• Tischendorf, F.W.
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  • Schattauer, F.K.
Erscheinungstermin: 01.12.2007 EUR [D] 99,00 | 7. Auflage Der diagnostische Blick

Der diagnostische Blick

Rezension von Ines Müller, 5. klinisches Semester in Mainz

Kurzbeschreibung

Das Buch „Der diagnostische Blick“ von Tischendorf, soll, wie der Titel es schon vorgibt, den diagnostischen Blick des Benutzers schulen. Im Vordergrund steht die Innere Medizin, wobei aber auch andere klinische Bereiche, wie Orthopädie, Neurologie, Dermatologie und Ophthalmologie in dem Buch Einfluss finden. Es ist als Atlas und Nachschlagewerk konzipiert und dient dazu, sein Wissen schnellen visuell und theoretisch aufzufrischen.

 

Zielgruppe

Das Buch kann für Medizinstudenten, sowie Fachärzte aller Bereiche, aber auch für Berufstätige artverwandter Berufe wie z.B.: Physiotherapeuten), ausgesprochen hilfreich sein. Schon vor Beginn des Medizinstudiums könnte sich lohnen, dieses Werkes anzuschaffen, denn es kommt meiner Meinung nach im schulmedizinischen Bereich und auch in der medizinischen Ausbildung immer noch zu kurz, den Patienten "richtig anzuschauen."

Großer Wert wird heutzutage auf das theoretische Wissen gelegt. Das geforderte theoretische Wissen in dieser 7. Auflage stellt aber einen beginnenden Medizinstudenten vor eine zu große Herausforderung. Dennoch ist das Buch für diese Zielgruppe nicht unattraktiv.

Beide Bereiche der Didaktik, die visuelle und die theoretische, können in dem Buch einzeln abgerufen werden, ohne dass sie von einander abhängig sind.

Besonders im Anschluss an das Studium, in der intensiven Lernphase des Medizinberufes, findet diese Ausgabe einen hohen Stellenwert, denn erst zu dieser Zeit besteht ein besonders enger und ausgiebiger Kontakt zu einem Patienten. Hier kann ein kurzes Nachschlagen, bei einem auffälligen optischen Befund hilfreich sein, sodass Differentialdiagnosen beleuchtet und ggf. ausgeschlossen werden können.

 

Inhalt

Das Buch kann als großes Nachschlagewerk betrachtet werden, wobei die Themenauswahl einen durchschnittlichen Mediziner nicht überfordern sollte.

Ein gemütliches entspanntes Nachschlagen oder Blättern auf dem heimischen Sofa ist genauso denkbar, wie eine gezielte, schnelle Suche nach gerade relevanten Inhalten in der Praxis oder im Krankenhaus.

Der theoretische Bereich, der auf das jeweilige klinische Bild zugeschnitten ist, reicht vollkommen aus, um die Thematik detailliert zu verstehen und um dazuzulernen. Auch gibt es Zeichnungen, die eigens erklärt werden und die dabei helfen, die klinisch sichtbare Pathophysiologie am Patienten zu verstehen.

Da dieses Nachschlagewerk mehrere Teilbereiche der Medizin beleuchtet, ist es als gute Ergänzung zu bestehenden Lehrbüchern zu sehen. Die Schwächen des Atlas liegen in der Fülle der Medizin selbst, was somit nicht als Schwäche des Buches bewertet werden kann. Obwohl es nun einmal nicht nur ein oder zwei Krankheitsbilder und nicht nur ein oder zwei Erscheinungsformen einer Krankheit gibt, ist es dem Autor sehr gut gelungen, das Wesentliche mit den enthaltenen Fotos zu zeigen und dabei den Leser in der Theorie nicht zu überfordern.

Als Stärke ist eindeutig die ausgefeilte Systematik zu nennen, mit der dieses Werk absolut übersichtlich aufgebaut ist. Auch die enorme Qualität der Abbildungen lassen keine Beanstandungen zu. Dieses Buch zeigt auch Patienten mit Diagnosen, die deutsche Mediziner zum Glück heute kaum noch in der Praxis zu sehen bekommen - und die auch dem nicht informierten Betrachter nicht entgangen wäre.

 

Didaktik

In dem Atlas sind Merkkästen und Tabellen enthalten, die kurz und prägnant Wissen vermitteln. Hilfreich sind auch die Querverweise zu möglichen Differentialdiagnosen, die sich hinter einer sichtbaren Erscheinungsform bei einem Patienten verstecken können.

Eine alleinige Prüfungsvorbereitung mit diesem Atlas, ist aufgrund der Komplexität, der verschiedenen Teilbereiche der Medizin, nicht ratsam. Es gibt auch keine Repetitorien, Fragen zur Selbstkontrolle oder Fallbeispiele. Diese sind in einem Nachschlagewerk aber auch nicht erforderlich. Die Theorie ist in flüssiger und leicht verständlicher Sprache zusammengefasst.

 

Aufbau

Die Gliederung des Buches ist extrem übersichtlich. Es gibt eine Gliederung, in denen die genannten Mitwirkenden an diesem Werk mit ihren einzelnen Bearbeitungsbereichen aufgelistet sind. Erst dadurch ist mir aufgefallen, dass sogar Professoren meiner Universität mit eigene Kapiteln zur Entstehung des Atlas beigetragen haben.

Die weitere Gliederung in die einzelnen Erscheinungsformen der Blickdiagnosen ist mit dem jeweiligen, beschriebenen sichtbaren Befund und der genauen Seitenzahl eindeutig und schnell auffindbar.

Auch die Aufteilung der einzelnen Teilbereiche ist logisch und übersichtlich. Als sehr gut gelöst empfinde ich die Aufteilung, in der sich zu jedem Bilderkomplex, der sich auf einer DIN A4-Seite befindet, ein theoretischer Teil auf der anderen zugehörigen DIN A4-Seite gegenüberstellt. Die Beschriftungen der einzelnen Fotos sind im dazugehörigen Text fett unterlegt. Die sind derart informativ, dass es nicht unbedingt notwendig ist, den gesamten theoretischen Teil zu lesen.

 

Relevanz für die örtliche Uni

Meiner Meinung nach wird das persönliche Interesse an der Blickdiagnostik des einzelnen Studenten gefordert. Eine Buchempfehlung von Seiten meiner Uni ist bisher nicht ausgesprochen worden. Als essentiell hilfreich für Prüfungen an meiner Universität, halte ich diesen Atlas nicht.

 

Preis

Das Buch kostet im Handel 99 Euro. Auf jeden Fall ist der Preis für dieses Werk angemessen. In Hinsicht auf die Relevanz im Studium muss ich jedoch einräumen, dass dieses Buch eher als Liebhaberstück und guter Begleiter angesehen werden kann. Hier wird jeder für sich selbst entscheiden müssen, ob eine Schulung des diagnostischen Blicks einen hohen Stellenwert in seinem weiteren beruflichen Leben einnehmen soll.

Schon häufiger habe ich mir die vorherige Auflage des diagnostischen Blickes angesehen und aufgrund des Preises immer wieder mit dem Gedanken gespielt, dieses Buch zu kaufen. Jetzt, nach einer intensiven Rezension des Buches, kann ich nur sagen, dass ich dieses Nachschlagewerk für diesen Preis kaufen würde.

 

Fazit

Der Atlas „Der diagnostische Blick“ als Bildband, mit theoretischem Hintergrundwissen ist für weite Bereiche der Medizin sehr hilfreich. Egal ob für Medizinstudenten, Ärzte oder Berufstätige artverwandter Bereiche. Die Schulung und Förderung der Wahrnehmung von optisch auffälligen Erscheinungsformen bei Patienten ist neben dem theoretischen Wissen mindestens genauso wichtig, kommt aber in der medizinischen Ausbildung viel zu kurz.

Besonders lobenswert sind die Qualität der Abbildungen und die schnelle, unkomplizierte und ausgiebige Zusammenfassung in Textform der visualisierten Erscheinungsformen.

Der Preis von 99 Euro stellt eine Hürde dar, da das Buch auch nicht unbedingt prüfungsrelevant ist. Jedoch möchte ich mit einem treffenden Zitat aus dem Vorwort des Buches anmerken, dass dieses Buch eine gute Investition in die Wahrnehmungsfähigkeit eines jeden medizinversierten Diagnostikers ist. „Der Patient wünscht sich den klinisch denkenden Arzt, der ihn ob der Fülle technisch-diagnostischer Bilderzeugnisse nicht aus dem Blick verliert.“ (Tischendorf)

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