• Interview
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  • Thomas Lux
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  • 08.02.2017

Exotische Facharztrichtungen Teil 2

Was macht eigentlich ein Krankenhaushygieniker? Und was muss man tun, um einer zu werden? In dieser Reihe stelle ich dir Facharztweiterbildungen vor, die vielleicht weniger geläufig – aber deshalb nicht minder interessant sind.

© Stabsstelle Krankenhaushygiene Universitätsklinikum Würzburg

Herr Prof. Vogel ist als Professor für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene der Universitätsklinik. Er ist verantwortlich für die studentische Lehre der Fächer Hygiene und Umweltmedizin. Gemeinsam mit ihm möchte ich euch eine bessere Vorstellung vom Berufs des Krankenhaushygienikers vermitteln.

 

> Wer ist für die Position als Krankenhaushygieniker qualifiziert?

Laut Bundesärztekammer sind zwei Fachärzte für diese Funktion qualifiziert: der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin sowie der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Da gerade für den Erstgenannten nur wenige Ausbildungsstätten vorhanden sind, und letztere nur selten die Laufbahn des Hygienikers einschlagen, herrscht jedoch eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage – laut Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut benötigt die Uniklinik Würzburg etwas über zwei Vollzeitstellen. Um diese Lücke zumindest zu verkleinern, können andere Fachärzte über eine zweijährige curriculare Fortbildung eine Zusatzqualifikation erwerben, mit der eine Beschäftigung als Hygieniker, nicht jedoch in leitender Position, an einem Haus der Maximalversorgung, möglich ist.

 

> Was sind mögliche Weiterbildungsstätten für den Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin?

Leider gibt es nur wenige Einrichtungen mit einer Weiterbildungsermächtigung, zu meinem Bedauern gehört Würzburg nicht dazu. Zu nennen wären in Bayern Regensburg, München, Augsburg, Erlangen und Nürnberg. Allerdings haben wir natürlich am Institut für Hygiene und Mikrobiologie die Möglichkeit, Fachärztinnen und Fachärzte für Mikrobiologie, Infektionsepidemiologie und Virologie auszubilden. Diese sind ebenfalls für die Tätigkeit qualifiziert.

 

> Wie kann man sich den Arbeitstag als Krankenhaushygieniker vorstellen?

Der Tag stellt sich ziemlich vielseitig dar: Neben dem Erstellen und kontinuierlichen Aktualisieren verschiedenster Hygienepläne gehören sowohl Fortbildungen und Schulungen als auch die enge Kooperation mit ärztlichem und pflegerischem Personal über aktuelle Hygieneprobleme zum Alltag.
Außerdem steht die kontinuierliche Erfassung von im Krankenhaus erworbenen Infektionen, von Erregern mit besonderen Resistenzen und des Antibiotikaverbrauchs im Fokus. Der regelmäßige Kontakt zu Aufsichtsbehörden, wie zum Beispiel dem Gesundheitsamt, ist von großer Bedeutung. Daneben gilt es, sich in baulich-strukturelle Planungen einzubringen, was auch raumlufttechnische Anlagen, die Wasserversorgung oder medizintechnische Geräte beinhaltet.

 

> Wie ist der Weg vom Konzept zur Umsetzung eines neuen Hygieneplans?

Oft ergeben sich durch Hospitationen auf Station, Ausbrüche oder Rückmeldungen des Personals Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten bestehender Hygienepläne. Es kann auch sein, dass eine eigentlich etablierte medizinische Prozedur bezüglich der hygienischen Abläufe für eine Klinik oder Abteilung speziell standardisiert werden muss. Bestehende Dokumente müssen regelmäßig mit aktuellen Richtlinien und Publikationen abgeglichen werden. Aktuelle Richtlinien werden hierbei auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. Danach folgt die Prüfung durch die Hygienekomission sowie die Veröffentlichung des neuen oder aktualisierten Dokuments.
Der schwierigste Teil ist jedoch, eine flächendeckende praktische Umsetzung zu erreichen: Hier sind gute, auch digitale Kommunikation sowie regelmäßige Fortbildungen unerlässlich. Einfach ist das nicht. Das Klinikpersonal muss sich nicht nur beständig in der eigenen Fachrichtung fortbilden, es wird neben den Hygienevorgaben auch mit den Vorgaben anderer Stellen, denken wir an die Apotheke, Brandschutzvorgaben, Bauvorgaben etc. konfrontiert – und da steht die Hygiene oft nicht an erster Stelle des Interesses. Also gilt es in möglichst kurzer Zeit die wichtigsten Botschaften zu vermitteln – was bei ca. 300 Dokumenten allein im Dokumentenmanagementsystem unserer Stabsstelle nicht einfach ist.

 

> Was passiert, wenn Hygienemaßnahmen laut Personal einfach nicht umzusetzen sind?

In diesem Fall muss natürlich gemeinsam mit den Nutzern über die Praktikabilität eines Hygieneplans diskutiert werden. Meist liegt das Problem darin, dass zusätzliche Hygienemaßnahmen mit Zeitaufwand verbunden sind und diese Zeit nicht vorhanden ist. Hierbei gilt aber: die Patientensicherheit geht vor.
Leider kann es in Kliniken gelegentlich vorkommen, dass erst besondere Ereignisse wie ein gehäuftes und meldepflichtiges Auftreten nosokomialer Infektionen hygienegerechtes Arbeiten in den Vordergrund stellen. Prinzipiell aber ist meine Erfahrung, dass durch eine konstruktive Zusammenarbeit von Krankenhaushygiene, Pflege und ärztlichem Personal so viel komplementäre Expertise zusammengebracht wird, dass für alle Seiten optimierte Lösungen gefunden werden.

 

> Können sie uns einige aktuelle Tätigkeiten der Krankenhaushygiene beschreiben?

Aktuell arbeiten wir mit der Herz-Thorax-Chirurgie an der mikrobiologischen Risikominimierung bei Eingriffen mit sogenannten Hypothermie Geräten, die für die Temperaturregulierung des Patienten im OP benötigt werden.
Weiterhin arbeiten wir an der Implementierung einer SharePoint-Software zum Vorgangsmanagement, das die Nutzung von üblichen Explorer Lösungen optimiert und den Datenschutz verbessert.
Wir weiten zudem unsere bisherigen Module zur Erfassung von im Krankenhaus erworbenen Infektionen aus und möchten verstärkt auf die Durchsuchung des Krankenhausinfektionssystems setzen.
Des Weiteren konzentrieren wir uns verstärkt auf unsere wissenschaftlichen Projekte. Zwei anwendungsbezogene Projekte seien genannt: die Haltung des Personals zur jährlichen Influenzaimpfung sowie der Nutzen der direkten Desinfektionsmittelverbrauchserfassung am Spender in operativen Bereichen.

 

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