Das Herz der Dings
  • Bernhard Horwatitsch
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  • Mabuse Verlag
Erscheinungstermin: 07.10.2013 EUR [D] 16,90 Das Herz der Dings

Das Herz der Dings

Rezension von Lena Schulze, Stuttgart

Kurzbeschreibung:

Bernhard Horwatitsch beschreibt Menschen mit Demenz, die er im Rahmen einer ambulanten Pflege betreut. Jeder seiner zehn Patienten wird in ein bis vier Geschichten beschrieben. Dabei bekommt der Leser einen Einblick in das Leben des Pflegers und der Dementen. Der Erzähler porträtiert behutsam etwas "wunderliche" Menschen die trotz ihrer Krankheit zu Hause wohnen und mit ihren Ängsten und ihrer Vergesslichkeit leben. Auf knapp 150 Seiten bekommt der Leser einen reellen Einblick in die Gedankenwelt der Menschen mit Demenz.

 

Zielgruppe:

Das Buch ist für jeden bestimmt, der sich für die Demenzerkrankung interessiert. Sowohl für Laien, deren Angehörige eventuell betroffen sind, als auch für Pflegepersonal, dessen tägliche Arbeit im Umgang mit Dementen besteht. Oder auch für Ärzte, die sich mit der Krankheit befassen. Es ist kein Lehrbuch, das versucht den Umgang mit Dementen zu erleichtern oder Anleitungen zu geben. Es ist auch kein Wohlfühl-Roman, den man nebenher zur eigenen Belustigung liest. Es sind sehr einfühlsame Geschichten und Erzählungen über das Leben mit Demenz.  

 

Inhalt:

Der Pfleger Bernhard Horwatitsch erzählt vom Alltag mit der Demenz. Oft sind die Geschichten der Patienten geprägt von Einsamkeit. Die Beschreibungen sind manchmal bitter und tragisch, trocken und wenig humorvoll erläutert. Demenz lässt den Menschen verblassen, sie nimmt ihm die Persönlichkeit, den Charakter und die Erinnerung. Die Fälle bringen einem wirklich zum Nachdenken, auch wenn manche der Geschichten auf den ersten Blick lustig erscheinen.

Frau Grummel erscheint der Heilige Geist in Form einer Kakerlake. Herr Bauer hat gemeinsam mit seiner kranken Frau den Tod des geistig behinderten Sohns zu verkraften. Frau Schwan ist die Welt außerhalb ihrer Wohnung fremd geworden und kennt sie nur noch durch das Fenster. Frau Gustav ist eine Frohnatur, die zwar keine Angst vorm Sterben hat, aber davor „einfach nicht mehr da zu sein“.

Als Leser merkt man, dass nicht nur die Kranken gute oder schlechte Tage haben, sondern auch das Pflegepersonal. Der Autor ist mal einfühlsam und man merkt, dass ihm die Menschen besonders am Herzen liegen. An anderen Stellen ist er strenger und ungeduldiger. Mit seinen Pateinten geht der Pfleger manchmal um wie mit einem Kind, dem er versucht die Welt zu erklären. So zum Beispiel bei Frau Gustav: Die Dame hat ein schlechtes Gewissen, weil ihre Wohnung nicht aufgeräumt ist. Um sie zu beruhigen erklärt er ihr, dass er natürlich wisse, dass sie eine ordentliche Frau sei, und dass es Trolle sind, die in ihrer Wohnung Chaos verbreiten.

Manche Kapitel beginnen mit einem lehrreichen Zitat. Andere enthalten spannende Fakten über das Gesundheitswesen, Demenz, Arbeitsweisen von Ärzten oder Bürokraten, über die sich der Autor seine Gedanken macht. Oft weisen die Erzählungen dezent auf einige Probleme hin, zum Beispiel wie die kurze Betreuungszeit, die ein Pfleger pro Patient hat, ohne dabei den „Faktor Mensch“ mit einzukalkulieren. Immer wieder stellt auch Bernhard Horwatitsch unser Leben und Sein in Frage, ausgehend von den Erlebnissen mit den Betroffenen.  

 

Preis-Leistungs-Verhältnis:

Das Buch kostet 16,90 Euro. Es ist sprachlich und stilistisch sehr toll geschrieben. Die einzelnen Geschichten und Schicksale der alten Damen und Herren sind sehr gut erzählt. Allerdings konnte ich die Intention des Autors nicht klar erkennen. Es ist nicht wirklich unterhaltend, dafür sind die Geschichten zu traurig, aber es ist auch kein Lehrbuch, das Anleitungen oder Tipps für den Umgang mit Dementen gibt. Für denjenigen, der sich in die Gedankenwelt der Demenz einfuchsen will, ist das Buch das richtige. Dann zahlen sich die knappen 17 Euro auch aus. 

 

Fazit:

Die einzelnen Geschichten sind erschreckend schonungslos beschrieben. Sie beschönigen nichts und sind trotzdem sehr einfühlsam. Die Biografien dieser eigenwilligen Persönlichkeiten berühren den Leser. Das Buch beschreibt das absurde und sonderliche Leben mit der Demenzerkrankung sehr gut. Man hat das Gefühl der Autor hat in diesem Buch seine Gedanken und Erfahrungen mit der Demenzerkrankung aufgeschrieben, um manche Erlebnisse in seinem Beruf leichter zu verarbeiten.  

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