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  • Benjamin Kroh
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  • 04.12.2017

Praktische Tipps fürs PJ

Damit du ein lehrreiches und spannendes praktisches Jahr verlebst, sind die folgenden Informationen ein kleiner Leitfaden.

Nach dem Examen ist vor dem Examen – oder so ähnlich. Tatsächlich steht nach der schriftlichen Prüfung noch ein mündliches Testat an, allerdings liegt zwischen beiden Prüfungen seit Abschaffung des Hammerexamens das praktische Jahr.

Zeit genug also, um „runterzukommen“ und sich auf die letzte Hürde vor der Ausfahrt „Arzt“ vorzubereiten.

Hier ein paar Tipps, wir du die PJ Suche am besten angehst:

 

Schritt 1: Recherche


Studierst du in Deutschland Humanmedizin,  kannst du im Rahmen der gesetzlichen PJ Mobilität das praktische Jahr an einem Lehrkrankenhaus deiner Wahl absolvieren. Viel besser: du kannst sogar die Welt bereisen und praktische Erfahrungen in anderen Gesundheitssystemen sammeln. Ob du nun abenteuerlich in Ulaanbaatar (Hauptstadt der Mongolei) oder in Unna (Kreisstadt in NRW) dein PJ machst, steht dir frei! Mit Sicherheit lohnt es, sich im Bekanntenkreis umzuhören: auf offene Ohren stößt man überall und bekommt tolle Empfehlungen.

Trotzdem ist es natürlich ähnlich wie mit Tipps für ein Reiseziel - eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht. Vielmehr solltest du wissen, WAS du sehen oder erleben möchtest (ob voll integriert in den Stationsalltag oder flexible Arbeitszeiten in der Südsee) und WIE viel Energie du in die Vorbereitung stecken möchtest (fremde Sprache, fremdes Land usw.).
Hilfreich sind Online-Bewertungen, wie beispielsweise die Seite www.pj-ranking.de oder via medici.

 

Schritt 2: Voraussetzungen erfüllen


Ein bestandenes Examen qualifiziert einen Medizinstudenten zwar für das praktische Jahr, zwingend erforderlich ist allerdings die betriebsärztliche Untersuchung. Ob beim Wechsel an eine andere Fakultät oder einem Auslandsaufenthalt: es ist ratsam, frühzeitig einen Termin beim Betriebsmediziner der Heimat-Universität zu vereinbaren. Die Bescheinigung kann dann an das jeweilige PJ Büro weitergeleitet werden.


Schritt 3: Urlaub machen


Richtig gelesen: bevor es in den Arbeitsalltag geht, solltest du die freie Zeit nutzen, um dich zu erholen. Natürlich ist es jedem fleißigen Studenten freigestellt zu arbeiten oder an der Promotion zu feilen. Aber der Arbeitsalltag im PJ erwischt dich kalt, so oder so! Besser, du startest ausgeschlafen und nicht übermüdet. Krankentage im PJ gibt es nicht – es stehen jedem Studierenden lediglich 30 Tage Dienstfrei zur Verfügung, egal ob nun krank im Bett oder entspannt am Strand. Daher: Reserven schonen!


Schritt 4: Entscheiden


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wie eingangs erwähnt, steht dir für das praktische Jahr die Welt offen! Schwer ist es, sich festzulegen. Bei deiner Planung solltest du die Regelung deiner Heimat-Universität kennen. Diese sind Bundesland-unabhängig und verpflichtend für eine Anerkennung beim jeweiligen LPA.

 Um verschiedene Möglichkeiten besser zu verstehen, hier zwei Beispiele:
1) reguläre Tertiale (eingeschrieben an der Universität zu Köln)
a. Erstes Tertial Innere Medizin am Krankenhaus Köln Mehrheim
b. Zweites Tertial Chirurgie am Klinikum Leverkusen
c. Drittes Tertial Dermatologie an der Uniklinik Köln


2) Splittung des PJ’s (eingeschrieben an der Universität zu Köln)
a. Erstes Tertial Innere Medizin, d.h. 8 Wochen an der Kejio Universität Tokio, 8 Wochen am Klinikum Rechts der Isar München
b. Zweites Tertial Kinderheilkunde, d.h. jeweilig am Inselspital Bern und an der WWU Münster
c. Drittes Tertial Chirurgie, d.h. jeweilig am Mount Sinai Hospital New York und am Klinikum Rechts der Isar München


Auch wenn die zweite Variante kein übliches Modell des praktischen Jahres ist, wird sie von der Universität Köln anerkannt. Wichtige Fragen hinsichtlich Anerkennung sind:
1) Wie viele Splitting Tertiale sind erlaubt?
2) Sind geteilte Tertiale an Lehrkrankenhäuser gebunden?
3) Wie viele Auslands-/ Inlandsaufenthalte darf/muss ich haben?


Nicht jedes Krankenhaus im Ausland wird vom LPA des jeweiligen Bundeslandes anerkannt. Das LPA NRW hat eine Liste ausländischer Krankenhäuser zusammengestellt, die mittlerweile deutschlandweit anerkannt werden (http://www.brd.nrw.de/gesundheit_soziales/LPA-PJ/pdf-PJ/PJ-Ausland-Gesamtliste.pdf) .
Davon abgesehen muss sich auch jeder PJ’ler darüber im Klaren sein, dass ein Wechsel in eine andere Stadt oder ein anderes Land mit unumgänglichen (Reise)kosten verbunden ist. Häufig helfen einem die Fachkräfte für studentische Auslandsaufenthalte mit finanziellen Spritzen weiter. Womit wir beim fünften Schritt sind:

 

Schritt 5: Finanzierung


Leider wird das PJ in Deutschland nicht einheitlich entlohnt. Da das PJ als ein Teil des Medizinstudiums bewertet wird und nicht als Berufstätigkeit gilt, werden auf allen PJ-Ausbildungsplätzen in Deutschland gesetzlich keine höheren Vergütungen als maximal 597 Euro bewilligt. Im Ausland ist das durchaus anders: manch einer hat schon von einem guten Unterassistenten Gehalt in der Schweiz oder den Skandinavischen Ländern gehört. Es lohnt sich also, im Vorfeld zu recherchieren. Viele Kliniken in Deutschland bieten den Studenten Zusatzleistungen wie vergütete Nachtdienste, freies Essen in der Kantine oder Wohnraum an.
Nicht jedem Studierenden ist es möglich, das PJ in Vollzeit zu absolvieren. Hier hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, das PJ in Teilzeit (75% oder 50%) zu absolvieren.

 

Schritt 6: Bewerben


Entschieden und finanziell alles in „trockenen Tüchern“? Dann kann es (immer noch) nicht losgehen. Auf eine PJ Stelle muss man sich bewerben, sie wird nicht automatisch freigeschaltet wie man es vom Blockpraktikum aus dem Studium gewohnt ist. Ob du dich frühzeitig bewerben musst, hängt vom PJ-Wunschort ab. Generell gilt: je früher, desto besser – insbesondere, wenn du einen Auslandsaufenthalt (z.B. in Südafrika, Schweiz oder Nordamerika) planst. Es ist nicht unüblich, dass z.B. ein PJ Platz an einem Lehrkrankenhaus in Zürich für zwei Jahre im Voraus geblockt ist. Aber auch kurzfristig findet man noch Möglichkeiten (z.B. in der facebook Gruppe „PJ Schweiz – Wer Wann Wo?!“).


An feste Termine gebunden ist man, möchte man ein Tertial an einer der folgenden Universitäten absolvieren: Münster, Berlin, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Nürnberg, Jena, München (TU), Rostock, Würzburg, Göttingen und Halle-Wittenberg. Hier läuft die Bewerbung über das PJ Portal (www.pj-portal.de). Einmal registriert, wird man vom Studienkoordinator der Heimatfakultät bestätigt und kann Wünsche eintragen. In einer zugelosten Buchungszeit muss man seine Wünsche festlegen und bekommt, sofern freie Stellen verfügbar sind, eine positive Rückmeldung. Da im System keine Doppelbuchungen möglich sind, ändert es sich Tag für Tag. Das bedeutet: nicht verzweifeln! Sind beispielsweise heute keine freien Stellen im Wunschfach am Wunschkrankenhaus freigeschalten, kann es morgen (oder in einem halben Jahr) ganz anders aussehen.


Schritt 7: auf die Plätze, fertig, los!


Nach so viel Bürokratie hat (hoffentlich) jeder Student seine PJ Planung abgeschlossen und startet jeweils im Frühjahr oder Herbst in den letzten Abschnitt des Medizinstudiums. Wer an einem Lehrkrankenhaus einer deutschen Fakultät im PJ beschäftigt ist, bekommt meist ein Logbuch ausgehändigt. Dieses ist nicht nur (roter) Leitfaden für die (gleichermaßen unwissenden) Medizinstudenten und betreuenden (Assistenz)Ärzte, sondern auch Pflicht-Dokumentationsinstrument, um die Bescheinigung für das LPA ausgehändigt zu bekommen. Wer im Ausland ohne Betreuung startet, kann sich vielmals ein Logbuch der Heimuniversität aushändigen lassen. Wie in der Famulatur gilt: je nach Eigenengagement bekommt man Einblick und wird weitergebildet. Und je nach Engagement und beiderseitigem Interesse hat man noch vor Ablegen der dritten Prüfung möglicherweise einen Anstellungsvertrag  in der Tasche. Grundlage genug, entspannt auch noch die letzte Prüfung zu absolvieren 

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