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  • Laura Fischer
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  • 11.12.2015

Medizin studieren in Belgien

Im niederländischsprachigen Teil Belgiens, in Flandern, ist das Medizinstudium anders aufgebaut wie in Deutschland. Erfahre, wie man einen Studienplatz bekommt und wie das Studium gegliedert ist.

 

Lernendes Mädchen - Foto: Kirsten Oborny

 

Während in Deutschland die Medizinstudiengänge umgebaut werden und man sich zwischen „Regelstudiengang“, „Modellstudiengang“ oder „Reformstudiengang“ entscheiden muss, ist das belgische System wesentlich mehr vom Gedanken der Bologna-Reform erfasst: Medizin - oder „Geneeskunde“ wie es im flämischen Teil Belgiens heißt – ist aufgeteilt in einen Bachelor und einen Master.
Im Gegensatz zu 38 Universitäten in Deutschland, in denen man Medizin studieren kann, gibt es nur 6 in Flandern. Brüssel, Gent, Leuven und Antwerpen bieten sowohl den Bachelor als auch den Master an und die Städte Kortrijk und Hasselt (übrigens die sicherste Stadt Belgiens) nur den Bachelor.

Doch bevor man sich an der Uni einschreiben kann, muss man zugelassen werden. Hier gibt es keine ZVS, die die Zulassung nach Abiturnoten oder Wartesemestern regeln, sondern ein „toelatingexamen“, eine Zulassungsprüfung. Fächer wie Mathe, Physik, Biologie und Chemie werden abgefragt und ebenso ein IQ-Test und ein psychologisches Gutachten erstellt.

Ungefähr ein Sechstel der Teilnehmer kommt durch und darf sich dann für Medizin einschreiben. Es sind also recht hohe Durchfallquoten zu Beginn, aber dafür studieren dafür recht viele Belgier bis zum Ende (85-95 %).

Nach 3 Jahren Bachelor-Studium in dem man alles über den gesunden Körper lernt (Anatomie, Physiologie etc.), folgen 3-4 Jahre Masterstudium. Hier wird in Modulen der kranke Körper unter die Lupe genommen. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder praktische Übungen, aber weniger Unterricht am Krankenbett, als man es in Deutschland gewohnt ist. Entgegengesetzt zum deutschen Curriculum mit einem großen Examen am Ende werden hier immer mehrere Modulabschlussklausuren geschrieben.

Im Master geht man im 3. Jahr ins „stagejaar“ – eine Art praktisches Jahr. Hier werden einzelne kleinere Abschnitte in verschiedenen Praxen und Kliniken absolviert im Gegensatz zu den drei großen deutschen Tertialen.


Im vierten Masterjahr ist man immer noch im Krankenhaus, hat allerdings auch noch Vorlesungen und schreibt eine Masterarbeit. Danach ist man „Basisarzt“ und kann eine Spezialisierung wählen, z. B. „Hausarzt“ (3 Jahre) oder eine andere Richtung (Dauer 4 bis 6 Jahre).

Welche Fachrichtung man wählt, ist aber nicht wie in Deutschland nur davon abhängig, wo es eine Stelle gibt, sondern die Studenten dürfen in Reihenfolge ihrer Noten wählen. Der beste Student als Erster des Jahrgangs und so weiter und so fort. Das führt ein bisschen zu einem größeren Kompetenzgerangel unter den Studenten, aber diejenigen, denen ihr Traum in Belgien verwehrt wird, machen die Spezialisierung dann im Ausland, zum Beispiel in Deutschland.

 

 

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