• Interview
  • |
  • Sandra Hoffmann
  • |
  • 01.08.2011

FSJ im Rettungsdienst

Wer sich auf ein Medizinstudium bewirbt, hat selten auf Anhieb Glück. Was tun, wenn die Ablehnung da ist, aber die Idee für eine sinnvolle Beschäftigung in der Wartezeit fehlt? Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) kann für Studienanwärter eine Möglichkeit sein, sich beruflich zu orientieren und Lebenserfahrung zu sammeln.

Foto: Thieme

 

Kathrin (21) hat nach der Schule beschlossen ein Jahr im Rettungsdienst beim Malteser Hilfsdienst zu verbringen. Nach dem FSJ bekam sie einen Medizinstudienplatz und studiert derzeit im 2. Semester Humanmedizin. Medizinstudentin Sandra Hoffmann hat mit ihr gesprochen.

> Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Mit meinem 2,0 Abischnitt hat es mit dem Studienplatz, wie erwartet, nicht auf Anhieb geklappt. Deshalb habe ich mich entschlossen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Rettungsdienst zu machen und mich dafür an verschiedenen Stellen - z.B. beim DRK - beworben. Schließlich habe ich eine freie Stelle bei den Maltesern bekommen.
Dort habe ich mich im Zuge des Freien Sozialen Jahres zum Rettungssanitäter weitergebildet. Die Weiterbildung beinhaltete neben der Theorie ein Klinikpraktikum von 160 Stunden, die ich je einen Monat im OP, auf der Anästhesie und der Intensivstation verbracht habe.

Die meiste Zeit schob ich also nachts in der Klinik Betten von A nach B und half bei Fahrten von der Klinik zur Patientenwohnung, Dialyse oderPsychiatrie und umgekehrt. Einsätze zu einem Unfallort nach First-Responder-System und lange Verlegungsfahrten in Städte quer durch ganz Deutschland gehörten genauso dazu. Ab und zu war natürlich putzen, putzen und nochmals putzen angesagt. Desinfizieren des Krankentransportwagens, Waschen, Berichte und Protokolle schreiben sowie bearbeiten und Reparaturen in der Autowerkstatt waren weitere Aufgaben.

> Wie bist du denn auf die Idee gekommen ein FSJ bei den Maltesern zu verbringen?

Bei uns an der Schule gibt es einen Schulsanitätsdienst, dem ich in der 9. Klasse beigetreten bin. Dort ließ ich mich zum Schulsanitäter ausbilden, der über lebensrettende Sofortmaßnahmen Bescheid wissen muss und gerufen wird, wenn jemand im Klassenzimmer umkippt oder auf der Treppe stürzt und sich ein Bein bricht. Häufiger passierten jedoch kleinere Unfälle im Schulalltag, die ich verarztet habe.

Die Sanitätskurse wurden von Ausbildern des Malteser Hilfsdienstes geleitet, die mich dann eines Tages fragten, ob ich nicht bei ihnen Sanitätshelfer werden wolle. Was ich natürlich bejahte.

> Was ist der Unterschied zu den Tätigkeiten als Rettungssanitätshelfer?

Als Sanitätshelfer während der Schulzeit habe ich bei den Maltesern im Rettungsdienst freiwillig geholfen - also primär an den Wochenenden. Da wurde ich zum Beispiel im Behindertenfahrdienst oder im Krankentransportwagen als dritter Mann eingesetzt und habe Rettungssanitäter und -assistenten unterstützt.

> Was genau hat dir am Sanitätsdienst gefallen?

Es hat mir das Gefühl gegeben etwas Vernünftiges zu tun. Vielleicht ist es auch das Helfersyndrom, welches in mir steckt und das mich motiviert hat. Auf jeden Fall habe ich eine ganze Menge netter Kollegen kennengelernt, die teilweise schon eine Art Ersatzfamilie für mich waren. Ich fühlte mich sehr wohl im Team. Das ist wichtig, da man ja auch viel Zeit miteinander verbringt.

> Dann würdest du ein FSJ sicher weiterempfehlen?

Definitiv. Ich denke, dass meine Beurteilung mit dazu beigetragen hat, einen Studienplatz zu bekommen. Vor allem aber möchte ich die Erfahrungen, die ich mit Menschen gemacht habe, nicht missen. Außerdem sind mir Dinge bewusst geworden - die um mich herum ablaufen - die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe. Insgesamt hat mir die Arbeit ein gutes Gefühl gegeben und viel Spaß gemacht. Zusätzlich kann es ein guter Nebenjob im Studium sein und bereitet dich auf unerwartete Situationen vor, wenn beispielsweise dein Mitbewohner umkippt!

> Wolltest Du schon immer Ärztin werden?

Ich wollte immer Tierärztin werden. Dann habe ich verschiedene Praktika während der Schulzeit absolviert und ein Auge auf die Humanmedizin geworfen.

> Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg im Studium!

Weitere Informationen

Bundesarbeitskreis FSJ

www.malteser.de

Freiwilligendienste beim DRK: www.freiwilligendienste.drk.de  

Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete