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  • 10.01.2014

Dajanas Weg ins Medizinstudium

Der Weg zum Medizinstudium ist oft nicht einfach und mit einigen Umwegen verbunden. Auch Dajana hat sich mit vielen Entscheidungne abgekämpft und sich Stolpersteine aus dem Weg geräumt. In diesem Artikel erzählt Dajana wie sie über BWL-Tourismus zur Medizin kam.

 

Foto: Harald Bieber - Fotolia

Foto: H.B. - Fotolia

 

Welche Richtung einschlagen?

Nach meinem Abi 2010 stand ich, wie der Großteil aller, noch mit der Frage da: Was mache ich denn jetzt eigentlich? Für mich gab es schon immer zwei Richtungen, die mich interessiert haben: Medizin und Tourismus. Die Leistungskurse Biologie und Englisch konnten bei beidem helfen. Mein Abi mit 1,5 konnte auch nicht schaden, war aber auch nicht das 1,0er Abi, das man von vielen Medizinstudenten erwartet. In meiner Familie oder dem engeren Bekanntenkreis gibt es weder Mediziner noch Touristiker. Also, was mach ich jetzt? Stunden saß ich vor dem PC, las in Foren auf den Websites von Universitäten. Dann kam die Idee, Praktika in beiden Richtungen zu machen um sich besser entscheiden zu können. Parallel habe ich mich für ein duales Studium BWL-Tourismus in Berlin für das nächste Jahr beworben, um genug Zeit zu haben, mich für eine Richtung zu entscheiden.

 

Duales Studium BWL-Tourismus anstatt Medizin

Allerdings wollte das Unternehmen mich direkt ab Oktober desselben Jahres. Da stand ich nun. Freunde und Familie, die einem gut zureden und die erklären, dass man einen dualen Studienplatz doch nicht einfach verweigern könnte, wenn einem schon die Chance gegeben wird. Klingt ja auch logisch! Und so richtig den Mut gefasst, Medizin zu studieren, hatte ich auch nicht. Also wurde der eigentliche „Praktikums-Plan“ auf Eis gelegt und ein duales Studium BWL-Tourismus begonnen.

 

Das ist es nicht!

Tja, das hatte seine schönen Seiten, ich würde niemals sagen, dass ich nichts gelernt hätte, aber immer wieder und immer stärker merkte ich einfach: das ist es nicht! Ganz zu schweigen von der aufkeimenden „Eifersucht“sobald ich mit Medizinstudenten sprach. Die Reaktionen, als ich abbrechen wollte waren wieder ähnlich: „Sowas hab ich ja noch nie gehört, dass jemand ein duales Studium abbrechen will!“. Oder auch immer wieder: „BWL-Tourismus und Medizin, das ist ja mal eine 180° Drehung!“. Ist es aber eigentlich gar nicht so sehr. Zumindest nicht für mich. Ich wollte schon immer mit und für Menschen arbeiten. Ich habe ein angeborenes Helfersyndrom und wollte niemals ausschließlich an einen Bürostuhl gefesselt sein. Natürlich gibt es schon sehr deutliche Unterschiede, aber warum kann man denn nicht ein breit gefächertes Interessenfeld haben? Bis der endgültige Entschluss gefasst war, zog es sich dann noch eine Weile hin. Denn ich wollte das Studium nicht abbrechen, sondern Medizin als Zweitstudium beginnen. Das ist allerdings gar nicht so einfach! Nachdem ich meine Chancen über Bestenquote, Wartezeitquote und Auswahlverfahren abgeschätzt hatte, entschied ich mich Weihnachten 2012 endlich dazu, das Studium abzubrechen, zu kündigen und 2013 neu zu starten.

 

Mit Medizin durchstarten

Diesmal wollte ich es richtig machen! Also bereitete ich mich mit einem Pflegepraktikum in der Charité vor, büffelte ohne Ende für den TMS, verbrachte Tage damit alle Uniprofile durchzuarbeiten und eine Auswahl für die Bewerbung bei hochschulstart.de zu treffen. Natürlich nutzte ich die studienfreie Zeit auch um einfach mal Spaß zu haben. Immerhin hatte ich nach 13 Jahren Schule direkt mit einem dualen Studium angefangen, was auch absolut kein Zuckerschlecken war. Es war nun die erste richtige Pause um die Batterien aufzuladen. So hatte ich danach den Elan und die Kraft für das Medizinstudium, was ja auch einen sehr langen Atem benötigt!

 

Durchhaltevermögen beweisen

Nach der Bewerbung im Mai folgte lange Zeit nichts. Nur endloses warten auf die Einladung zum Auswahlverfahren. An erster Stelle bei mir die Technische Universität Dresden: Mein Favorit in Bezug auf Uni, Stadt und Kultur. Am 02.09.2013 hatte ich dann endlich mein Auswahlgespräch. Ich musste eine Kurzpräsentation über Lunge- und Bronchialsystem in drei Minuten halten. Außerdem folgten noch drei weitere Mini-Interviews à zwölf Minuten. Eine Stunde in meinem Leben, die über die nächsten Jahre entscheiden sollte. Die Kurzinterviews waren ein Wechselbad der Gefühle. Im Bereich Motivation und Kenntnisse über das Studium konnte ich punkten. Als es allerdings um „Allgemeinwissen“ ging, und dazu gehört auch chemisches Wissen, was bei mir mittlerweile mindestens fünf Jahre zurücklag, hatte ich das Gefühl versagt zu haben. Nach dieser einen nervenzerreibenden Stunde dachte ich nur noch, dass das nichts geworden sein könnte. Alles ging so schnell und ich konnte meine Leistung überhaupt nicht mehr einschätzen. Eigentlich bin ich ziemlich stressresistent, aber hier war ich mir völlig unsicher.

Danach hieß es wieder warten. Gefühlt dauerte es unendlich lang. Alle anderen hatten schon ihre Zulassungen, oder auch Absagen, aber immerhin ein Ergebnis. Ich machte Pläne, wie ich die weitere Wartezeit überbrücken könnte. Geplant waren weitere Praktika oder eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und natürlich nochmal ein bisschen reisen. Aber eigentlich war der 24.09.2013 der Tag auf den ich wartete. Der Tag der Veröffentlichung der ersten Zulassungen und Absagen über das Auswahlverfahren. Ich saß alleine vor meinem PC und musste die Kopfzeile gefühlte hundert Mal lesen: Da stand doch tatsächlich Zulassungsbescheid!

 

Medizinstudium in Dresden

Nun bin ich in Dresden und lerne für die Prüfungen. Rückblickend war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, das Studium zu wechseln. Ich habe endlich richtig Spaß an dem, was ich lerne und ein Ziel vor Augen. Allerdings bin ich auch nicht traurig über den Umweg. Ich weiß jetzt was ich nicht will, ich habe schon viel Arbeitserfahrung gesammelt und schaden kann BWL ja auch irgendwie nie. Wenn ich mal ein Tief habe, weiß ich, dass ich den anderen Weg schon ausprobiert habe und ich damit absolut nicht glücklich war. Natürlich bin ich nicht mehr ganz so jung wie die „frischen Abiturienten“, aber es gibt auch viele, die vorher eine medizinische Ausbildung gemacht haben, gearbeitet haben oder wie ich über den Umweg eines anderen Studiums zur Medizin gekommen sind.

 

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