• Bericht
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  • Renate Fett
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  • 26.06.2014

Klinische Blöcke im Ausland

Das Medizinstudium bietet hervorragende Möglichkeiten für kurze Zeit ins Ausland zu gehen. Renate war für zwei Blöcke in Valencia (Spanien) und erzählt, was sie dort erlebt hat.

 

In Witten macht man im 6.Semester das sog. AHUD, also Blöcke in Augenheilkunde, HNO, Urologie und Dermatologie. Ich entschied mich für Derma und Augenheilkunde in Valencia.

 

Valencia - Foto: Joergsam

Valencia - Foto: Joergsam

Warum ins Ausland?

Ich wollte gerne während meines Studiums ins Ausland. Da ich in der 11. Klasse Spanisch gelernt habe und seit dem Abi nicht mehr so richtig die Möglichkeit hatte Spanisch zu sprechen, sollte es das spanische Ausland werden. Da ich bisher viel von Südamerika, jedoch wenig von Europa gesehen hatte, entschied ich mich für Spanien.

Zuerst überlegte ich, über das Austauschprogramm Erasmus ins Ausland zu gehen, doch dies scheiterte daran, dass ich dann hätte im Wintermester nach Spanien gehen müssen. Ich wollte aber im Sommer gehen und so nahm ich die ganze Sache einfach selbst in die Hand.

 

Welche Stadt soll es werden?

In jedem Fall Valencia!

Madrid ist eine Großstadt und hat nicht so viel Flair. Barcelona ist wegen der Sprache ungeeignet, weil dort hauptsächlich Catalan gesprochen wird und sich die Einwohner zum Teil sträuben auf Castellano umzusteigen. Alicante soll auch ganz schön sein, ist aber kleiner und gediegener. Südlicher (Sevilla und Granada) ist es sicherlich auch toll, aber die Sprache schwieriger. Die Menschen dort verschlucken gerne das Ende der Wörter. Außerdem soll es unerträglich heiß sein.

Valencia finde ich genau richtig. Groß aber überschaubar und voller aufgeschlossener Leute. Die Stadt ist schön und bietet sowohl Kultur als auch "Naherholung" durch den "Jardín del Turía" sowie Strand und Naturpark. Sehr viele „Erasmusler“ suchen hier ihr Glück und die meisten finden es auch. Unter ihnen sind alle möglichen Nationalitäten vertreten und meist ist Englisch die Hauptsprache.

 

Welcher klinische Bereich bietet sich an?

Ich entschied mich dafür, während meinr Zeit im Ausland in die Dermatologie und Ophthalmologie reinzuschnuppern. HNO ist wohl seitens des Lehrstuhlinhabers in Valencia mittlerweile schwierig geworden und Urologie ist mir zu wichtig, um es im Ausland zu machen da ich mir nicht sicher bin, ob ich dort auch selbst untersuchen darf.  

 

In welche Klinik kann ich gehen? 

Krankenhäuser gibt es hier in Hülle und Fülle. Das "La Fe" in Valencia soll sehr gut sein und vor allem – neu! Ich selbst war dann allerdings in einem sehr alten Haus, die Ärzte sind aber aufgeschlossen und nett.

Tipp: Man sollte hier nur dann seine Blöcke machen, wenn man der Sprache mächtig ist. Niemandem wird hier irgendetwas ins Englische übersetzt. Zumindest nicht viel und nicht gerne.

 

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

Ich habe mir zunächst eine Woche Urlaub in Valencia gegönnt, bevor ich mit der Arbeit in der Klinik begonnen habe. Das kann ich nur jedem empfehlen. Ich wollte schließlich auch die Stadt sehen und abends mal rausgehen. Anschließend begann ich in der Klinik. Ich war etwa von 8:00 bis 14:30 Uhr im Krankenhaus und danach immer etwas kaputt. Wenn man dann noch die Krankheitsbilder des Tages aufarbeitet, Sport macht und sich mit Freunden trifft, macht man nicht unbedingt jeden Tag Sightseeing. Es bietet sich an, auch nach den Blöcken nochmal Urlaub zu machen und die Südküste zu erkunden. Es gibt viel zu sehen!

 

Die Hirarchien in den spanischen Kliniken

Die Hierarchie ist in Spanien sehr streng. Als Student durfte ich kaum etwas selbst machen! Die Residenten/Assistenzärzte  begleiten einen Oberarzt und helfen ihm bei der Arbeit. Dafür ist dieser wenig gestresst, gut drauf und bemüht, mir alles zu erklären und zu zeigen.

Das war für die Dermatologie-Sprechstunden genial  Ich habe immer das Dermatoskop in die Hand gedrückt bekommen und durfte helfen, die Haut zu beurteilen. Mein Highlight war eine Lokalanästhesie, die ich gesetzt habe. Aber die Biopsie hat dann ein Assistenzarzt gemacht. Trotzdem hab ich viel gesehen: Erwachsenen- und Kinder-Sprechstunden, Biopsien, Chirurgie, Phototherapie, Allergietests bzw. photodynamische Testungen, Verbands- und Wundsprechstunde und den einen oder anderen Notfall.

Im Bereich Ophthalmologie durfte ich etwas mehr machen. Am ersten Tag wurde mir erklärt, wie die Spaltlampe funktioniert und so durfte ich bei jedem Patienten vorher oder nachher selbst einen Blick riskieren. Nach einigen Tagen hab ich dann auch den Fundus gefunden und war sehr froh. Einige Ärzte ließen mich Fäden am Lid ziehen, Kontaktlinsen wechseln, tropfen und den Augendruck messen. Ich war ebenfalls für die Visusprüfung zuständig. Auch im OP durfte ich dabei sein und mit durch das Mikroskop gucken oder die OP am Monitor verfolgen. Insgesamt erlebte ich die Ärzte dort als sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und erklärfreudig. Sie haben verschiedene Schwerpunktsprechstunden (Cornea, Lider und Tränengänge, Retina, Strabismus) und so bekam ich einen guten Einblick in die Ophthalmologie. Die Ausstattung der Klinik war modern und hygienischer als in der Dermamatologie, was mich beruhigt hat.

 

Wer ist mein Ansprechpartner?

Frau Carmina Garin Martínez vom Allgemeinkrankenhaus in Valencia war die Einzige, die mir auf meine Bewerbungsmails geantwortet hat. Ich habe sie auf Spanisch angeschrieben und ihr erklärt, dass ich eine "estancia formativa de tiempo limitado" in den Fächern XYZ machen möchte. Sie hat das ganze dann für mich arrangiert.    

Carmina Garin Martínez

Secretaria de la Comisión de Docencia

Unidad de Docencia e Investigación

Consorcio Hospital General Universitario de Valencia

Avda. Tres Cruces, 2 46014 Valencia

telf 961972201

correo electrónico: garin_car@gva.es

 

Tipp: Für die Berufs-/Privathaftpflicht verweise ich an den Hartmanbund der Universität Witten/Herdecke. Bei der Deutschen Ärzte und Apothekerbank ist eine Auslandskrankenversicherung kostenlos dabei, wenn man gleichzeitig Mitglied im Hartmannbund ist.

 

Wo kann man in Valencia wohnen?

Es ist in Valencia verhältnismäßig einfach eine Wohnung zu finden. Die Wohnungen (Pisos) sind meistens möbliert und es gibt viele WGs. Wo viele „Erasmusler“ sind, gibt es auch ein dementsprechendes Angebot an Zimmern. Im Internet werdet ihr unter Flats2enjoy, SoyErasmus, happyErasmus oder auf Facebook fündig. Ein Zimmer kostet mit Nebenkosten zwischen 200 und 250 Euro im Monat. Wenn man geschickt ist, kann man auch für halbe Monate bezahlen, falls man früher fliegt oder später kommt.

Zum Wohnen empfehlen sich Stadtviertel nah am Krankenhaus. Am Jardín del Turía kann man herrlich Sport machen oder spazieren gehen. Sehr studentisch ist Benimaclet. Aber das wäre mir morgens in der Früh zu weit. Es gibt hier ein wunderbares Ausleih-Fahrradnetz (ValenbiSí) bei dem man für 28 € im Jahr immer für 30 Minuten kostenlos ein Fahrrad bekommt. Vergleichbar beispielsweise mit Hamburg. Ich empfehle, mit anderen zusammen zu wohnen um schnell Anschluss zu finden. Um Spanisch zu lernen sollest du jedoch nicht mit jemanden wohnen, der deine Sprache spricht.

 

Was zieht man in einer spanischen Klinik an?

Es ist im Prinzip ganz einfach – Kittel über das, was Du gerade anhast. Dies sollte jedoch den normalen Grenzen des Anstandes gerecht werden. Also, keine kurzen Hosen oder zu tief ausgeschnittene Tops. Frauen dürfen Röcke und Kleider, sowie geschlossene Sandalen tragen. Männer sind in langer Hose und geschlossenen Schuhen gern gesehen. T-Shirt ist ok, Hemd wie immer eleganter. Wie gesagt, darüber kommt immer der Kittel.

 

Kleidung - Foto: Renate Fett

Klinikbekleidung - Foto: Renate Fett

Ich persönlich trage im Krankenhaus gern eine weiße Hose und ein farbiges T-Shirt. Das war völlig in Ordnung. Sonst habe ich immer weiße Sneakers an. Die sind hier etwas "zu sportlich", also bin ich auf meine ganz normalen Ballerinas umgestiegen. An Hilfsmitteln benötigst Du wirklich nur das, was man für das Fach brauch. Es ist also nicht nötig das Stethoskop mitzunehmen. Aber falls Du beispielsweise in der Inneren famulierst, schadet das nicht.

 

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit, habe viel erlebt, trotzdem viel Medizin gelernt und meine Sprachkenntnisse verbessert. Die Stadt ist absolut empfehlenswert, an das Krankenhaus muss man sich gewöhnen, aber das Können und Wissen der Ärzte ist gut. Man sollte die Sprache können, um dort auch etwas zu lernen, ansonsten bietet sich eher ein langer Urlaub (mit Sprachschule) an.  

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