Chemie - Das Basiswissen der Chemie 9783134843125
  • Mortimer, Charles E.
  • |
  • Thieme
Erscheinungstermin: 21.10.2015 EUR [D] 64,99 | 12. Auflage Chemie - das Basiswissen der Chemie

Chemie – Das Basiswissen der Chemie

Rezension von Konstantin Folkert, Universität Mainz im 10. Semester.

Wozu benutzt du das Buch?

Grundlegendes Studium.

Entspricht das Buch deinen Erwartungen?

Es ist wie es ist, im deutschen Schulsystem kann man gut und gerne hervorragend abschneiden, ohne wirklich irgendetwas in Chemie verstanden zu haben. Nun ist man im Medizinstudium angelangt und möchte gerne nicht nur die Fakten krampfhaft auswendig lernen, sondern den Stoff auch verstehen. Da mich Chemie interessiert hat, war ich besonders promiskuitiv und hatte sie im ersten Semester alle, den Mortimer jedoch wegen seiner Prägnanz und lückenloser Erklärungen besonders liebgewonnen.

Daran hat sich auch in der mittlerweile 12. Auflage nichts geändert, wobei die wichtigste Änderung in der letzten Auflage die Anpassung an die neue Gefahrstoffverordnung im Anhang ist. Im Vergleich zu den kleineren Vorauflagen ist das Buch im DIN A4-Format, was meinen gigantischen Pranken eher zusagt als das Handtaschenformat. Dadurch kommt auch das ausklappbare PSE im Anhang sehr gut zur Geltung. Genug Platz vorausgesetzt kann man damit super arbeiten. Ebenfalls schön ist der sehr breite Seitenrand (der mich an die Duale Reihe erinnert), in dem neben Anmerkungen und zahlreichen Strukturformeln auch genug Platz für Anmerkungen und thematisch unabhängige Kritzeleien ist. Das kleine herausnehmbare PSE mit häufig verwendeten Formeln wäre etwas nettes für das Chemie-Praktikum gewesen.

Die Sprache ist präzise und ohne viele Schnörkel, man darf keine lustigen Merksprüche oder ähnliches erwarten. Die Erklärungen sind jedoch stets nachvollziehbar und bringen den Sachverhalt auf den Punkt. Man sollte um überall durchzusteigen jedoch nicht ganz abgeneigt gegenüber der Mathematik sein, denn im Gegensatz zu manch anderem Chemiebuch für Mediziner sind Formeln hier keine aussterbende Spezies. Positiv sind auch die zahlreichen Übungsaufgaben zu bewerten. Wenn man Lösungswege braucht, findet man sie im Netz, was eine Strategie ist, die immerhin Papier spart. Hin und wieder hätte ich mir eine Kompromisslösung bei den schwierigeren Aufgaben gewünscht!

Für Chemiker kann ich nur aus dem Freundeskreis sprechen, die den Mortimer sehr als Einstiegslektüre schätzten und zum Teil schon im LK benutzt haben. Allerdings braucht man für die die einzelnen Veranstaltungen in Allgemeiner, Anorganischer, Organischer und Physikalischer Chemie einfach detailliertere Bücher.

Findest du den Preis angemessen?

Im Vergleich mit den Alternativen ist der Mortimer das teuerste Buch für Chemie, was man als Mediziner sinnvollerweise benutzen kann. Der Zeeck vom Elsevier Verlag ist fast halb so teuer, kommt in den neueren Auflagen allerdings ohne einen Übungsteil, den man separat erwerben darf. Der dickere Schmuck vom Pearson Verlag wird seit 2008 nicht mehr aufgelegt und scheint sich keinen großen Marktanteil gesichert zu haben. Lohnt sich nun die Anschaffung eines Mortimers, der mit 65 € zur Buche schlägt? Ich persönlich finde den Preis grenzwertig hoch, wenn man bedenkt, dass man für 10 € mehr die Duale Reihe Innere Medizin bekommt. Seltsamer Vergleich, aber davon leben ja Laien-Rezensionen von Menschen, die keine Ahnung von Verkaufspreisgestaltung in der Fachbuchbranche haben.

Zum Inhalt


Ist der Inhalt dieses Buches für dich ausreichend oder hast du mehr Ausführlichkeit erwartet?

Was die Grundlagen der Anorganik und Organik betrifft, bietet der Mortimer viel mehr, als ich im Studium gebraucht hätte, um die Klausuren super zu bestehen. Der Überschuss bleibt wohl dann als Allgemeinbildung. Ein leider sehr unterschätztes Gut im Medizinstudium, in dem sehr oft die Formel Leistung = Arbeit / Zeit gilt. Das Buch ist im Gegensatz zu etwaigen Konkurrenzprodukten nicht speziell auf Mediziner ausgerichtet, und dementsprechend fehlen mehr oder minder hilfreiche "klinische" Bezüge, dafür gibts mehr technische Exkursionen und Infos über biologisch weniger relevante Elemente. Die eine oder andere Strukturformel von bekannten Medikamenten (z. B. Paracetamol, wenn man über Aminophenole schreibt) würde dennoch nicht schaden, und wäre auch für jedes andere Fach mal interessant.

Sagen dir die Gliederung und das Layout zu? Helfen sie dir den Überblicke zu behalten?

Absolut, das große Format liegt gut in der Hand, jedes Kapitel beginnt mit einer Aufzählung wichtiger Begriffe, die man als Wiederholung benutzen kann und auch die Strukturformeln und Reaktionsgleichungen sind am Rand sehr gut untergebracht, wo sie nicht den Lesefluss stören. Obwohl ich nicht alles für das Studium gebraucht habe, konnte ich bei Bedarf anhand der Kapitel gut die wesentlichen Inhalte herausfiltern.

Findest du das Titelbild dem Thema entsprechend? Was wäre das perfekte Titelbild?

Das perfekte Titelbild wäre eine Szene aus Breaking Bad, in der die Protagonisten der Serie gerade Metamphetamin synthetisieren. Wahrscheinlich sind die Rechte dafür jedoch teuer, von daher muss man sich mit dem vorhandenen Titelbild begnügen, welches auch schön ist. Mit Kugel-Stab-Modellen kann man nie etwas falsch machen.

Ist das Buch für dich in dieser Form verständlich? Machen die Bilder in Zusammenhang mit den Texten Sinn und hilft dir dies beim Verstehen und Nachvollziehen?

Ich lerne sehr gerne mit Graphen und Schemata, die ich in dem Buch hervorragend finde (Bsp. Molekularorbital-Theorie, da hat es echt klick gemacht). Auch schön finde ich, dass immer auf die Geschichte der Chemie mit passenden Portraits der Riesen, auf deren Schultern die Wissenschaft steht, eingegangen wird.

Was gefällt dir besonders gut an diesem Buch?

Die wertige und schöne Aufmachung, präzise Erklärungen und schöne Abbildungen. Ich hatte viele Aha-Momente mit dem Buch und viel Spaß beim Lernen. Es macht außerdem den Eindruck, seriöser zu sein als die Alternativen für Chemie für Mediziner.

Was könnte man an diesem Buch noch besser machen?

Ich denke, dass der Mortimer nach so vielen Auflagen mittlerweile sehr ausgereift ist. Falls Mediziner mehr als Zielgruppe in Betracht ins Visier genommen werden sollen könnten noch mehr Bezüge zur Medizin und Medizintechnik eingebracht werden. Ich denke nicht, dass Studierende anderer Fachrichtungen dies als störend empfinden würden. Merksprüche und ähnliches ließen sich auf den breiten Seitenrändern ebenfalls unterbringen, z.B. an "ox and red cat" für die Definition für Anode und Kathode usw. Studenten lieben Merksprüche.

Sind dir noch Fehler aufgefallen? Wenn ja, welche?

Wie in der Einleitung der 12. Auflage steht, wurden zahlreiche Fehler korrigiert, sodass ich zumindest auf dem ersten Blick nichts gravierend falsches gefunden habe.

Bist du mit der Bilderqualität zufrieden?

Ich kann mich nicht beschweren.

Dies und Das

Was verbindest du mit Thieme in zwei Sätzen?

1. Irgendwo schrieb ein nun Arbeitsloser in einer Mail, dass MIAMED kaum Marktanteile abzwacken könnte...
2. Prometheus ist ein wirklich sehr schöner Atlas und metastasiert in jedes andere blau-blau-weiße Buch.

Welche Produkte fehlen dir noch bei Thieme?

Ein kleines, aber feines Buch über Zahnmedizin für Humanmediziner (gerichtet an den Haus-/Kinderarzt bzw. den interessierten Mediziner, der berufpolitisch motivierte Informationsassymetrien nicht gut findet).

Und zu guter Letzt

Was fehlt dir noch auf unserer Facebook-Seite? Hast du einen besonderen Wunsch?

Ich besuche kaum die Facebook-Seite per se, freue mich aber über Artikel und Rezensionen durch das Abonement :-)

Möchtest du uns sonst noch etwas mitteilen? Dann ist hier Platz dafür :)

Vielen Dank, dass ich ein klassisches und schönes Buch rezensieren durfte, ich verbinde damit tatsächlich die schönste Zeit im Studium, in der man noch so jung und unbekümmert war. Es wird mir auch weiterhin nützlich sein!

 

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