• Umfrage
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  • Hanna Hohental
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  • 08.12.2014

Humanitäre Nothilfe - Eine Frage, drei Antworten

Würdest du als Nothelfer in ein Seuchengebiet gehen, um dort beispielsweise gegen Ebola zu kämpfen – trotz des nicht unerheblichen „Restrisikos“, dich selbst damit anzustecken? Lokalredakteurin Hanna hat drei Medizinstudenten an ihrer Uni befragt.

 

 

  

 

Agnes Leewe, 7. Semester, Aachen

Prinzipiell finde ich es wichtig und richtig in Seuchengebieten zu helfen. Ich war früher eine
Zeitlang in einer Klinik in Südafrika, wo man auch Kontakt mit Tbc- und HIV-Patienten hatte. Das war für mich kein Problem. Ich hatte keine Berührungsängste und hatte nie das Gefühl, ich wäre einem besonders großen Risiko ausgesetzt. Vorausgesetzt, man hält sich an die Hygienevorschriften. Was Ebola angeht, bin ich da schon unsicherer. Ich glaube, die Gefahr sich anzustecken ist groß. Zum einen Teil, weil meiner Meinung nach noch nicht so viel Erfahrung im Umgang damit besteht. Und zum anderen Teil, weil ich denke, dass die Versorgungsstrukturen vor Ort momentan recht schwierig sind.

 

Auch überträgt sich das Virus schneller als zum Beispiel HIV. Zur Aufnahme von Ebola Patienten habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Soweit ich weiß hat das Aachener Uniklinikum keine Isolierbetten. Die gibt es in Nordrhein Westfalen nur in Düsseldorf. Ich habe aber gelesen, dass hier in Aachen ein Protokoll existiert, wie mit Verdachtsfällen umgegangen wird, bevor sie dann nach Düsseldorf verlegt werden. Letztens wurde über einen Fall berichtet, wo ein Mann mit Ebola Verdacht angeblich ohne Schutzvorrichtungen in der Notaufnahme des Aachener Uniklinikums saß - ganz normal im Warteraum. Die Zeitung war aber nicht besonders vertrauenswürdig - und ich denke, dass die Medien sicherlich auch von der Panikmache profitieren.

 

Unter Sicherheitsvorkehrungen finde ich es richtig, Ebola Patienten auch außerhalb der betroffenen Länder zu behandeln. Ich finde es nicht gut, wenn Menschen wie Aussätzige behandelt werden. Meine Freunde und Familie wären aber sicher besorgt, wenn ich in ein Seuchengebiet gehen würde. Andererseits würden sie es auch gut finden, dass ich helfen möchte. Ich persönlich würde aber in afrikanischen Ländern, die gerade von Ebola betroffen sind, momentan eher keine humanitäre Hilfe leisten und auch keine Famulatur machen.

 

 

Norman Paizzano, 5. Semester, Dresden

Ich bin der Meinung, dass gerade die westlichen Länder aufgrund von Ausstattung und finanziellen Mitteln dazu verpflichtet sind, in anderen Ländern zu helfen. Das betrifft nicht nur medizinische Katastrophen, sondern auch nach Naturkatastrophen wie z.B. der Hurrikan in Haiti. Klar hätte ich in Ländern, in denen es akut Krankheitsfälle gibt, auch Angst mich zu infizieren. Zur Zeit wäre das zum Beispiel Westafrika mit Ebola. Auch wenn ich das Gefühl habe, die Medien übertreiben teilweise etwas. Manchmal hat es den Anschein, als wäre ganz Afrika südlich der Sahara von Ebola befallen. Wenn ich Familie habe, würde ich mir auch gut überlegen, ob ich bereit wäre, in akute Seuchengebiete zu gehen.

 

Aber abgesehen von der direkten Patientenversorgung gibt es dort ja auch andere Aufgaben. Da sind beispielsweise die Ausbildung von Personal vor Ort oder die Organisation von Logistik und Hilfsgütern. Die Hilfe zur Selbsthilfe und generell Katastrophenmanagement finde ich extrem wichtig. Ich habe eine Ausbildung als Krankenpfleger und studiere Medizin. Trotzdem würde ich mich noch nicht als qualifiziert für den Einsatz in Katastrophengebieten bezeichnen. Dafür braucht man denke ich eine Zusatzausbildung, wie sie zum Beispiel die Leute vom Deutschen Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk besitzen. Vor Ort sollte man schließlich auch wirklich von Nutzen sein und nicht nur Ressourcen verbrauchen. Dazu gehört für mich auch eine gewisse Aufenthaltsdauer vor Ort. Aktuell gibt es eine Diskussion, weil wohl immer mehr junge Leute in Krisengebieten helfen wollen – zum Teil nur für zwei Wochen - um ihren Lebenslauf interessanter zu machen. So etwas kann ich nicht nachvollziehen.

 

Wenn ich mich engagieren sollte, würde ich mich eher für eine kleinere Organisation entscheiden - oder für private Hilfsprojekte. Und es muss auch nicht immer gleich eine Pandemie sein, die aktuell in den Medien präsent ist. Nächstes Jahr plane ich eine Famulatur in Nicaragua - dort gibt es zwar keine Seuche, aber das Gesundheitssystem ist relativ schlecht ausgestattet und es wird bestimmt eine Herausforderung sein, unter den Bedingungen dort zu arbeiten. Eventuell klappt es in einer Ambulanz, die von einem deutschen Hilfsprojekt ins Leben gerufen wurde. Dort wird Grundversorgung für die Bevölkerung geleistet mit Schwerpunkt auf der Betreuung von Frauen und ihren Kindern. Mein Fazit: Ja, ich würde helfen, weil ich finde, dass wir die Verantwortung tragen, zu helfen.

 

 

 

Anne Zenker, 9. Semester, Dresden

Wenn momentan der Begriff Seuchengebiet fällt, denke ich vor allem an Ebola. Ich habe mir auch schon die Frage gestellt, ob ich dorthin reisen würde um zu helfen. Für mich persönlich bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass ich momentan nicht in eine gefährdete Region reisen würde um zu helfen. Leider bekommt man im Studium zu wenig praktische Fähigkeiten vermittelt. Ich denke nicht, dass mein bisheriges Können ausreicht, um es in einem Hochrisikogebiet anzuwenden. Selbst wenn man genau Bescheid weiß, ist man einfach noch nicht gefestigt in seinem Handeln und Tun. Man hat keinen Erfahrungsschatz und keine Routine im Umgang mit hochansteckenden Krankheiten.

 

Anders würde es vielleicht mit HIV aussehen. Dort gibt es viel Erfahrung, was den Umgang mit der Krankheit und den Schutz vor einer Infektion angeht. Man weiß was man machen sollte, um eine Ansteckung zu vermeiden. Auch wird es nicht so leicht übertragen wie Ebola. Ich möchte erst einmal Berufserfahrung sammeln und einen sicheren Umgang mit Routinetätigkeiten im Krankenhaus erlangen, bevor ich mich in ein Krisengebiet wage. Außerdem wären tropenmedizinische Weiterbildungen von Vorteil. Wenn ich dann in meinen beruflichen Fertigkeiten gefestigt und sicher bin, kann ich mir durchaus vorstellen auch in einem Seuchengebiet zu helfen. Aber momentan fühle ich mich dafür noch nicht „fit“ genug.

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