• Müller, S., Thöns, M.
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  • Georg Thieme Verlag
Erscheinungstermin: 12.08.2009 EUR [D] 34,99 | 1. Auflage MEMORIX Kindernotfälle

Memorix Kindernotfälle

4 Punkte von Christiane Sobocinski, 2. klinisches Semester in Essen

Kurzzusammenfassung

Dieses Buch ist nahezu das Best-of an Kindernotfall-Büchern für die Kitteltasche. Es ist prägnant und einleuchtend. Kindernotfälle und deren Algorithmen sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt und die Abbildungen rufen schnell den dazugehörigen Text in Erinnerung. Über Symptome wird zur Diagnose hingeführt. Konkrete Handlungsanweisungen an den Arzt oder Medizinstudenten erlauben eine klare Abfolge von Schemata und zeigen auf, was man beachten muss (via Ausrufezeichen dargestellt). Um es mit den Worten der Autoren zu sagen: "Aus der Praxis für die Praxis".

Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses kleinen Buches ist meiner Meinung nach in erster Linie der Notarzt, anschließend der Famulant oder PJler in der Ambulanz bzw. auf Station in der Pädiatrie. Es erfüllt einen guten Zweck für das "morgendliche Warm-up" vor Dienstbeginn. Dieses Buch lebt von der Klarheit und schnell zu begreifenden Sprache und erfüllt seinen Dienst für die Praxis bzw. den Notfall. Der Leser braucht keine Vorkenntnisse um die Anweisungen zu verstehen. Wahrlich ist dieses Memorix eine Bereicherung für die eigene kleine Bibliothek und fürs spätere Leben als Arzt. Jedoch für das Fach Pädiatrie ist es nur ein Einstieg, da es in erster Linie Akutsituationen und Notfälle behandelt.

Inhalt

Der Inhalt bietet das, was der Autor verspricht. Er durchläuft sämtliche Kindernotfälle angefangen von der Atmung über Reanimation, Narkose, Geburtsnotfälle, Herzrhythmusstörungen, Ertrinken, Stromunfall bis zu Zahnschäden, um an dieser Stelle nur einige Themen genannt zu haben. Ich selbst komme aus dem Rettungsdienst und finde, dass dieses Buch trotz seines geringen Umfangs sehr ausführlich ist. Es geht auch auf die Pathophysiologie ein, was einem hilft, die Relevanz bestimmter Maßnahmen und Medikationen nachzuvollziehen und nicht nur stur nach Schema F zu agieren.

Weiterhin möchte ich betonen, dass es als Lehrbuch nicht ausreichend ist. Vom Inhalt her spiegeln sich nicht immer klar Vorerkrankungen zur Differentialdiagnose wieder. Trotzdem wird in einem Kapitel auf die Thematik gewisse Kindernotfälle in Bezug auf bestimme Vorerkrankungen aufgegriffen, was richtig prima ist. Ich finde es schade, dass auf geistig und körperlich behinderte Kinder in diesem Zusammenhang nicht kurz eingegangen wird.

Inhaltlich gibt es noch einige Themen, die fehlen bzw. deren Relevanz nicht genug verdeutlicht werden:

  • Es fehlen die Blutzuckergrenzen in der Tabelle "Notfallkarte Kinder" im Umschlagrelief.
  • Die beiden Erkrankungen Hyper- und Hypoglykämie sind unter Diabetes mellitus zusammengefasst. Dabei gibt es für beide Krankheitsbilder noch andere Ursachen, die auch im Buch aufgeführt sind. Sowohl Hypoglykämie als auch Hyperglykämie sollten beide eigenständig in der Kopfzeile stehen.
  • Dass in der Traumatologie ein HWS-Stützkragen bei den weiteren Maßnahmen erst an dritter Stelle steht, ist fraglich. Jedoch muss ich an dieser Stelle sagen, dass die Recherche in anderen Pädiatrielehrbüchern (z.B. Duale Reihe Pädiatrie) auch keine genaueren Angaben erbracht hat bzw. es nicht einmal erwähnt wurde. Dagegen wird in dem Buch "Rettungsdienst" aus dem Elsevier Verlag ganz klar nach den Basics und der Volumensubstitution die Immobilisation der HWS gefordert. Die Immobilisation wird gerechtfertigt durch die anatomischen Gegebenheiten - des proportionalen Missverhältnisses vom großen schweren Kopf zum Körper.

Einige Abbildungen zeigen leider erwachsene Patienten; wie zum Beispiel die Lagerungstechniken oder die Lokalisation beim Setzten einer Thoraxdrainage. Bei der Thoraxdrainage hätte eine Zweihelfermethode demonstriert werden können.

Ein Tipp für den Transport: Wenn die Möglichkeit besteht, den Kindersitz des Kindes oder den MaxiCosi des Babys zu nehmen, dann auf jeden Fall mitnehmen! Für den Transport im RTW ist das eine super Sache, da das Kind oder Baby mit dem Geruch vertraut ist und der Transport viel stressfreier abläuft. Das gilt allerdings nicht für jeden Notfall!

Sonst sind die Abbildungen sehr gut dargestellt und vermitteln auch ohne den Text schnell und einleuchtend wie etwas zu tun ist (z.B. interössärer Zugang). Dieses Buch kann absolut mit konkreten Handlungsanweisungen und exakten übersichtlichen Dosierangaben der Notfallmedikamenten punkten.

Didaktik

Dieses Buch hat eine klare, gute, einleuchtende, prägnante Art, relevantes Wissen schnell zu vermitteln. Abbildungen und Tabellen vermitteln zuvor gelesene Textinhalte und helfen schnell bei der Erfassung zielgerichteter Maßnahmen im Notfall. Die Ausrufezeichen plus die roten Kästen werden von Medizinstudenten (aus eigener Erfahrung) nie überlesen und somit kann auch in einigen Situationen nochmal kurz inne gehalten werden um erneut die Maßnahme zu checken, die man da gerade durchführen möchte.

Aufbau

Das Buch hat im Aufbau kleine Schönheitsfehler (die ich wahrscheinlich nur sehe, weil ich eine Frau bin). Derjenige, der erst am 1. Tag seines NEF-Dienstes in das Büchlein im Notfall schaut, wird Probleme bekommen. Das mag jetzt kontrovers zu der Laudatio vorab klingen, aber das ist es nicht. Es ist einfach nur der Hinweis, dass unter Stress einige Punkte nicht gleich so klar sind.

Deswegen mein TIPP: Dieses Büchlein ist klein und fein, man sollte es zwei bis dreimal zuvor durchlesen, sodass man ein Gefühl für Lokalisation von Tabellen und Abbildungen bekommt.

Bei der Abfolge der Themen kommt es vor, dass einige Überschriften unten auf einer Seite gesetzt worden sind, der relevante Text aber erst auf der weiteren Seite folgt. Oder dass ein wichtiger Punkt eines Themenkomplexes nicht beachtet wird, da er als letzter Punkt erst auf der darauffolgenden Seite beschrieben wird. Das Buch ist den Farben Schwarz – Grau – Rot – Rosa gehalten.

In den Kopfzeilen und Tabellen finden sich eine Schriftstärke, die in ihrer Relevanz auf dem dunkel rosanen Hintergrund nicht angemessen ist. Hier wäre entweder eine größere Schriftgröße oder Schriftstärke vorteilhafter gewesen. Zum Schluss noch ein Aspekt: Es gibt kein Platz für eigene Notizen und das ist einfach richtig schade.

Preis

Den Preis von 24,95 € für das kleine MEMORIX Kindernotfälle finde ich eine gute Investition.

Mein Fazit

Endlich mal ein Buch was wirklich praktisch, prägnant und praxisnah erklärt und aufzeigt wie der Handlungsabläufe im Kindernotfall sind. Aber das Entscheidenste sind die Aspekte dieses Buches, die einen hellhörig machen sollen, für die Momente, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden, die in so manchen Stresssituationen schnell außer Acht gelassen werden. Ich ziehe jeweils einen halben Punkt ab beim Inhalt und beim Aufbau, so dass ich zu meiner oben genannten Wertung komme. Ich werde mir auch noch das MEMORIX für die Notfallmedizin anschaffen, das ist sicher.

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