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  • Ines Elsenhans
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  • 06.03.2012

Medizinstudium bei der Bundeswehr

Wie ist es möglich, dass ein Medizinstudent bei der Bundeswehr angestellt ist? Diese Frage wird häufig gestellt. Soldat und Arzt, Bundeswehr und Studium, das passt für viele überhaupt nicht zusammen. Dass es trotzdem geht, dafür bin ich ein Beispiel. Wie diese Ausbildung in der Praxis realisiert wird, das möchte ich anhand dieses Beitrages erläutern.

Der Beruf des Soldaten und der des Arztes faszinierten mich schon seit meiner Kindheit.
Sicherlich ist das bei vielen Jungen eine Phase ihres Lebens - direkt nach dem Wunsch, Astronaut, Feuerwehrmann oder Polizist zu werden. Bei mir wurde aus diesem Wunsch ein Ziel, und ich bewarb mich als Offiziersanwärter des Sanitätsdienstes bei der Bundeswehr.

 

Wo studiert man?

Das Studium der Medizin stellt innerhalb der Bundeswehr eine Ausnahme dar, weil es nicht an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München angeboten wird. Stattdessen bekommt die Bundeswehr über einen festen Schlüssel von den Bundesländern ein gewisses Kontingent an Studienplätzen für die Fächer Human-, Zahn- und Veterinärmedizin sowie Pharmazie zur Verfügung gestellt. Diese verteilt die Bundeswehr daraufhin nach eigenen Kriterien unter den Offizieranwärtern. Man studiert also an einer ganz normalen Uni, wie alle anderen Medizinstudenten auch.

 

Wie bekommt man einen Platz?

Als ich mich bewarb, lag der für eine Bewerbung nötige NC bei 2,5. Das ist weitaus großzügiger bemessen, als es bei Hochschulstart für manche Universitäten der Fall ist. Ich bestand ein ausführliches Testverfahren nach der Art eines Assessment-Centers in einer Prüfeinrichtung der Bundeswehr in Köln.

Nachdem ich von der Bundeswehr einen positiven Bescheid erhalten hatte, begann zunächst meine sechswöchige Grundausbildung bei der Marineschule in Flensburg/Mürwik. Die Marineschule dient der Ausbildung von Offizieren der Marine. Für die Offiziers- und auch Sanitätsoffiziersanwärter der Marine findet hier die Grundausbildung statt. Ebenso der Offizierslehrgang und viele weitere Lehrgänge im Laufe der Karriere. An diesen Lehrgängen nehmen später jedoch keine Sanitätsoffiziersanwärter (kurz SanOA) mehr teil. Diese Lehrgänge finden separat an einer dem Sanitätsdienst eigenen Schule in München statt (Sanitätsakademie der Bundeswehr).

Diese Wochen verbrachte ich damit, viel Sport zu treiben und sowohl praktische als auch theoretische militärische Grundlagen zu erlernen. Anschließend begab ich mich für weitere sechs Wochen auf die "Gorch Fock", dem Segelschulschiff der Marine.

Die "Gorch Fock" macht alljährlich für die Offizier- und Unteroffizieranwärter der Marine eine Ausbildungsreise. Ziel ist es, seemännische Grundlagen zu erlernen und mit dem besonderen Leben an Bord eines Schiffs vertraut zu werden. Die Zahl der Kadetten war so groß, dass insgesamt drei Crews gebildet wurden, die abschnittsweise mitsegelten.

Aufgrund des Studienbeginns zum Wintersemester fuhren alle Sanitätsoffizieranwärter der Marine beim ersten Törn mit. Dieser führte uns von Kiel Richtung Norden, um das Skagerrak herum, dann südwärts die deutsche Nordseeküste entlang. Anschließend passierten wir den Ärmelkanal. Die Reise führte uns weiter durch den Golf von Biscaya nach Portimao in Portugal. Dort verweilten wir ein paar Tage und segelten dann weiter durch die Meerenge von Gibraltar nach Palma de Mallorca, der Hauptstadt auf der spanischen Insel Mallorca.  

Neben der Ausbildung neuer Rekruten dient die "Gorch Fock" als diplomatische Plattform, auf der prachtvolle Empfänge stattfinden. Dann heißt es für die Besatzung "Rein Schiff" zu machen und das viele Messing an Bord auf Hochglanz zu bringen. Nach getaner Arbeit freut man sich alle auf den wohl verdienten Landgang als "Botschafter in Blau" im Gastland. 

Von Mallorca aus ging es mit dem Flugzeug zurück nach Hamburg und im Anschluss daran zu den jeweiligen Studienorten in ganz Deutschland.

 

 

Wie erkennt man Studenten der Bundeswehr?

Während des Studiums besteht keine Pflicht, eine Uniform zu tragen. Aus diesem Grund fallen die Studenten der Bundeswehr äußerlich kaum auf. Für die Zeit des Studiums wird man beurlaubt, erhält jedoch weiterhin Gehalt und kann jederzeit für den militärischen Dienst herangezogen werden. In der Praxis ist das jedoch nur bei einigen wenigen Anlässen, wie zum Beispiel dem Offizierlehrgang oder einem Truppenpraktikum, der Fall.
Zu meinem Alltag: Besonders gibt es da nichts. Ich wohne in einer ganz normalen Mietswohnung, beziehe monatlich mein Gehalt und muss mich einmal pro Monat bei meiner Einheit melden. Eine Unterkunft in einer Kaserne wäre prinzipiell möglich.

Welche Rechte und Pflichten gibt es noch?

Schon lange können junge Frauen eine Karriere als Ärztin bei der Bundeswehr machen. Dabei gelten für Soldatinnen die gleichen Regelungen wie im zivilen Bereich. Eine Befreiung vom Dienst nach der Schwangerschaft im Sinne eines Erziehungsurlaubs von drei (auch splitbaren) Jahren ist möglich.
Weiterhin gelten auch die anderen zivilen Leistungen rund um die Themen"Schwangerschaft und Mutterschutz", wie zum Beispiel die gesetzliche Schutzfrist (6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt) in der kein Dienst stattfinden darf. Auch gehören hierzu diverse finanzielle Hilfen. Das Kind ist allerdings nach der Geburt nicht mit über die Bundeswehr versichert. Dieser Umstand ist wichtig, denn für Soldaten gilt normalerweise, dass sie die freie Heilfürsorge genießen. Das bedeutet: Kein Krankenversicherungsbeitrag, keine Praxisgebühr, kostenlose Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen aller Art inklusive Medikamente durch die Bundeswehr.

Das Gehalt der Studenten der Bundeswehr ist bei den zivilen Studenten häufig Stein des Anstoßes. Allzu oft wird dabei allerdings vergessen, dass jedem die Möglichkeit einer Bewerbung bei der Bundeswehr offen steht und jeder "militärische" Medizinstudent sich verpflichtet hat, mindestens 17 Jahre bei der Bundeswehr zu arbeiten. Diese 17 Jahre beinhalten auch das Studium selbst.
Nach dem Studium besteht jedoch keineswegs die Möglichkeit - beispielsweise die nächsten 11 Jahre - als Arzt in seiner Heimatstadt zu verbringen. Man muss fest mit häufigen Versetzungen im Inland und auch mit Auslandseinsätzen rechnen. Das erfordert viel Flexibilität und Mobilität auch seitens der Partnerin oder des Partners.

Welche Bedeutung hat die Medizin für die Bundeswehr?

Mit dem Ende des Kalten Krieges hat der Sanitätsdienst ebenso wie die Bundeswehr als Ganzes einen enormen strukturellen Wandel bewältigt. Allem voran steht für den Sanitätsdienst die Maxime, den Soldaten eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die im Ergebnis dem fachärztlichen Standard in Deutschland entspricht. Auf Deutschland betrachtet erscheint dies trivial und selbstverständlich. Schaut man allerdings auf die neuen Einsatzgebiete der Bundeswehr, wie zum Beispiel Afghanistan, so wird die wahre Bedeutung dieser Maxime deutlich.

Hierzu stehen dem Sanitätsdienst durch die Medien mittlerweile sehr bekannte technische Einrichtungen zur Verfügung. Seien es die High-Tech Containersysteme zu Land, das Marineeinsatzrettungszentrum (kurz: MERZ) zu Wasser oder die MEDEVACs zu Luft, die auch vielfach als "fliegende Intensivstationen" bekannt sind. Mit dieser Ausstattung besitzt die Bundeswehr international eine Vorreiterrolle.

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Nach dem Studium findet für alle fertig ausgebildeten Ärzte eine dreijährige klinische Einführungsphase statt. Danach wird mal als Arzt in einem der deutschlandweiten Sanitätszentren bzw. für Angehörige der Marine als Schiffsarzt eingeplant. Eigene Fähigkeiten, Leistungen und freie Plätze entscheiden danach über den weiteren Werdegang. Eine Ausbildung in fast allen fachärztlichen Richtung ist ebenso möglich wie ein späterer Wechsel in ein administratives Betätigungsfeld jenseits der praktischen Medizin. Eine weitere Möglichkeit des späteren Einsatzfeldes ist der Bereich der Forschung, doch sind Kapazitäten - wie überall - knapp bemessen.

Doch als Student im 2. vorklinischen Semester ist es bis dahin noch ein weiter, mit Testaten, Klausuren, Examen und anderen süßen Dingen gespickter Weg!

Mehr im Internet

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