• Bericht
  • |
  • Moritz Völker
  • |
  • 24.02.2014

Eine Einführung in die Wittener Traditionen

An der Uni Witten/Herdecke gibt es einige langjährige Traditionen. Renate und Moritz erzählen, wie Erstsemester darin eingeweiht werden und warum die Traditionen das Studium versüßen.

 

Studenten auf Gruppe - Foto: Thieme/A. Fischer

 

Und so brachen sie alle nach Brakel auf ...

Nachdem die Studium-Bewerber die ersten Hürden durch die schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und der alljährlichen individuellen Aufgabe genommen haben, dürfen 150 von etwa 1500 von ihnen auf ein Auswahlwochenende in das berühmte Dörfchen Brakel. Hierfür  muss jeder einen Vortrag vorbereiten, diesen halten und eine anschließende Diskussion leiten. Neben weiteren Gruppendiskussionen, stehen an den drei Tagen auch persönliche Gespräche mit Studenten, Alumni und Professoren auf dem Programm. Welcher Typ Student hier bevorzugt wird, bleibt wohl immer ein Rätsel und sorgt am Ende dafür, dass eine sehr gemischte Gruppe aus 42 Studierenden ihr Glück in Witten versuchen darf. Egal wen man später fragt, kaum jemand hat damit gerechnet, eine Zusage zu bekommen und jeder hat mindestens eine peinliche Situation in den Gesprächen oder Diskussionen erlebt, die ihn „definitiv disqualifiziert“ haben müsste. Aber Witten wäre nicht Witten, wenn nicht die eine oder andere Besonderheit auf einen warten würde.

 

Der große Umschlag im Briefkasten – wie der Brief aus Hogwarts!

Nun startet man hier nicht direkt mit dem Studium wie an anderen Unis. Der erste offensichtliche Unterschied ist der, dass die Zusage schon drei Monate vor Studienbeginn ins Haus flattert. Also noch genug Zeit, um drei von den hier sechs geforderten Monaten Pflegepraktikum zu absolvieren, die Ausbildung zu beenden oder nochmal fix ins Ausland abzudüsen, um im Anschluss ohne Lernstress eine Wohnung zu organisieren und einzurichten. Hier in Witten sind fast alle Studis in WGs organisiert. Oftmals interdisziplinär und viel in Bewegung. Aber dazu an anderer Stelle mehr, denn damit ist es noch nicht getan.

 

Das Patensemester

In Witten wird ein intensives Patenverhältnis gepflegt. Das bedeutet, dass Medizinstudenten aus dem dritten Semester sich um die neuen Erstis kümmern, diese einführen und anfänglich auch betreuen. Das alles startet in der Regel bereits in Brakel, denn hierhin kommen die Paten, um Fragen zu beantworten  und ihre zukünftigen Schützlinge kennenzulernen. Das Wiedersehen findet dann eine Woche vor dem offiziellen Semesterbeginn statt. Hier wird fünf Tage gemeinsam gewandert. Start und Ziel: Die Uni. Neben vielen Kennenlernspielen steht einfach eine gute Zeit auf dem Programm. Hierbei kommt definitiv „Feriencampstimmung“ auf. Nach diesem „Extremsocialising“ und sehr wenig Schlaf in Verbindung mit viel C2H5OH, wären drei Tage schlafen genau das Richtige. Aber nicht so schnell. Nach dürftiger Erholung beginnt die offizielle Einführungswoche.

 

Die Zeit als Ersti – nun ist man Teil der Uni

Nach der Stadtrallye mit den anderen Erstis und der obligatorischen Unirallye, begegnet man in einem straffen Stundenplan den organisatorisch wichtigsten Personen für die kommenden Jahre. In den folgenden Tagen stellen sich unzählige Leute vor und erklären was man wann von ihnen brauchen wird, welche Scheine wann abzuliefern sind und und und… Das kann sich selbstverständlich niemand merken, aber nicht so schlimm, hier kommen wieder die Paten ins Spiel. Diese sind in der Regel gerade in den ersten Wochen eine ständige Anlaufstation, um sämtliche Fragen (auch zum 3ten Mal) ruhig und nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

Ach ja, natürlich steht der Wittener Medizinstudiengang ganz im Zeichen des POL, also des Problemorientierten Lernens. Hierzu in dem Artikel „Die Vorklinik in Witten“ mehr. Nur soviel – auch  dieses Konzept wird selbstverständlich in der Einführungswoche mundgerecht serviert.

 

Und was hat dieser Artikel jetzt bitte mit Traditionen zu tun?

Auf den ersten Blick offensichtlich nichts, jedoch wurde hier viel von „dem Patensemester“ gesprochen. In diesem werden auch Erstsemester irgendwann sein und sämtliche Aktivitäten von Brakel über Erstwanderung bis zur Einführungswoche hin organisieren. Deshalb sollten Erstsemester gut hinschauen, wenn es um organisatorische Feinheiten in ihren ersten Wochen geht.

Neben vielen weiteren Traditionen, die hier natürlich nicht alle angesprochen werden dürfen, gibt es noch eine sehr wichtige, an die man euch oft genug erinnern wird. Denn im zweiten Semester gilt es DIE PARTY des Jahres zu veranstalten. Dazu wird die große Halle inklusive Cafete etc. zur Verfügung gestellt und dann geht’s ab. Fundraising, Orga, Motto etc. liegt immer in der Hand des jeweiligen Jahrgangs und bedarf einer guten Organisation.

Wie gesagt gibt es viele weitere Aufgaben, die traditionell einem bestimmten Semester zugeordnet sind, wie zum Beispiel auch das Frühstück, das man seinen Paten nach geschriebenem MEQ (Modified Essay Questions), direkt neben dem Audimax serviert. In all diese Traditionen werden die Erstsemester langsam eingeführt und brauchen daher keine Sorge haben, etwas zu verpassen. Denn soviel ist sicher: durch den engen Kontakt zu anderen Jahrgängen an der Uni funktioniert der Informationsfluss entsprechend gut.  

Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete