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  • David Santer
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  • 08.04.2008

Stipendien in Österreich

Freier Universitätszugang heißt noch lange nicht, dass jeder studieren kann. Immerhin müssen mehrere Jahre Vollzeitstudium finanziert werden. Wenn das Geld der Eltern nicht reicht, können Stipendien eine sinnvolle Unterstützung sein.

Grundsätzlich sind nach österreichischem Recht die Eltern des Studierenden dazu verpflichtet, ihre Kinder bis zur Erreichung der Selbsterhaltungsfähigkeit finanziell zu unterhalten (Unterhaltspflicht), somit auch bis zum Abschluss eines Studiums. Sollten Eltern oder der Studierende selber auf Grund ihrer Einkommenssituation nicht in der Lage sein, die Kosten für das Studium aufzubringen, soll die Studienförderung eingreifen.

Es gibt zwei wesentliche Anspruchsvoraussetzungen: Zum einen die "soziale Förderungswürdigkeit" und zum anderen das Vorliegen eines "günstigen Studienerfolges".

Soziale Förderungswürdigkeit

Das Einkommen, der Familienstand und die Familiengröße bestimmen die soziale Förderungswürdigkeit. Basierend auf diesen Faktoren wird auch die Höhe der Studienbeihilfe errechnet.

Günstiger Studienerfolg

In den ersten beiden Studiensemestern muss man die Aufnahme als ordentlicher Studierender an einer Universität nachweisen. Ab dem dritten Semester (zweites Ausbildungsjahr) ist ein Studienerfolgsnachweis vorzulegen; ansonsten ist die bisher erhaltene Studienbeihilfe zurückzuzahlen. Zusätzlich darf die zur Ablegung einer Diplomprüfung oder insgesamt vorgesehene Studienzeit nicht mehr als ein Semester überschritten werden. Ausnahmen bilden in einem solchen Fall nur Krankheit, Schwangerschaft, Pflege und Erziehung eines Kindes in den ersten drei Lebensjahren, Behinderung, Präsenz- oder Zivildienst oder ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis.

Sonderform: Selbsterhalterstipendium

Das so genannte "Selbsterhalterstipendium" ist eine Sonderform im Stipendiendschungel. Studierende, die sich vor dem erstmaligen Bezug einer Studienbeihilfe durch wenigstens vier Jahre mit einem Einkommen von mindestens 7.272 Euro jährlich "selbst erhalten" haben, sollten darum ansuchen. Das elterliche Einkommen wird hier nicht berücksichtigt, jedoch ist ein günstiger Studienerfolg Voraussetzung.

Sonstige Förderungen

Zum Glück gibt es nicht nur die Studienbeihilfe, sondern auch weitere Förderungen, die dem Studierenden das Leben deutlich erleichtern können. Es handelt sich hier u.a. um Fahrtkostenzuschuss, Studienzuschuss (Ersatz der Studiengebühr), Versicherungskostenbeitrag, Beihilfe für ein Auslandsstudium, Reisekostenzuschuss, Sprachstipendium, Leistungsstipendium und einige mehr.

Wer hat Anspruch auf Studienbeihilfe?

Anspruch auf Studienbeihilfe haben österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie "gleichgestellte Ausländer und Staatenlose" (§ 4 StudFG). Da das Thema der Gleichstellung ein sehr komplexes ist und die Rahmenbedingungen regelmäßigen Änderungen unterworfen sind, ist es notwendig, sich bei der jeweiligen Stipendienstelle weitere detaillierte Informationen zu beschaffen. Unter gegebenen Voraussetzungen können an einer österreichischen medizinischen Universität ordentliche Studierende Studienbeihilfe beziehen.

Fristen

Studenten, die auf Stipendien angewiesen sind, sollten unbedingt sobald als möglich einen Antrag stellen, denn ist eine Frist erst einmal abgelaufen, gibt's keine Chance mehr für finanzielle Unterstützung im jeweiligen Semester. Also am besten noch vor Semesterbeginn erkundigen und den Antrag nicht erst auf dem letzten Drücker einreichen!

Forschungsstipendien

Nicht nur der Studienalltag wird gefördert. Auch für besondere wissenschaftliche Leistungen werden medizinische Forschungsvorhaben finanziell unterstützt. Es ist schwer bei den vielen Angeboten den Überblick zu bewahren. Die Stipendiendatenbank des ÖAD bringt hier etwas Licht ins Dunkel und hilft bei der Suche.

Gefördertes Studieren und Forschen: Wo kann man sich informieren?

Wer es gar nicht mehr erwarten kann und sofort herausfinden möchte, welche Förderungen ihm zustehen, surft gleich zur Seite der Studienbeihilfenbehörde. Hier gibt es das Wichtigste zum Thema Studienförderung, beispielsweise wer Anspruch hat und mit welcher Höhe der Beihilfe man rechnen kann. Außerdem werden die sonstigen Förderungsmaßnahmen, die neben der Studienbeihilfe angeboten werden, beschrieben.

Als weiteren Ansprechpartner sollte man am besten die an der Universität angesiedelte Hochschülerschaft kontaktieren. Dort gibt es einen Sprecher für soziale Angelegenheiten, der über den aktuellen Stand und verschiedenen Arten von Stipendien genau informiert ist.

Ein nettes Tool ist der Online-Stipendienrechner der Österreichischen Hochschülerschaft. Hier ist es möglich, sich durch Eingabe von einigen Daten bereits vorab zu erfahren, ob und wie viel Beihilfe man eigentlich erwarten kann.

Auch besondere universitäre Leistungen werden gefördert. Neben einem Leistungsstipendium bei ausgezeichnetem Erfolg, gibt es Förderungsprogramme für die Verfassung von wissenschaftlichen Arbeiten. Ob Diplomarbeit, Dissertation oder eine andere wissenschaftliche Arbeit, es kann bestimmt nicht schaden, sich über eventuelle Finanzspritzen zu informieren. Neben den hier erwähnten Adressen, gibt es noch einige mehr z.B. in der Datenbank http://www.grants.at zu entdecken. Engagement ist gefragt!

Nicht den Kopf in den Sand stecken!

Klar, jeder hätte gerne ein paar Euro mehr in der Tasche. Doch darf man nicht enttäuscht sein, wenn man nicht gefördert wird. Vor allem die Studienbeihilfen sind wirklich nur für diejenigen gedacht, deren Möglichkeit zu studieren von einer finanziellen Unterstützung abhängen. Alle anderen, die keinen Anspruch haben, da beispielsweise die Eltern "zuviel" verdienen, dürfen sich auf jeden Fall glücklich schätzen, nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Immerhin gibt es aber auch für diese Studenten Aussicht auf zusätzliches Taschengeld, beispielsweise in Form eines Leistungsstipendiums, eines Forschungsstipendiums oder eines kleinen Nebenjobs.

Mehr Infos zu Nebenjobs gibt die Seite www.jobwohnen.at.

Adressen von Stipendienanbieter für österreichische Studenten finden Sie hier.

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