbackterminen mit dem Professor bei jedem Regionswechsel sollte man anwesend sein.

 

Nutzen

Das Anatomiewahlfach bietet den Teilnehmern die Möglichkeit sich einerseits noch einmal mit bereits bekannten Strukturen genauer auseinanderzusetzen und andererseits anatomische Regionen kennenzulernen, die man entweder selbst nicht im Sezierkurs hatte oder solche, die dort gar nicht vorkamen. So gibt es etwa im Wahlfach die Möglichkeit die Wirbelsäule zu präparieren, was in der Organmorpholgie völlig ausgelassen wird.
Die freie Zeiteinteilung ermöglicht es, sich in auch einmal in Details zu vertiefen und in Ruhe Zusammenhänge zu analysieren - ohne dass sich fünf Leute um die gleiche Leiche drängen. Dadurch, dass einem nicht immer erklärt wird, was gerade zu tun ist, wird man automatisch gezwungen, sich intensiver mit der präparierten Region auseinanderzusetzen. Dies birgt andererseits natürlich auch die Gefahr, sich in falschen Annahmen zu verlieren. Solche Missverständnisse lassen sich aber meist bei den Feedback Terminen aufklären.
Ein großer Pluspunkt sind die fünf Wahlfachstunden. Diese sind zwar in Relation zum Zeitaufwand angemessen, durch die freie Zeiteinteilung aber trotzdem "leicht verdient". Somit hat man auf einmal ein Drittel der erforderlichen Wahlfachstunden absolviert.Für viele ist das Wahlfach auch das Sprungbrett für eine Karriere als Anatomietutor. Die meisten Professoren setzten das Wahlfach nämlich voraus, um bei ihnen als Tutor mitarbeiten zu können. So oder so wird aber jeder von dem Wahlfach profitieren und im OP bei den Fragen des Oberarztes glänzen.

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