• Kessler, K.; Trostdorf, F.; Ilg, R.
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  • Börm Bruckmeier Verlag GmbH
Erscheinungstermin: 28.02.2007 EUR [D] 14,95 Neurologie pocket

Neurologie pocket

Rezension von Marc Frerix, 9. Semester, Bochum

Kurzbeschreibung

„Neurologie Pocket“ aus dem Börm Bruckmeier Verlag ist ein knapp 500 Seiten starkes Büchlein im Kitteltaschenformat (ca. 12,5 x 9,5 cm). Es dient weniger der Darstellung der „vollständigen Neurologie“, sondern ist vielmehr als ein schnelles Nachschlagewerk für Kliniker konzipiert worden, welches sich auf die für den klinischen Alltag wichtigsten Dinge beschränkt.

 

Zielgruppe

Wie das Format schon nahelegt ist „Neurologie Pocket“ als Büchlein für die Kitteltasche des neurologisch tätigen Arztes gedacht, egal ob noch Assistenz- oder schon Facharzt. An Studenten richtet sich das Buch weniger, was an der relativ knappen Darstellung der Krankheitsbilder (mit starker Fokussierung auf Diagnostik und Therapie) und vielen zwar für den Kliniker relevanten, aber für den Studenten doch unbedeutenden klinischen Skalen und Scores deutlich wird.

 

Inhalt/Aufbau

Das recht kleine Büchlein macht zunächst einen stabilen Eindruck. Die relativ robuste Pappe des Umschlags sollte den Anforderungen des klinischen Alltags eigentlich genügen.

Auf der ersten Umschlagseite findet sich eine Übersicht für den „neurologischen 4-Minuten-Status“, der jedoch außer wenigen Stichworten kaum viel zu bieten hat. Mehr Erinnerungshilfen, was man bei der Untersuchung nicht vergessen sollte, findet man eigentlich auf jedem Anamnesebogen. Daher wird die gutgemeinte Schnellübersicht wohl bei jedem, der zweimal eine neurologische Untersuchung durchgeführt hat, kaum noch Beachtung finden. Nützlicher für den klinischen Alltag ist da schon die Abbildung zur Visusüberprüfung auf der letzten Umschlagseite.

Das Inhaltsverzeichnis ist an sich klar strukturiert und gegliedert. Zu Beginn gibt es eine Übersicht über alle Kapitel, die sich über die Markierungen am Seitenrand auch schnell wiederfinden lassen.

Auf den ersten knapp 100 Seiten werden relativ knapp die Kapitel zur neurologischen Diagnostik (Klinische Untersuchung, Spezielle Fragestellungen, Zusatzdiagnostik, CCT- und MRT-Grundlagen) abgehandelt. Das wichtigste ist sicher stichwortartig vorhanden, zu viel Erläuterungen sollte man jedoch nicht erwarten.

Dann kommt ein kurzer Abschnitt zu Differentialdiagnosen, welcher nach dem Schema: Hauptsymptom => mögliche Erkrankungen => zugehörige Klinik => anzuordnende Diagnostik aufgebaut ist. Wegweisender auf dem Weg zu der Diagnose hätte ich persönlich folgende Einteilung gefunden: Hauptsymptom => wichtige Nebensymptome => mögliche Erkrankungen. Leider gibt es an dieser Stelle keine Seitenzahlen zu den ausführlicheren Krankheitsbildern in den folgenden Kapiteln.

Mit genau 333 Seiten sind diese sicherlich das Kernstück des Buches. Alle wichtigen neurologischen Erkrankungen haben ausreichend Berücksichtigung gefunden. Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie und Demenzen wurden wegen ihrer klinischen Bedeutung ganze eigene Kapitel gewidmet. Schwerpunkte legen die Autoren insbesondere auf Klassifikationen, Diagnostik und Therapie, andere für die klinische Tätigkeit eher überflüssige Informationen wurden bewusst weggelassen.

Den Schluss bilden auf den letzten knapp 50 Seiten alle für die Neurologie und Psychiatrie wichtigen Medikamente, außerdem werden die wichtigsten „sonstigen Medikamente“ wie Gerinnungshemmer, Lipidsenker und Immunsuppressiva aufgeführt. Da eigentlich alle in der neurologisch-klinischen Tätigkeit häufig eingesetzten Medikamente aufgeführt sind, könnte man somit im Grunde das sonst obligatorische kleine Arzneimittelbuch für die Visite einsparen.

 

Didaktik

Herausforderung für ein solches Buch ist sicherlich möglichst viel Information auf wenig Raum zu verpacken. Anders als andere Kitteltaschenbücher wurde hier nicht der Ansatz einer ausführlichen Darstellung der Neurologie, sondern der sinnvollen Selektion von für den klinisch tätigen Arzt relevanten Informationen verfolgt. So wurde die Informationsfülle dadurch bewältigt, dass zu jedem Krankheitsbild praktisch nur Klinik, Diagnostik und Therapie behandelt wurden. Weitergehende Informationen zu Definition, Epidemiologie, Ätiologie/Pathogenese sowie Verlauf und Prognose erhält man nicht. Von großer Hilfe im klinischen Alltag sind die übersichtlichen Zusammenfassungen der Diagnosekriterien und die umfassende Sammlung von für die Klinik relevanten Skalen und Scores.

Insgesamt ist es trotzdem erstaunlich, wie man eine so große Fülle von Informationen auf so wenig Platz noch übersichtlich darstellen kann. Die für das Layout verantwortlichen haben hier sicherlich eine sehr gute Arbeit geleistet. Zwar wird dem ein oder anderen die relativ kleine Schrift stören oder es wegen fehlender Farben an Übersicht mangeln, aber handwerklich ist das Buch sonst sehr gut gemacht. Allzu viele Abbildungen und Schemazeichnungen gibt es zwar nicht, aber die umso zahlreicher vorhandenen Tabellen und Flussdiagramme sind sehr übersichtlich und einfach gehalten, so dass man schnell die gesuchte Information findet. Besonders erwähnenswert finde ich die durchweg gelungenen Seitenumbrüche, wie sie sonst manchmal sogar bei großen Lehrbüchern schlechter organisiert sind.

Der Index führt einen immer sicher ans Ziel, vorteilhaft für die häufige Suche nach Medikamenten sind diese fett hervorgehoben worden.

 

Preis

Der Preis von 14,95 Euro ist angesichts der Fülle von Informationen, die auf wenig Raum verpackt wurden, sicherlich angemessen. Insbesondere im Vergleich mit den beiden gebräuchlichen Kitteltaschenalternativen „Klinikleitfaden Neurologie/Psychiatrie“ von elsevier und der „Checkliste Neurologie“ aus dem Thieme Verlag (beide jeweils 39,95 Euro) erscheint der Preis zunächst sehr attraktiv. Allerdings handelt es sich bei den beiden anderen Büchern auch um deutlich ausführlichere Werke, die mit wesentlich mehr Hintergrundwissen und Abbildungen auftrumpfen.

 

Fazit aus studentischer Sicht

Der Preis erscheint sicherlich insbesondere für Studenten, die eine Famulatur oder ihr PJ in der Neurologie absolvieren, zunächst sehr attraktiv. Allerdings wird man als Student, der einfach noch nicht so sehr mit den einzelnen neurologischen Krankheitsbildern routinemäßig vertraut ist, bei „Neurologie Pocket“ doch häufiger tiefer gehende Informationen vermissen.So hätte ich persönlich mir während meiner Famulatur mehr Hintergrundwissen zur Epidemiologie, Ätiologie/Pathogenese und vor allem auch Verlauf und Prognose von Erkrankungen gewünscht. Nach der Stationsvisite blieben doch häufig noch einige Fragezeichen übrig, wenn man nicht gerade noch einmal die Zeit hatte, in einem der „großen Neurologiebücher“ nachzuschlagen.Auch wenn es im Geldbeutel schmerzt: ich würde jedem neurologisch interessierten Studenten fürs PJ-Tertial eher zu einer der umfangreicheren Alternativen (Klinikleitfaden von elsevier oder Checkliste von Thieme, je 39,95 Euro) raten. Ich bin z.B. noch während der Famulatur auf eines der beiden Bücher umgestiegen und damit deutlich glücklicher gewesen.Daher kann ich aus studentischer Sicht nur 3 von 5 Punkten vergeben.

 

Fazit aus ärztlicher Sicht

Anders haben es die Assistenzärzte beurteilt, die ich kennengelernt habe. Wie „Neurologie pocket“ eigentlich auch eher für den klinisch tätigen Arzt gedacht ist, bekommt dieser ein sehr gutes Nachschlagewerk, welches sich auf die für seine Arbeit wichtigen Facts Klinik, Diagnostik und Therapie sowie gebräuchliche klinische Skalen und Scores konzentriert. So erscheint das Büchlein umgekehrt gerade wegen seiner für Ärzte sinnvollen „Lücken“ neben seinem kleineren Format und dem deutlich günstigeren Preis für die Kitteltasche wesentlich attraktiver als für einen Studenten.„Wenn ich mehr über eine Erkrankung wissen möchte, habe ich immer noch ein ausführlicheres Buch in meinem Arztzimmer. Zur Visite selbst brauch ich eigentlich nicht mehr als Diagnostik und Therapie auf einen Blick, gerade dass macht Neurologie pocket für mich attraktiv“, wie ein Assistenzarzt zu mir meinte. Einige Ärzte bevorzugten jedoch auch weiterhin lieber eine der etablierten ausführlicheren Alternativen, selbst wenn sie in der Kitteltasche schwerer wiegen. Für sie waren diese einfach vom Format her übersichtlicher, aber das bleibt wohl letztendlich Geschmackssache.Insgesamt können aus ärztlicher Sicht jedoch volle 5 von 5 Punkten vergeben werden.

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