• Kommentar
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  • Daniel Stein
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  • 17.10.2018

Bin ich gut genug?

Jeden Medizinstudenten plagen manchmal Selbstzweifel. Dies ist aber noch lange kein Grund vorzeitig aufzugeben, weiß Daniel.

 

“Bin ich überhaupt gut genug um Medizin zu studieren?” ist eine der häufigsten Fragen, die ich von Medizinstudenten zu hören bekomme – und meiner Meinung nach sogar zurecht. 

Das Medizinstudium zählt zu den schwierigsten Studiengängen und hat eine hohe Durchfallquote. Der soziale Druck von Verwandten und Freunden, das Studium erfolgreich abzuschließen, ist damit sehr hoch, ähnlich wie die Angst vor dem persönlichen Versagen. Es wird suggeriert, dass nur ein Schnitt von 1,0 ausreichend ist, um der Medizin gewachsen zu sein.

 

Auch mich überkamen Selbstzweifel

Bin ich gebildet und klug genug, um ein Doktor zu sein? Was ist, wenn ich eine Prüfung mal nicht bestehe? Und darf man überhaupt Fehler machen? Als ich im dritten Jahr Studenten in Physiologie an meiner Universität unterrichtete, kamen viele von ihnen unter Tränen auf mich zu, um nach Rat zu fragen. Sie haben Probleme, Konzepte zu verstehen, und wissen nicht, ob sie gut genug seien, die anstehenden Prüfungen zu bestehen. Es sei einfach zu viel.
Sicherlich ist es für Erstis nicht einfach, jeden Tag Vorlesungen und Seminare zu besuchen, nach dem Unterricht noch zu lernen und vielleicht nebenbei auch noch zu arbeiten oder Freunde zu treffen. Trotzalledem gebe ich den Studenten immer dieselbe Antwort: Ja. Du bist gut genug um Medizin zu studieren.

 

Lasse dein Feuer brennen

Leider habe ich nur wenige Momente, in denen ich die Studenten wirklich erreichen kann. Darum wünsche ich mir, dass jeder Medizinstudent dies liest: Es spielt keine Rolle welchen NC du hattest und welche Umwege du gemacht hast, um Medizin zu studieren. Das Einzige, was du brauchst ist Hartnäckigkeit und Begeisterung. Das Feuer, dass dich antreibt, um dein Studium zu beenden.

Wir haben alle mal etwas nicht verstanden, gezweifelt und unsere Entscheidungen hinterfragt. Genau aus diesem Grund musst du immer das Beste aus deiner Situation machen. Als ich in meinem ersten Jahr war, habe ich jeden Tag bis in die Nacht gelernt und kaum geschlafen. Bis ich irgendwann gelernt habe, wie wichtig Pausen sind, genauso wie Schlaf und Freunde treffen. Als ich Histologie beim ersten Mal nicht bestand, habe ich mich so sehr mit dem Fach beschäftigt, dass ich am Ende mehr wusste als meine Kommilitonen und mich bis heute noch an viele Einzelheiten erinnere, was mir in den folgenden Jahren sehr geholfen hat.

 

Sei egoistisch

Ab einen bestimmten Punkt wirst du verstehen, dass jedes Problem bewältigbar ist, solange du dich nicht davon zurückschrecken lässt und aufgibst. Dabei ist deine Gesundheit am allerwichtigsten. Du brauchst mehr Zeit, um dein Studium abzuschließen? Dann nimm sie dir. Viele Ärzte haben ihr Medizinstudium sehr spät abgeschlossen, oder aufgrund von privaten Gründen pausiert. Du lernst zu viel und nichts geht mehr in deinen Kopf? Such dir neue Lernstrategien, die dir helfen, effizienter zu lernen und mache größere Pausen, in denen du dich mit Freunden triffst.

 

Sei begeistert

Was auch immer du machst, sei einfach offen und ehrlich mit dir selbst und steh zu deinen Entscheidungen. Verliere nicht das Feuer, dass dich antreibt, denn es gibt so viel, dass man an der Medizin lieben kann. Arbeite im Gesundheitswesen. Engagiere dich extrakurrikulär. Irgendwann wirst du etwas finden, dass dich motiviert dein Studium zu beenden, selbst wenn es mal wieder härter wird.
Und du musst nicht so klug sein wie der eine Student, der immer in jeder Vorlesung in der ersten Reihe sitzt und alle Antworten zu jeder Frage kennt. Du musst mit dir selbst zufrieden sein, selbst wenn das heißt, deine eigenen Erwartungen zu senken.

 

Sei neugierig

Im Krankenhaus wirst du viele Doktoren treffen, die dir entweder das Gefühl geben unerwünscht zu sein, oder dich und deine Fähigkeiten fördern. Ehrlich gesagt, bevorzuge ich die, die mich kritisiert haben für jeden Fehler, den ich gemacht habe, da ich dann die Chance hatte, ihn zu verbessern. Am Ende bist du Arzt, und was auch immer du währned deines Studiums lernst, kann dir keiner nehmen. Das Studium ist dazu gedacht, Fehler zu machen. Bleib neugierig und höflich, unabhängig davon, wie mit dir umgegangen wird! Es wird sich auszahlen!

 

Pflege deine Kontakte

Vergiss niemals Familie und Freunde. Jeder braucht sie, daher solltest du deine Beziehungen pflegen. Wann auch immer du Probleme hast, sie werden für dich da sein und dir zuhören, aber dich auch vom täglichen Universitätsstress ablenken. Wir alle brauchen mal eine Pause von der Medizin, einen Zufluchtsort, an dem wir uns besinnen können, warum wir gut genug für Medizin sind, und warum wir nicht an uns selbst zweifeln sollten. Es wird nicht nur dir helfen, aber auch deinen zukünftigen Patienten.

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