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  • Ulrike Rostan
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  • 16.11.2007

PJ-Umfrage 2007: Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Knapp 600 Studenten und junge Ärzte gaben im Frühsommer 2007 ihre Meinung ab. Die Ergebisse der Umfrage liegen jetzt vor: Im Praktischen Jahr hat sich demnach seit 2005 kaum etwas geändert. Die neue Approbationsordnung und wie sie an den Unis umgesetzt wurde, wird teilweise als mangelhaft bewertet. Einig sind sich die Teilnehmer vor allem in einem Punkt: Der theoretische Teil der 2. Ärztlichen Prüfung sollte wieder vor dem Praktischen Jahr stattfinden. Fazit: wenig Veränderungen im deutschen PJ, mehr genervte Studenten

Grundlagen der Umfrage 

An der PJ-Umfrage 2007 haben 595 Studenten und frischapprobierte Ärzte teilgenommen. Davon waren 66 Prozent weiblich und 34 Prozent männlich. Drei Viertel der Teilnehmer befanden sich gerade im PJ. Von den PJlern befanden sich 20 Prozent im 1. Tertial, 18 Prozent im 2. Tertial, 62 Prozent im 3. Tertial. Ein Viertel hatte das PJ bereits beendet, davon arbeitete ein Drittel bereits als Assistenzärzte, zwei Drittel gab eine "sonstige Tätigkeit" an. Sie bereiteten sich entweder auf die zweite ärztliche Prüfung vor, befanden sich auf Stellensuche oder übten eine nichtärztliche Tätigkeit aus.

414 Teilnehmer haben also die gesamten drei Tertiale bewertet, 181 ein oder zwei Tertiale. Über 90 Prozent füllten den Onlinefragebogen aus, etwa 8 Prozent schickten den Papierfragebogen ein, der der Via medici 2/07 beigelegen hatte.

 

Hakenhalter mit steigender Tendenz

Der Eindruck, im Praktischen Jahr als billige Arbeitskraft eingesetzt zu werden, ist seit 2005 noch gestiegen. Hatten vor 2 Jahren im Fach Chirurgie innerhalb Deutschlands 65 Prozent von 332 Nennungen immer bzw. oft diesen Eindruck, sind es in dieser Umfrage 71 Prozent von 378 Nennungen.

Schaut man sich die Ergebnisse nur für die Universitätsklinika an, sieht es folgendermaßen aus:

Bei 102 bewerteten Tertialen in der Chirurgie (Uniklinik) hatten 78 Prozent der PJler immer oder oft den Eindruck, als Hiwi eingesetzt zu werden. Im Wahlfach waren es nur 25 Prozent, die diesen Eindruck hatten - bei 166 bewerteten Tertialen; in der Inneren Medizin immerhin auch noch 55 Prozent bei 110 bewerteten Tertialen.

 

Ein Teilnehmer: "Man fühlt sich hauptsächlich als billige Arbeitskraft. Es findet viel zu wenig Teaching statt. Für das, was man lernt im PJ, könnte man auch Blockpraktika von 2 Wochen pro Fach machen." Ein anderer meint: "Man ist billige Arbeitskraft für keinerlei Lohn, kein Essen, rein nichts für 10 Stunden schuften täglich. Nicht mal ein gute Ausbildung - als Mindestgegenleistung - gab es. [...] Zum Glück bieten umliegende Kliniken mitlerweile Geld für PJler. Bleibt zu hoffen, dass die Studenten abwandern und die Uni mal aufwacht. Die Schweiz war in jeder Hinsicht besser. Deshalb gehe ich nach dem Studium natürlich auch dort hin." Beide Kommentare sind nicht fachbezogen geäußert worden.

Und noch ein Kommentar dazu: "In meinem ersten Tertial habe ich dann genau das typische Klischee erlebt, Blut abnehmen, Akten kopieren, Arztbriefe durch die Gegend tragen. Man fragt sich dann selbst: 'Vielleicht habe ich zu viel erwartet? Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre!' Aber ich will ja was lernen! Ich fürchte, dass ich nach dem PJ und dem Examen - nach dem Abschluss eines 6-jährigen Studiums - eines Tages als Assistenzarzt auf Station stehe und sage: "Nun steh' ich hier, ich armer Tor, und bin so schlau wie ach zuvor!" Man sollte den Begriff des Lehrkrankenhauses sowieso überdenken, denn viel gelernt hat hier niemand, die chirurgischen PJler hatten noch nicht einmal die Möglichkeit, nähen zu lernen. Sollte nicht der Sinn des PJs in der Erlernung von basalen ärztlichen Tätigkeiten liegen?"

 

Weniger Tertiale im Ausland

Ein überraschendes Ergebnis dieser Umfrage ist, dass deutlich weniger Tertiale im Ausland absolviert wurden. Warum sich das verändert hat, lässt sich aus den Kommentaren und übrigen Zahlen der Umfrage nicht ablesen. Dass es sich nicht nur um einen Zufallsbefund handelt, kann im Augenblick nur vermutet werden. In den PJ-Umfragen 2004 und 2005 waren annähernd gleich viele Tertiale im Ausland abgeleistet worden.

 

Zu den Zahlen: 2005 sind in der Inneren Medizin 22 Prozent der Tertiale im Ausland absolviert worden, 2007 waren das nur noch 12 Prozent, davon 8 Prozent in der Schweiz.In der Chirurgie wurden 2005 38 Prozent der Tertiale im Ausland absolviert, davon 18 Prozent in der Schweiz. 2007 waren es noch 19 Prozent im Ausland, davon 10 in der Schweiz. Im Wahlfach ist dieselbe Tendenz zu beobachten, doch deutlich weniger ausgeprägt. Die finanzielle Vergütung im PJ war bisher und ist immer noch einer der Anreize, der die Studenten in die Schweiz gezogen hat. Vielleicht bleiben jetzt mehr PJler in Deutschland, weil es seit einem Jahr an manchen Kliniken auch ein monatliches Gehalt gibt. Doch diese Vermutung steht auf wackligen Füßen und muss sich in Folgeumfragen erst bestätigen.

 

Ergebnisse auf Deutschland bezogen

Das Fortbildungsangebot ist in der Inneren Medizin etwas schlechter geworden. 60 Prozent bewerten es als gut bis sehr gut, 2005 lag der Anteil bei 64 Prozent.

 

 

In der Chirurgie ist die Tendenz eher positiv: 41 Prozent bewerten in diesem Jahr das Fortbildungsangebot klinikübergreifend mit gut bis sehr gut, 2005 waren es 37 Prozent.

Schaut man sich die Wertungen für die Fortbildungsangebote nach Krankenhausart an und vergleicht Deutschland mit dem Ausland, gibt es folgende Ergebnisse:

 

 

Fortbildungen scheinen in der Schweiz auch nicht die größte Rolle zu spielen, hier kamen in der Chirurgie 36 Prozent auf gut bis sehr gut.

 

 

Im Wahlfach konnten die deutschen Kliniken die Schweizer Spitäler abhängen: 56 Prozent versus 42 Prozent der Studenten und Ärzte beurteilten das Fortbildungsangebot als gut bis sehr gut.

Doch Fortbildung ist bekanntlich nicht alles. Die Betreuung von ärztlicher Seite ist zur Vor-Umfrage annähernd gleich geblieben und ist im Wahlfach und fachübergreifend im Ausland immer etwas besser. Die meiste Zeit für die PJler hatten in allen Fächern die Weiterbildungsassistenten auf Station, wobei bemerkenswert ist, dass sich in den Wahltertialen deutlich mehr Fachärzte um die Studenten kümmern (22% Uni, 35% Lehrkrankenhaus) als in der Chirurgie (14% Uni, 21% Lehrkrankenhaus) und in der Inneren (14% Uni, 15% Lehrkrankenhaus).                                           

Gegenüber 2005 waren jetzt in der Chirurgie in den Lehrkrankenhäusern doppelt so viele Fachärzte in die Betreuung involviert. Dagegen haben sich die Oberärzte nahezu komplett herausgezogen. Sie sind in der Inneren, in der Chirurgie und im Wahlfach nur noch mit 1-2 Prozent der Nennungen vertreten. Das war 2005 noch anders: auf chirurgischen Stationen waren sie in 11 bis 12 Prozent der Fälle diejenigen mit der meisten Zeit für die PJler, im Wahlfach sogar bis 20 Prozent in den Lehrkrankenhäusern.

 

 

 

 

Der Lerneffekt nach dem PJ-Tertial ist gegenüber 2005 gleich geblieben und ist fachübergreifend und länderübergreifend im Wahlfach am besten. Sicher spielt die persönliche Motivation der Studenten dabei eine wichtige Rolle - doch nicht nur sie. In den Kategorien "Betreuung von ärztlicher Seite" schneidet das Wahlfach besser ab, mehr Fachärzte betreuen die Studenten und der Eindruck, als billige Arbeitskraft gebraucht zu werden, ist am geringsten.Entsprechend ist wie in den vergangenen Jahren nach dem Wahlfach die Motivation für den Arztberuf am höchsten. Sie liegt mit 7,6 auf einer Skala von 1 (völlig unmotiviert) bis 10 (absolut motiviert) sogar etwas höher als vor Beginn des PJs (7,3). Die Motivationswerte vor dem PJ, nach Innere und nach Chirurgie sowie nach dem PJ insgesamt sind alle um 0,2 Punkte (Chirurgie 0,3 Punkte) gegenüber 2005 abgefallen. Bei dieser Frage sind praktisch keine Unterschiede zwischen Lehrkrankenhäusern und Unikliniken zu verzeichnen. Im Vergleich der Tertiale in Deutschland sind die Motivationswerte nach den Auslandstertialen etwas höher. Nach dem Wahlfach fällt der Unterschied am geringsten aus, nach dem Chirurgie-Tertial mit einem Punkt auf der Zehnerskala am deutlichsten (Inland: 5,8, Ausland: 6,8).

 

 

 Vergünstigungen: von Anerkennung kaum eine Spur

Von 2.822 bewerteten Tertialen wurden 228 finanziell entlohnt. Fächerübergreifend gab es für ein bezahltes PJ-Tertial in Deutschland im Schnitt 216 €, im Ausland 606 €. In 799 Tertialen gab es ein kostenloses Essen - das sind sage und schreibe 28 Prozent der Tertiale. Zählt man hier die bezahlten PJ-Abschnitte noch hinzu, dann gab es für 63 Prozent der Tertiale kein kostenloses Essen und kein Geld. Anscheinend leben PJ-Studenten wie schon vor 20 Jahren von Luft und Liebe, von Erspartem oder von Mamas Geldbeutel.

 

 

 Immerhin konnten 224 Studenten in einem ihrer Tertiale ein kostenloses Zimmer bewohnen, 78 erhielten in einem Fach einen Fahrtkostenzuschuss. In 786 Tertialen gab es einen Studientag.

 

 

 

Sprung ins kalte Wasser?

Insgesamt fühlten sich 4 Prozent sehr gut und 33 Prozent gut in ihren theoretischen Kenntnissen auf das PJ vorbereitet. Bezüglich den praktischen Fertigkeiten fühlten sich 3 Prozent sehr gut und 19 Prozent gut vorbereitet. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich 63 Prozent in ihrem theoretischen Wissen und 78 Prozent in ihren praktischen Fertigkeiten mäßig bis schlecht vorbereitet fühlten.

 

Bemerkenswert ist dieses Ergebnis: 87 Teilnehmer der Umfrage haben nach alter AO studiert und größtenteils auch das alte 2. Staatsexamen abgelegt. Sie fühlten sich hinsichtlich ihrer theoretischen Kenntnisse zu 15 Prozent sehr gut und zu 53 Prozent gut vorbereitet! Für Studierende nach der neuen AO traf dies nur für 2 Prozent (sehr gut) bzw. 30 Prozent (gut) zu.

 

Hinsichtlich der praktischen Fertigkeiten schnitt die neue AO etwas besser ab, doch nicht so deutlich, wie zu erwarten gewesen wäre: 23 Prozent der Studierenden nach neuer AO bewerteten ihre praktischen Fertigkeiten mit sehr gut bis gut, nach alter AO waren es 16 Prozent.

 

In den zahlreichen Kommentaren wird auch schnell klar, warum dieses Ergebnis nicht besser ausfällt. Die Studenten stellen ihren Unis für die Umsetzung der neuen AO schlechte Noten aus. In den überwiegend negativen Kommentaren heißt es mehrmals, dass die Querschnittsfächer und Randfächer wie Soziologie im Verhältnis zu viel Gewicht erhalten haben, auf Kosten der großen Fächer wie Chirurgie und Innere. Einer gab an, Innere Medizin zuletzt im 7. Semester gehabt zu haben. Wenig verwunderlich, dass sich die Stationsärzte über den schlechten medizinischen Kenntnisstand der PJler beschweren.  

• "Von der Umsetzung der neuen AO habe ich lediglich die vermehrte Anzahl neuer lästiger, leider auch noch sehr aufwendiger Zusatzfächer bemerkt. Es handelt sich dabei um Fächer wie Q3 oder Q12 und andere blöde Q-Fächer. Vom wöchentlichen Zeitaufwand her hatten sie plötzlich manchmal sogar einen höheren Stellenwert als Innere. Das darf nicht sein. Gerne kann man so ein Fach als Kurzseminar über zwei Tage anbieten. Aber nicht 10-12 Wochen je eineinhalb Stunden absitzen - das wird dem Stoff nicht gerecht!"  

• "In der Uni hat man von der Umsetzung der neuen AO bisher nur gemerkt, dass alles chaotischer geworden ist und dass mehr Fächer dazugekommen sind, denen im Verhältnis zu den großen Fächern wie Innere, etc. eine den Zeitaufwand betreffend viel zu große Bedeutung beigemessen wird. Dies raubt kontraproduktiv Zeit für Angebote zum Erlernen praktischer Fähigkeiten. Nur weil etwas Praktikum heißt, ist es noch lang nicht praktisch, lernt man hier."  

• "Es werden fast nur noch praktische Fähigkeiten vermittelt, die Theorie muss man sich eigenständig aneignen. Sehr lobenswert sind die Bemühungen, die Gruppen klein zu halten, mir persönlich aber wären manchmal größere Gruppen (vor allem in Seminaren) lieber, wenn dafür mehr Wissen vermittelt würde."  

"An den Kliniken weiß kein Mensch von der neuen AO und dass wir überhaupt kein Examen nach dem Physikum mehr hatten. Da wird man oft mit Fragen bombardiert, nach dem Motto: "Sie haben doch grad erst Examen gemacht, Sie müssen das doch noch wissen!" Schön blöd, wenn der letzte PJler vor einem das wirklich noch konnte. Mir fehlt wirklich viel Theorie, obwohl ich für alle Klausuren immer gut gelernt habe! Und jetzt nach dem PJ noch einmal ein halbes Jahr aus der Praxis raus zu müssen um zu lernen find ich auch kontraproduktiv!"  

• "Die neue AO ist was sie ist - nur ein neuer Anstrich, der an den Grundproblemen des Medizinstudiums in Deutschland nichts ändert."

Es gibt auch positive Kommentare - jedoch weitaus weniger:  

• "Neue AO: ist alles halb so schlimm geworden! Als Assistenzarzt profitiere ich davon, so kurz vor dem Berufsstart noch mal die ganze Theorie fürs Hammerexamen durchgepaukt zu haben."  

• "Die neue AO wird in Essen sehr gut umgesetzt, für die Tatsache, dass das Examen erst nach dem PJ stattfindet, kann die Uni ja nix."  

• "Habe in der Halberstadt das Vergnügen gehabt mit einer neuen Assistenzärztin zusammen arbeiten zu dürfen, die in Berlin den Reformstudiengang absolviert hat - sie war meiner Ansicht nach wesentlich mehr praktisch orientiert ausgebildet worden und konnte das auch sehr gut weiter vermitteln! So viel zur neuen AO."

 

Votum für Staatsexamen vor dem PJ

Die markanteste Aussage der Umfrage bezieht sich auf das Hammerexamen: 555 Teilnehmer würden den theoretischen Teil der ärztlichen Prüfung vor dem Praktischen Jahr stattfinden lassen. In vielen Kommentaren wurde dieser Sachverhalt noch einmal bekräftigt und erläutert. 38 Teilnehmer finden es gut so, wie es ist.

 

179 wollen ein Freisemester nach dem PJ nehmen oder haben eines genommen, um sich auf das Examen vorzubereiten, 330 nicht und 78 wissen das noch nicht. Manche können auch kein Freisemester nehmen, weil die Uni das nicht zulässt (z.B. Hamburg). Bemängelt wird auch der kurze Zeitabschnitt zwischen Ende des PJs und der 2. Ärztlichen Prüfung. 2 Monate sind vielen zu kurz, 8 Monate mit einem Freisemester zu lang.

Von 595 Teilnehmern haben 224 einen Kommentar abgegeben, teilweise sehr ausführlich. Die negativen und fast wütenden Anmerkungen überwiegen deutlich. Die Medizinistudenten in diesem Zusammenhang als notorische Nörgler abzutun, wäre jedoch zu kurz gegriffen. Denn schaut man sich die Kommentare aus dem Jahr 2005 an - damals wurden bei etwas über 700 Teilnehmern 158 Kommentare verfasst - zeigt sich ein anderes Bild. Es wurde zwar auch über eine schlechte PJ-Ausbildung und den Missbrauch als billige Arbeitskraft geschrieben, doch insgesamt waren die Kommentare ausgewogener und weniger negativ wie 2007. In diesem Jahr betrifft es vor allem die neue AO, die als noch sehr unausgegoren angesehen wird - einzelne Unis werden auch abgewatscht - und das fehlende theoretische Examen vor dem PJ. Auch die geringe Motivation der meist überarbeiteten Assistenzärzte, Studentenunterricht abzuhalten, wird oft angesprochen.

Einige ausgewählte Kommentare:  

• "Wir waren im PJ sehr schlecht vorbereitet, hatten immer weniger Ahnung als die PJler, die gleichzeitig da waren und nach alter AO studiert hatten. Das ist auch sämtlichen Ärzten aufgefallen, die unseren Wissenstand erschreckend fanden! Gott sei Dank hatte ich dadurch nie einen Nachteil, was die Behandlung durch die Ärzte anging, persönlich natürlich schon. Erst beim Lernen fürs Examen sind mir so viele Sachverhalte klar geworden, erst am Schreibtisch habe ich verstanden, warum man dieses oder jenes tut. Hätte ich vor dem PJ gelernt, hätte ich im Stationalltag sicherlich mehr mitgenommen, denn man sieht nur was man kennt, ich wäre eine größere Hilfe gewesen und der Stoff hätte sich durch nochmaliges Lernen im PJ und zur Vorbereitung aufs mündliche Examen mehr gefestigt. Ich habe das Examen jetzt auch so und ohne zusätzliches Freisemester gut bestanden, aber ich fühle mich auf meinen bevorstehenden Job sehr schlecht vorbereitet."  

• "Schriftliches Examen vor dem PJ! Ich bin mit dem Wissen von Umweltmedizin (letzte Klausur vor dem PJ) in mein erstes Tertial gestartet, da kommt man nicht weit! Und Zeit, sich auf den Klinikalltag einzustellen bleibt ja auch nicht, denn die Klausuren liegen 1 Woche vor Beginn des PJ-Tertials."  

• "Insgesamt ist es bedauerlich, dass es so gut wie keine Regelungen zum PJ in Hamburg gibt, besonders seit der neuen AO: keine Arbeitszeitregelungen bei enorm angestiegener Lernzeit, kein fester Studientag, schlechter Informationsstand bei den Ärzten über die neue AO, auch am Uniklinikum, womit die Erwartungshaltung an die "ungebildeteren" neuen AOler (eben ohne vorher absolviertes Examen und frisches Theoriewissen) teilweise zu hoch ist, oft kaum PJ-Unterricht aus Zeit- oder Personalmangel, zu wenig praktische Erfahrung und häufiger Einsatz der PJler als billige Arbeitskraft, Kontakt zum Pflegepersonal oft schwierig, da Aufgabenbereich und Kompetenzen nicht klar sind."  

• "Die Reform der AO ist an sich ja nicht schlecht, aber der theoretische Teil sollte vor dem PJ geprüft werden. So wurden wir im PJ als schlecht ausgebildet betrachtet und gelten gegen Ende, da wir anfangen zu lernen, als unmotiviert. Dazu müssen wir uns nun mit dem Physikumszeugnis bewerben, was bei den meisten Chefs auf Unverständnis trifft."  

• "Der Unterschied zwischen alten und neuen AO-lern scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht ersichtlich. Fähigkeiten in Blutabnehmen und Hakenhalten wurden sicherlich nicht durch das 2. Staatsexamen verbessert. Aber sobald man im OP steht und der Oberarzt anfängt zu fragen, zeigen sich doch klaffende Lücken bei den 'Neuen'. Es fiel mir vor allem bei folgenden Fächern auf: Pharma, Röntgen oder bei den simpelsten Krankheitsbildern. Weiterhin war es ziemlich deutlich, dass die Ärzte, die sich anfangs noch bemühten etwas zu erklären, bald aufgaben, da häufig die Grundlagen nicht vorhanden waren."

Noch einige der wenigen positiven Meldungen zum Schluss:  

• "Besonders lobend zu erwähnen ist am Städtischen Klinikum Karlsruhe der PJ-Unterricht. Es finden fast jeden Tag Seminare und Lehrvistiten in vielen verschiedenen Fachbereichen statt!"  

• "Da wir die ersten waren, die nach Überschreiten des Physikumtermins nach neuer AO begonnen haben, ging es bei uns recht chaotisch zu. Dennoch war unser Studiendekan immer offen für Fragen und Anregungen!"  

• "Ich war an einem peripheren Haus, dort wussten einige der Ärzte gar nicht, dass es eine neue AO gibt, bzw. wie diese aussieht. Insgesamt wurde ich aber sehr gut auf meine Zeit als Assistenzärztin vorbereitet. Wenn man Interesse zeigt, motiviert ist und auch Blutabnehmen und Viggos legen als eine Vorbereitung auf die ärztliche Tätigkeit sieht, kann man auch aus einem rein "inländischen" PJ viel mitnehmen und erfährt viel Wohlwollen und Entgegenkommen."  

• "Mein Fazit: Nach allem, was man schon schlechtes über das PJ gehört hat, war ich doch sehr positiv überrascht. Mir hat mein PJ in allen drei Tertialen richtig gut gefallen, obwohl ich in Deutschland geblieben und nicht ins Ausland gegangen bin."

 

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