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  • Mirza Saim Baig
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  • 29.07.2015

So ist das Medizinstudium in Stettin (Polen)

Das Medizinstudium im Ausland ist für eine tolle Alternative, wenn man die hohe NC-Hürde in Deutschland nicht überwinden kann. Wie das Studium in Stettin aufgebaut ist, wie du dich bewirbst und ob es sich lohnt, erzählt Mirza.

 

 

Studenten - Foto: © BillionPhotos.com/Fotolia.com

 © BillionPhotos.com/Fotolia.com

 

Hoch, höher, Numerus Clausus. Ihn zu knacken ist die erste Hürde für Schüler, die Medizin studieren möchten. Wer es trotz der Lernerei nicht schafft, ein spitzen Abi hinzulegen, muss viele Wartesemester absitzen und einen starken Willen haben, um nicht aufzugeben und weiter an seinen Traum zu glauben. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, an einen Medizinstudienplatz zu kommen. Die Alternative lautet: Medizinstudium im Ausland. An der Pomeranian Medical University in Stettin, Polen, wird auf Englisch unterrichtet und deutsche Studenten können hier innerhalb von 6 Jahren ein Humanmedizinstudium abschließen.

 

Stettin


Die erste Anlaufstelle ist das Rektorat, indem sich das „Deans-office“ von Vice-dean Prof.Dr.Tomasz Urasinski befindet. Er ist verantwortlich für alle angehenden englischsprachigen Humanmediziner. Die Mehrheit der Studenten kommt vor allem aus Skandinavien und Deutschland, aber auch aus weit entfernten Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada und Israel.


Das Studium ist in „Study-years“ aufgeteilt und nicht in Semester. Es gliedert sich in zwei Jahre Vorklinik, drei Jahre klinische Ausbildung und das praktische Jahr, das 8-Teilgebiete umfasst.
Bewerbung in Stettin.

 

 

Stettin von der Oder aus fotografiert. Foto: M. Saim Baig

 

Bewerbung


Die Bewerbung ist eine Online Bewerbung über diese Website: https://www.medizin-stettin.de/newpage.

Folgende Unterlagen brauchst du für deine Bewerbung:


• Kopie Abiturzeugnis
• Kopie des amtlichen Ausweises oder Reisepasses
• Kopie Passfoto
• Kopie Englisch Zertifikat (TOEFL)
• Beleg für die Überweisung der 450 Euro Bewerbungsgebühr

 

"Pre-courses" - Vorkurse


Damit alle Studenten mit dem gleichen Wissensstand ins Studium starten, finden vor Beginn des akademischen Jahres in September die dreiwöchigen "Pre-courses" in Biologie, Chemie, Physik und Polnisch statt. Die Pre-courses sind nicht nur reine Vorlesungen, sondern auch sogenannte Einführungswochen bei denen man seine neuen Kommilitonen kennenlernt, auf Wohnungssuche geht und die Stadt erkundet. Am Ende der Kurse findet ein Evaluationstestat statt – aber keine Angst, dieses Testat dient nur für dich selbst um zu schauen, wie gut du aufgepasst hast.
Zum Abschluss gibt es einen zweitägigen Ausflug mit deinem Jahrgang zur polnischen Ostseeküste.

 

Das Akademische Jahr


Das offizielle Akademische Jahr beginnt in Oktober, endet im September und ist in je 2 Semester mit einer Prüfungsphase (Examination-Session) am Ende eingeteilt. Die etwa 150 Studienbeginner werden in 4 Untergruppen N1-N4 unterteilt und jede Gruppe hat seinen eigenen Stundenplan. Diese Gruppen werden dann nochmal in Untergruppen unterteilt: Im erste Jahr vor allem in Anatomie und Histologie/Embryologie, wo jeder Dozent eine Gruppe von 10-15 Studenten betreut. Meistens schreibt man in einem Examensfach 4 Teilklausuren, die man bestehen muss, um am Ende das Abschlussexamen im jeweiligen Fach schreiben zu dürfen. Die Klausuren sind meistens Single- oder Multiple Choice-Klausuren. Das Abschlussexamen hat zusätzlich noch einen praktisch-mündlichen Teil.


Bei den meisten Erstsemestern ist der Stresspegel zu Beginn des Studiums hoch und sie fragen sich, ob sie das alles schaffen. Aber keine Sorge! Ich kann sagen, dass die Dozenten stets bemüht sind, die Studenten zu unterstützen, man muss nur kontinuierlich am Ball bleiben.


Studenten, die in den vier Teilklausuren besonders gut abschneiden, bekommen den sog. Preterm. D.h. es kann möglich sein, dass der Professor sie vom Abschlussexamen befreit und ihnen direkt eine 5 (entspricht einer 1 in Deutschland) ins Studienbuch schreibt. Die Sommerferien (Juli - Ende August) sind für eine vierwöchige Famulatur gedacht.


Interessanter wird es im II-Studienjahr, wo man zum ersten Mal mit klinischen Fächern wie Pathologie in Kontakt kommt – eine schöne Abwechslung zur Biochemie und Physiologie, die nebenbei laufen. Für mich war die Pathologie eines der interessantesten Fächer im II-Jahr, man lernt die Krankheitsentstehung, anstatt nur biochemische Abläufe im Körper auswendig zu lernen.


Das IV und V Jahr sind sogenannte "Blockssystems": Man hat ein Fach für einen bestimmten Zeitraum. Der Vorteil besteht darin, dass man sich intensiv mit einem Fach auseinandersetzen kann, ohne an andere Fächer denken zu müssen.


Das VI-Jahr ist das Praktische Jahr, ähnlich wie in Deutschland. Doch anstatt drei Fächer hat man hier 8 Teilfächer. Nach dem PJ hat man die sog. Graduation. Hier wird einem das Diplom zum abgeschlossenem Studium ( MD- Medical Doctor) verliehen.

 

Deutschland vs. Polen


Das Studium in Stettin unterscheidet sich nicht allzu sehr vom Studium in Deutschland. Ein Unterscheid ist, dass man keine Staatsexamina hat und die Grundlagen der Klinik schon ab dem II-Jahr gelehrt werden. Nach dem II-Jahr wechseln viele Studenten nach Deutschland, denn dieses Jahr ist äquivalent zum Physikum und wird somit vom LPA anerkannt. Viele Studenten machen nach dem zweiten Jahr auch ein ERASMUS-Jahr. Daher reduziert sich die Studentenzahl oft um die Hälfte.


Aufgrund der kleinen Arbeitsgruppen im Studium ist die Atmosphäre zwischen Dozenten und Studenten sehr persönlich. Vor allem im klinischen Abschnitt merkt man sehr, dass die Professoren an der Ausbildung ihrer Studenten interessiert sind. Meist betreut ein Dozent 3-5 Studenten am Krankenbett, sodass die Betreuung sehr gut ist.

 

Knackpunkt - Hohe Kosten


Der einzige Knackpunkt in Stettin sind die hohen Studiengebühren von ca 10.000 Euro pro Jahr. Dazu kommen Lebenshaltungskosten, die aber recht günstig sind. Z.B bezahle ich für eine möblierte 60qm Wohnung 400Euro warm. Hinzukommen noch die Kosten für Bücher, die aber nicht so hoch sind, da die meisten Klausuren auf den Vorlesungen basieren.

 

Freizeitmöglichkeiten


Ganz wichtig, denn neben dem Studium sollte man natürlich die Freizeit nicht vergessen. Corda, eine Studentenorganisation, veranstaltet jeden Monat Studentenpartys. Außerdem gibt es viele Bars, Clubs, Theater und Ausstellungen in Stettin – während der Pre-course wirst du sie sicher alle kennenlernen. Zum Entspannen kann man sich toll an den Ostseestrand legen und mal richtig abschalten. Jedes Jahr findet in Stettin die "Juwelania" statt, ein Studentenfest mit Konzerten und vielem mehr – eine gute Möglichkeit, um auch Studenten von anderen Universtäten wie der ZUT (Technische Hochschule Stettin) kennenzulernen.

Fazit


Wer in Deutschland keinen Studienplatz bekommt, hat mit einem Auslandsstudium in Stettin eine gute Alternative. Das Studium ist zwar teuer und anstrengend, aber lohnenswert.

Die Bildungsstandards für die Fachrichtung Medizin sind gemäß dem Recht der EU. Der Studienabschluss (M.D) ist europaweit anerkannt und führt zur Approbation. Er berechtigt zur uneingeschränkten Ausübung des Arztberufs in Deutschland.

 

Kooperation mit der Asklepios Klinikgruppe


Seit 2012 besteht eine Kooperation der Universität mit der deutschen Asklepios Klinikgruppe. Die ersten drei Jahre des Studiums sind auf Englisch und die letzten zwei Jahre auf Deutsch. Das Curriculum ist dasselbe wie in Deutschland, doch der klinische Kontakt beginnt gleich im ersten Studienjahr mit vielen Praktikas und Vorlesungen.

MiS - Medizinstudium in Stettin
ul. Małkowskiego 30/1
70–304 Stettin
Polen

Internet: www.medizin-stettin.de

Kontakt:
Tel: +49 (0) 38 - 34 391 957 0
Fax: +49 (0) 38 - 34 391 955 0
E-Mail: kontakt@medizin-stettin.de

 

 

 

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