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  • Renate Fett
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  • 13.08.2014

Wie eine Oase im Sommer – Die Sommerakademie für integrative Medizin 2014 in Witten

Was dieses Jahr an der Sommerakademie besonders toll war und was die Teilnehmer erlebten, erzählt euch Renate aus Witten.

 

 Das Zeltlager der Sommerakademie für Integrative Medizin

 

Musik dringt an ihre Ohren, sie wacht auf und fragt sich, ob der nächste Morgen schon begonnen hat oder sie noch immer mit den anderen zusammen am Lagerfeuer unter dem Sternendach sitzt und zu den Rhythmen der Trommler jamt. Die Tage verschwimmen auf der Sommerakademie miteinander und verfliegen so schnell, dass sie das Gefühl hat gerade erst angekommen zu sein und doch schon ewig hier zu sein.
 Lilly wird wacher und erkennt, das sind die Gitarrenklänge der Klinik-Clowns, die auf dem Zeltplatz die Morgenrunde drehen und die Teilnehmer munter wecken. Spielen sie heute wirklich Marmor, Stein und Eisen bricht? Abgefahren...denkt sie und bekommt gute Laune.

Sie öffnet den Reißverschluss des Zeltes und frische Morgenluft strömt in das Zelt, dass sie sich mit ihrer Freundin Ines teilt. Sie atmet ein. Sie atmet aus. Sie fühlt sich noch etwas müde nach der kurzen Nacht. Ob das gestrige Gespräch den anderen auch so viel bedeutet hat? Ihre Gedanken haben auch im Schlafsack noch immer nicht stillgestanden. Doch sie fühlt sich absolut wohl. Diesen Ort erlebt sie wie eine Insel und das ist jetzt für sie genau das Richtige. Eine einsame Insel mit den richtigen Menschen und Impulsen darauf. Junge Medizinstudenten, die, die schon Ärzte sind und die, die es mal werden wollen. Aber auch andere Studenten/Azubis: Logopäden, Physiotherapeuten, Psychologen und von anderen Heilberufen, alle voller Visionen, voller Offenheit und Akzeptanz.
 Sie kann es kaum glauben und freut sich auf den neuen Tag.

Die fünfte Nacht auf der Isomatte macht sich in ihrem Rücken bemerkbar, also entschließt sie sich, nach einer heißen Dusche zur Morgenaktivität vor dem Frühstück einmal Yoga auszuprobieren. Eingangsmantra? Was ist das? Aber die Logopädiestudentin liebt Gesang und lässt sich offen darauf ein. Nach einigen Sonnengrüßen merkt sie, wie ihr Rückrad langsam weicher wird und sie sich besser bewegen kann. 
Der Magen meldet sich bei der Abschlussentspannung knurrend.

Das Frühstück ist eine Oase. Neben heißem Kaffee und Tee erfreuen sich die Teilnehmer hier an Müslis zum Selbstmischen mit Haferflocken, Buchweizen, getrockneten und frischen Früchten, wie Kaktusfrucht und Maracuja, die extra aus Spanien vom Biobauern abgeholt worden sind. Zum Brot gibt es selbstgemachte Aufstriche, Kakao-Bananen-Minze-Creme, Guacamole, Pflaumenmarmelade sowie frisch geschnittene Avocados und Mandarinen. Selten hat Lilly es mit ihrer Gluteen-Unverträglickeit so leicht gehabt, sich zu ernähren, wie auf der Sommerakademie. Sie findet es sehr rücksichtsvoll, dass auf Unverträglichkeiten, sowie vegane Ernährungsweisen geachtet wird. Insgesamt bekommt das Küchenteam der Sommerakademie, die für insgesamt 220 Personen gekocht haben, einen tosenden Applaus mit Standing Ovations am Abend der Open Stage.

Sie setzt sich in die Sonne auf eine der Bierbänke im Gartenbereich der Universtität Witten / Herdecke, wo die Sommerakademie nun bereits zum fünften Mal von der Initiative Medizin mit Hand und Herz geplant, organisiert und durchgeführt wird. Das Orgateam besteht aus 12 Personen aus ganz Deutschland, die ein Jahr intensiver Vorbereitungszeit erlebt haben und nun die süßen Früchte ernten.

Auf das Action-Painting freu ich mich besonders, erzählt sie Lydia, der Rettungsassistentin, die sich gerade neben sie gesetzt hat.

 

Action Painting

Action Painting in der Sommerakademie in Witten

 

Die Bilder, die von den anderen Teilnehmern im Laufe der Woche entstanden sind, sind klasse. Jedes ein Unikat und die Farben leuchten so.

 

 Lilly beim Painting

 

Im Kunstzelt auf der Wiese kann man in der täglichen Freizeit nach dem Mittagessen mit Etelka in die Welt der Kunst eintauchen und die Farben erleben. In Blaumänner eingehüllt lässt man dort zu Technobeats seiner Kreativität freien Lauf - ohne zu denken - ohne zu planen  -  ohne zu werten. 

 

Ines beim Painting    

   

Nebenan zimmern andere einen Visionsbaum. Der heutige Plenarvortrag vor dem Markt der Möglichkeiten, wirft ganz neue Aspekte auf. Wie wirkt sich Stress und Wohlsein auf unser gesamtes System aus. Was ist eigentlich Stress und ist es eine Haltungssache? Gibt es auf molekularer Ebene einen Unterschied zwischen Eu- und Disstress? Was bedeutet dies für den Umgang mit unseren Patienten und mit uns selbst? Psycho-Neuro-Immunologie ist das Stichwort. Dozenten aus ganz Deutschland und Österreich, wie z.B. Prof. Schubert aus Konstanz, bereichern die Sommerakademie. Er teilt an diesem Morgen seine Forschungsergebnisse mit den Zuhörern und erklärt, wieso beispielsweise eine Wunde schlechter heilt, wenn man sich gestresst fühlt. Da die Sommerakademie 2014 unter dem Motte steht: Wie wollen wir uns begegnen? schließt sich der Gedanke an: Wie muss ich also meinem Patienten begegnen, damit er sich nach einer Operation weniger gestresst fühlt und seine Wunde somit besser heilt.

Ihr Blick verliert sich in der Ferne, als sie auf der Terrasse steht und auf den Teich guckt. „Ganz schön wissenschaftlich der Vortrag“, hört sie hinter sich. Weitere Zuhörer erreichen das Gartengelände der Uni und reflektieren über Wohlsein und Freiheit im Kontrast zu Stress und Zwang. Sie steigt in das Gespräch locker ein, denn genau von diesen Gesprächen lebt die Stimmung der Akademie. Jeder kommt zu Wort, jede Meinung wird respektiert und wertgeschätzt, viele neue Impulse entstehen durch die Vorträge und Workshops. Nebenan klappern die fleißigen Helfer in der Outdoor-Küche und singen beim Abwaschen unbeschwert ein Lied. Es macht Lilly Freude, sie zu beobachten.

Am Nachmittag findet der letzte Intensivworkshop statt. Lilly freut sich darauf, denn sie lernt bei der Alexander-Technik viele Handgriffe, die sie bei ihren eigenen Patienten wunderbar anwenden kann. Wie ein Handwerk, etwas ganz praktisches um ihre therapeutischen Fähigkeiten zu verbessern und zu ergänzen. „Es ist wirklich eine Herausforderung den Patienten wahrzunehmen, Muster zu erkennen und darauf einzugehen, aber auch Kleinigkeiten eben nicht zu übersehen“, schwärmt sie, im Blaumann auf der Wiese vor dem Kunstzelt, neben ihrem noch feuchten Bild sitzend. Gerade der Austausch mit Studenten anderer Fachrichtungen gefällt ihr so sehr. „So schaut man noch mal anders auf sein eigenes Studium und lernt vieles wertzuschätzen und sich zu gewissen Dingen neu zu positionieren“, erzählt sie einer Medizinstudentin. Diese erkennt, dass die therapeutischen Fähigkeiten für einen Arzt ebenso wichtig sind, wie der diagnostische Blick und ein fundiertes medizinisches Wissen.

HO, HO, HO, HA, HEPP, HEPP HEPP, Brrrrrr.... dröhnt es aus dem Workshop, den Ines, Lillys Freundin und Zeltnachbarin besucht. Mit Auflockerungsübungen aus dem Theater, wärmt die Clownspädagogin Katharina die Teilnehmer auf. Der heutige Schwerpunkt im Workshop Mindfulness as a foundation of health, liegt auf der Körpersprache. Ines und die anderen 6 Teilnehmer analysieren zunächst ihre typischen Sitzhaltungen, Situationen wie in einem Fahrstuhl und anschließend ermitteln sie mittels Improvisationstheater, was man in einem Arzt-Patienten-Gespräch alles falsch machen kann.

„Ines, ich bin so gespannt auf die letzte Impulswerkstatt“, berichtet Lilly ihrer Freundin, als sie sich mit ihrem Abendessen an den Tisch zu den anderen setzt. In den Impulswerkstätten geht es darum, sich in Kleingruppen mit dem Kernthema der diesjährigen Sommerakademie zu beschäftigen. Lilly wurde als Moderatorin am Anfang der Woche ausgewählt. In den Impulswerkstätten wurden Menschenbilder hinterfragt und neu gestaltet. „Mir geht es darum, dass jeder seinen persönlichen Bezug zur Thematik aufbaut“, überlegt sie. Sie nippt an ihrem Glas Weißwein und schmeckt den säuerlichen Geschmack, der hervorragend zum Avocado-Salat auf ihrem Teller passt.

Beide können es kaum fassen, dass morgen die Sommerakademie schon zu Ende sein wird und überlegen eine weitere Nacht hier zu zelten und dem Orga-Team beim Abbau noch einen Tag zu helfen. Beide Freundinnen, die in den Niederlanden studieren überlegen, ob sie sich für die Organisation der kommenden Sommerakademie 2015 melden sollen. Grund dafür ist, dass sie selbst die Sommerakademie als eine wunderbare Erweiterung ihres Horizontes wahrgenommen haben. Sie haben viele neue Menschen, die ähnlich denken wie sie, in ihr Herz geschlossen. Nun kehren sie bereichert mit konkreten Themen, Inhalten und Techniken in ihr Studium und zu ihren Patienten zurück.

 

Hier findest Du weitere Infos zur Sommerakademie: https://www.thieme.de/viamedici/kongresse-events-1666/a/sommerakademie-fuer-integrative-medizin-22474.htm

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