• Tortora, G.J.; Derrickson, B.H.
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  • Wiley-VCH Verlag GmbH
Erscheinungstermin: 20.09.2006 EUR [D] 39,95 Anatomie und Physiologie

Anatomie und Physiologie

Rezension von Arne Conrad, 4. Semester, Uni Halle-Wittenberg

Kurzbeschreibung

Der Tortora und Derrickson ist ein Werk, das versucht, die beiden Disziplinen Anatomie und Physiologie in „Homöostase“ zu bringen. Diese Homöostase und deren mannigfaltige Störungen sind das Charakter-stiftende Konzept. Wie nicht anders zu erwarten, kann auch ein so umfangreiches Werk (1438 Seiten!!!) nicht uneingeschränkt mit den Standardwerken der einzelnen Fächer mithalten. Das didaktische Konzept und die Integration von Struktur und Funktion sind meiner Meinung nach jedoch einmalig.

 

Zielgruppe

Für ärztliche Assistenzberufe ist das Buch sicherlich zu ausführlich und für Medizinstudenten an manchen Stellen (z.B. Niere) nicht detailliert genug. Wer eine didaktisch erstklassige Zusammenfassung des Wesentlichen sucht und Zeit mitbringt, der wird am Tortora und Derrickson viel Freude haben.

 

Inhalt

Alle Themengebiete der beiden Fächer sind abgedeckt. Schwächen sind im Bereich der Histologie und der Nierenphysiologie zu verzeichnen. Bei letzterer fehlen z.B. einfach ausführliche Betrachtungen der einzelnen Transportsysteme im Tubulusapparat und insbesondere die Interaktionen mit den beteiligten Hormonen.

Die wahren Stärken des „Tortora“ werden z.B. im Kapitel „Respiratorisches System“ deutlich, wo jede Struktur einer Funktion zugeordnet wird und damit eine wirkliche Synopsis entsteht, die mir bisher nur in handverlesenen Vorlesungen begegnet ist.

Das Buch wird nicht ausreichen, um alle Details, die z.B. in der 1. ÄP verlangt werden, zu erlernen, aber es kann ein Gesamtverständnis vermitteln, das sonst eher auf der Strecke bleibt.

Die Abbildungen sind durchweg von überragender Qualität. Sowohl gestalterisch als auch didaktisch. Wer vom Prometheus verwöhnt ist, wird bei den Abbildungen des Bewegungsapparates enttäuscht sein, dafür in anderen Bereichen versöhnt werden (z.B. ZNS).

 

Didaktik

Das didaktische Konzept der Autoren ist außergewöhnlich und überwiegt die gelegentliche inhaltliche Unvollständigkeit.

Am Anfang jeden Abschnitts werden farblich abgesetzt die Lernziele formuliert. Die fachlichen Inhalte sind mit erkennbar abgesetzten Fallbeispielen aus dem klinischen Alltag illustriert. Zu jeder Abbildung wird ein Schlüsselkonzept formuliert und eine Frage gestellt; zum Ende eines Abschnitts dienen zwei oder drei Fragen der Lernerfolgskontrolle. Am Schluss jedes Kapitels findet sich eine Zusammenfassung und die Inhalte können mit Zuordnungs- und Wiederholungsfragen zur Selbstkontrolle wiederholt werden.

Bemerkenswert ist die Erläuterung, welchen Beitrag das besprochene System (z.B. Respirationssystem) zur Erhaltung der Homöostase unseres Körpers leistet. Daran anschließend werden Störungen des Gleichgewichts mit großer oder aktueller klinischer Relevanz kurz erörtert (z.B. COPD, Asthma, SARS und plötzlicher Kindstod beim Atmungssystem).

 

Aufbau

Das Buch verfolgt eine klare Fünf-Teilung, die alle Bereiche der Anatomie und Physiologie abdeckt:

  • 1. Aufbau des Körpers (vom Atom bis zur Histologie)
  • 2. Stütz- und Bewegungsapparat (Muskeln, Knochen und Gelenke)
  • 3. Steuerung des Körpers (Neuroanatomie und –Physiologie inkl. Endokrines System)
  • 4. Versorgung des Körpers (Herz-Kreislaufsystem und Blut, Atmung, Lymphsystem, Ernährung, Stoffwechsel, Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Harnsystem)
  • 5. Fortpflanzung, Embryologie und Vererbung

An dieser Stelle muss das umfangreiche und verständliche Glossar lobend erwähnt werden, das manch anderem einschlägigem Werk fehlt.

 

Relevanz für die örtliche Uni

Soweit ich weiß, findet man den Tortora und Derrickson auf keiner Literaturliste unserer Institute. Ich benutze das Buch zur allgemeinen Vorbereitung auf die Abtestate unserer Physiologie-Praktika.

 

Preis

Das Buch kostet im Handel 39,95 €, was für Umfang und Didaktik angemessen ist.

Fazit

Das Buch ist eine wunderbare Synthese aus Anatomie und Physiologie zu einer Ganzheit, die in manchen Facetten unvollendet bleibt. An vielen Stellen ergänzen sich die beiden Disziplinen jedoch glänzend, was in Verbindung mit dem didaktischen Konzept eine gelungene Komposition ergibt. Auf gar keinen Fall muss sich der Tortora und Derrickson hinter dem „Schwegler“ oder dem „Faller“ verstecken. Auch das Buch von Thews, Vaupel und Mutschler bleibt dahinter zurück. Einziger Wermutstropfen: Für Medizinstudenten geht der Inhalt an mancher Stelle nicht tief genug – deshalb 1 Punkt Abzug.

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