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  • S. Finke, I. Zauner
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  • 04.07.2014

Patientenaufklärung: Was gilt es zu beachten?

PJ-Studenten sollen das Arztsein in all seinen Facetten „trainieren“. Dazu gehört auch das ärztliche Aufklärungsgespräch. Hier erklären dir die Patientenaufklärungs-Experten von Thieme Compliance, was dieses Gespräch beinhalten sollte und wo Stolperfallen lauern.

Aufklärung - Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia

Das Aufklärungsgespräch ist ein zentraler Bestandteil der ärztlichen Tätigkeit in der Klinik

 

Egal ob OP-Assistenz, Aufnahmegespräche oder invasive Tätigkeiten – Studenten im Praktischen Jahr können fast alle ärztlichen Tätigkeiten übernehmen. Bedingung: Sie müssen unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes verrichtet werden. Einen Graubereich gibt es: das ärztliche Aufklärungsgespräch. Bislang war gängige Routine, dass PJ-Studenten diese Gespräche nur dann führen dürfen, wenn der ausbildende Arzt anwesend ist und ggf. ergänzend eingreifen kann. Ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 29.1.2014 hat nun jedoch die alleinige Aufklärung einer PJlerin für zulässig erklärt. In dem in Karlsruhe verhandelten Fall hatte die  PJlerin eine Patientin zu einer Herzkatheteruntersuchung aufgeklärt.

Nach dem Eingriff kam es zu einer Dissektion der A. femoralis. Der Anwalt der Patientin argumentierte, dass die Aufklärung nicht gültig war, da sie nicht von einem Arzt durchgeführt wurde, und forderte Schmerzensgeld. Das OLG wies diese Klage ab – und begründete sein Urteil u.a. damit, dass auch die Patientenaufklärung ein Teil der Ausbildung sei. Auch habe der ausbildende Arzt zunächst den Ablauf des Aufklärungsgesprächs erklärt und die Studentin an einigen Gesprächen passiv mitwirken lassen. Daraufhin führte sie erste Gespräche unter Anleitung ihres Ausbilders. Nachdem sie mehr Routine hatte, beschränkte sich der Arzt auf gelegentliche Stichproben. Unter diesen Umständen, so urteilte das OLG Karlsruhe, stellt die Übertragung der Aufklärung auf Medizinstudenten im Praktischen Jahr eine grundsätzlich begrüßenswerte Schulung dar, die Studenten die notwendigen praktischen Erfahrungen verschaffen kann

(Mehr Informationen zu diesem Urteil findest du im Kommentar von Dr. jur. A. Wienke, einem der juristischen Berater von Thieme Compliance klick).

 

Warum ist die Aufklärung so wichtig?

Für Ärzte ist die Aufklärung ein unverzichtbares Element ihres Handelns. Hintergrund: Prinzipiell stellt jeder Eingriff in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen eine Körperverletzung dar. Das gilt selbst dann, wenn sie durch einen Arzt nach bestem Wissen und Gewissen und mit den besten Heilungsabsichten für den Patienten vorgenommen wird. Deshalb benötigst du später, bevor du einen Eingriff vornehmen darfst, die Einwilligung deines Patienten. Das Wissen des Patienten ist aber naturgemäß laienhaft. Damit er dennoch entscheiden und seine Einwilligung erteilen kann, muss der Arzt, der einen Wissensvorsprung hat, den Patienten entsprechend informieren – also aufklären.

 

Was muss ein Aufklärungsgespräch grundsätzlich beinhalten?

Aufklärungsgespräche sollen den Patienten „im Großen und Ganzen“ und in einer „für ihn verständlichen Art und Weise“ über Art und Bedeutung, Risiken, Erfolgsaussichten, Alternativen usw. des Eingriffes informieren. Das bedeutet, dass im Gespräch auf die wesentlichen und typischen Risiken des Eingriffs und individuelle Risikofaktoren eingegangen werden muss, so dass sich der Patient ein zutreffendes Bild von der Tragweite des Eingriffs machen kann. Es müssen aber auch Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit besprochen werden, wenn diese bei der Verwirklichung schwerwiegende Folgen haben können. Im Zweifel raten wir daher, lieber etwas mehr als weniger aufzuklären und die Risiken auf keinen Fall zu verharmlosen. Die Aufklärung muss in einer für den Patienten verständlichen Art und Weise erfolgen, das bedeutet, dass Kindern und Jugendlichen der Eingriff anders erklärt werden muss als Erwachsenen. Bei Patienten mit geringen oder fehlenden Sprachkenntnissen, sollte eine sprachkundige Person als Übersetzer hinzugezogen werden.

 

Warum ist es sinnvoll, das Aufklärungsgespräch zu dokumentieren?

Wird der Patient nicht angemessen aufgeklärt, besteht die Gefahr, dass er sich falsche oder unrealistische Hoffnungen macht und mit dem späteren Behandlungsergebnis nicht zufrieden ist. Der Schritt vor Gericht ist dann manchmal nicht mehr weit. Das gilt natürlich auch, falls tatsächlich Komplikationen eingetreten sind. Einen Behandlungsfehler muss zwar der Patient beweisen (Beweislast liegt beim Patienten), der Anwalt des Patienten könnte jedoch argumentieren, dass ein Aufklärungsfehler begangen wurde. Diesen muss nämlich der Arzt entkräften (Beweislast liegt beim Arzt). Dann muss der Arzt beweisen, was er bei der Aufklärung mit dem Patienten besprochen hat. Um im Streitfall die Inhalte des Aufklärungsgespräches belegen zu können, lohnt es sich, die Einzelheiten des Aufklärungsgespräches und die Einwilligung zu dokumentieren. In der Rechtsprechung wird zur Verwendung von Aufklärungsbögen geraten[1][2]. Unsere Experten empfehlen zusätzlich, den Bogen zu individualisieren, damit auch der Inhalt des jeweiligen, einzelnen Gesprächs dokumentiert ist. Das bedeutet, im Fließtext bedeutende Passagen zu markieren, unpassende durchzustreichen, Einzeichnungen in den Bildern vorzunehmen, individuelle Besonderheiten des Patienten zu notieren usw.

[1] BGH JZ 2000, 898, 901

[2] §630 f Absatz2 Satz1 BGB


Wo gibt es Hilfe?

Um sich nicht in den Untiefen der Rechtsprechung zu verlieren und schnelle Antworten vor Ort zu bekommen, haben wir die In-App „Das Aufklärungsgespräch“ für den KittelCoach von Thieme entwickelt. Hier erklären wir in verständlicher Weise anhand von echten Fällen die Gesetzeslage, die aktuelle Rechtsprechung sowie die wichtigsten Fallstricke und geben konkrete Handlungsempfehlungen.


App Aufklärungsgespräch

 

Über Thieme Compliance

Thieme Compliance ist eine Tochter der Thieme Verlagsgruppe. Mit unseren Aufklärungsbögen aus den Diomed und proCompliance Sortimenten erweitern wir das Angebot von Thieme um juristisch und medizinisch fundierte Patientenaufklärung.

 

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Wirksame Aufklärung durch Medizinstudentin im Praktischen Jahr
Rechtliche Grundlagen
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