• Bericht
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  • Anne-Sophie Mehdorn
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  • 22.03.2010

Famulatur beim Hausarzt

Für mich steht fest: Ich möchte Chirurgin werden. Schon zu Beginn meines Studiums hatte ich diesen Wunsch, der später durch eine Chirurgie-Famulatur nur gestärkt wurde. Daher habe ich von einer Famulatur beim Allgemeinmediziner nicht allzu viel erwartet. Doch ich wurde eines besseren belehrt: Auch das Hausarztdasein macht Spaß.

Allgemeinmedizin ist wie Chirurgie ein "Handwerk", bei dem es nicht nur auf die theoretischen Kenntnisse ankommt. Und dass der Hausarzt nur Schnupfen, Diarrhoe oder alte Menschen behandelt, kann ich nicht behaupten. Vielmehr muss ein Allgemeinmediziner ständig orthopädisches, gynäkologisches und kardiologisches Wissen parat haben oder dem Patienten geduldig Symptome entlocken, um eine entsprechende Weiterversorgung zu gewährleisten.

"Mein Hausarzt" hat es auf den Punkt gebracht:
"Medizin ist eigentlich ein Handwerk, man muss nur etwas mehr wissen, aber eigentlich geht es nur über viel Sehen und Anfassen".

 

Anfassen ist der Schlüssel

So konnte ich in seiner Praxis auch selbst untersuchen. Erlebt habe ich alles, angefangen von eitrigen Mandeln bis hin zu Spekulum-Untersuchungen. Die meisten Patienten sind mir sehr offen begegnet. So dass ich viel mitgenommen habe.

So schnell werde ich nicht vergessen, wie ein Ulcus cruris oder aber geschwollene Mandeln, ein eingeblutetes Trommelfell oder eine Pilzinfektion aussehen.

 

Eine gute Wiederholung

Bei Praktika an der Uniklinik sieht man natürlich eher Patienten, die stark erkrankt und häufig bereits diagnostiziert sind. Dort sind Patienten mit einer 37 cm großen Milz, COPD im fortgeschrittenen Stadium oder komplett exsikkierte Patienten keine Seltenheit.

In der Allgemein- oder Hausarztpraxis hingegen ist es möglich Krankheiten in den Anfängen zu entdecken und entsprechend zu behandeln. Durch die Vielzahl der Erkrankungen konnte ich gut wiederholen - auch Pharmakologie - und mir stets überlegen, wie ich verfahre. Außerdem konnte ich lernen wie bereits am Gesicht oder der Haltung des Patienten zu erkennen ist, was er wohl hat.

 

Angst vor dem Patienten abgebaut

Zwei Dinge sind mir von dieser Famulatur besonders positiv in Erinnerung geblieben: Zum einen ist man wirklich der Allererste, der einen Patienten sieht und der entscheiden muss, welche weiteren Untersuchungen notwendig sind und welche Therapieschritte einzuleiten sind.

Ein Hausarzt muss eine sehr große Zahl an Krankheitsbildern präsent haben, nebst zugehöriger Manifestation, Therapie und Komplikation. Das ist eine besonders intellektuelle Herausforderung, die man nicht unterschätzen sollte.

Zum anderen hat mir diese Famulatur die "Angst vor dem Patienten" genommen. Ich war gezwungen, auf den Patienten zuzugehen, ihn anzufassen und auch genau zu untersuchen. Durch diese Eins-zu-eins-Situation, wie sie sonst nirgends zu finden ist, konnte ich besonders viel lernen. Mit der Zeit wurde ich immer sicherer. Wenn ich im Gespräch mit den Patienten doch einmal nicht weiter wusste, war der Hausarzt zur Stelle, der mir aushalf.

 

Fazit

Eine Famulatur beim Allgemeinmediziner kann ich nur jedem empfehlen, selbst zwei Wochen lohnen sich schon. Ich habe gelernt, dass Arztsein nicht nur darin besteht Fakten und Therapiepläne parat zu haben. Viel wichtiger ist die Fähigkeit mit den Händen zu fühlen und genau hinzuschauen und zuzuhören, um den Patienten optimal zu behandeln.

Wer später ernsthaft ein guter Arzt werden möchte, sollte über allgemeinärztliches Basiswissen verfügen und es anwenden können.

 

Also: Auf zum Hausarzt!

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