• Bericht
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  • Marcel F.
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  • 15.01.2013

Marcels Weg ins Medizinstudium

Wer Medizin studieren möchte, braucht einen sehr gutes Abitur, um einen der begehrten Studienplätze zu erhalten. Doch nicht jeder schafft es, den erhofften NC zu erreichen und muss darum Wartesemester in Kauf nehmen. So auch Marcel. Er erzählt, wie sich die Zeit des Wartens anfühlt und wie er nun das Studium erlebt: Trotz vieler Zweifel hochmotiviert.

  

Ab dem Sommer 2002 besuchte ich die Oberstufe. Sollten meine Noten konstant bleiben, würde das mit dem Medizinstudienplatz zum Wintersemester 2005 schon klappen, dachte ich mir. Leider blieb es nicht dabei. Schulfächer in denen ich zuvor meine Stärken sah und zum Teil als Abiturfächer wählte, verliefen anders als gedacht und ich hatte Probleme meinen alten Schnitt zu halten. Gegen Ende der 12. Klasse musste ich feststellen, dass ich für den Traum vom Medizinstudium eine lange Wartezeit in Kauf nehmen muss.

Die Wartesemester wollte ich so sinnvoll wie möglich nutzen und informierte mich darum schon mal über Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen. Dabei stieß ich auf den Beruf des Operationstechnischen Assistenten. Das war für mich die perfekte Alternative, um die Wartezeit zu überbrücken. 2005 kam das Abitur mit dem befürchtetem Durchschnitt, aber auch die erhoffte Zusage für den gewünschten Ausbildungsplatz.

In der dreijährigen Ausbildung fand ich als examinierter Operationstechnischer Assistent schnell Stellenangebote der verschiedenen Kliniken, in denen ich meine Praxiseinsätze während der Ausbildung absolvieren durfte. Nach der Ausbildung nahm ich dann in einer Klinik eine Stelle im Zentral-OP an, weil diese schon während meiner Ausbildung mein Favorit war. Der Zentral-OP war modern, das Klima war freundlich, die Hierarchien flach und ich konnte mir durch die Besetzung der Bereichsleitung in der Orthopädie und Trauma-Chirurgie die Anerkennung der Arztkollegen erarbeiten.

Mit jeder weiteren Bewerbung bei der Zentralen Stellenvergabe für Studienplätze fragte ich mich auch, wie schwierig es für mich werden wird, diese Stelle aufzugeben und ob ich die Anforderungen des Studium überhaupt erfüllen könnte. Mein Leben würde sich dann stark verändern. Die Ärzte meiner Klinik sprachen mir Mut zu. Kurz vor dem Wintersemester 2011 kam endlich der so lang ersehnte Brief: Die Zulassung für den Studienplatz in Medizin.

 

Neuanfang

Das erste Semester war genauso anstrengend, wie es Bekannte berichteten. Es fiel mir anfangs schwer, die große Menge an Wissen in so kurzer Zeit zu lernen. Und dann gab es da auch noch mein Angstfach der Vorklinik, die Chemie. Seit der Unterstufe musste ich mich nicht mehr damit beschäftigen und jetzt stand es plötzlich wie ein unbezwingbarer Berg vor mir. Die Zweifel über die eigene Leistung wurden mit jeder Woche größer, gab es doch Mitstudenten die mit Bestnote das Abitur bestanden und sogar den Chemie Leistungskurs belegt hatten. Ich brauchte Hilfe und buchte einen Crashkurs für die bevorstehende Klausur. Das Ergebnis: Ich bestand! Und auch die anderen Scheine konnte ich mir sichern.

Es war nicht leicht, die erste Orientierungszeit und Klausurphase hinter sich zu bringen, ohne total dem Stress zu verfallen. Oft war es aber beruhigend zu sehen, dass man nicht der einzige in dieser Situation war und es so manchem Kommilitonen ähnlich ging.

Doch ich hatte auch Vorteile durch meine vorige Ausbildung als Operationstechnischer Assistent, denn dort wurde ein großer Schwerpunkt auf anatomische Kenntnisse gelegt. Verglichen zum Studium war dies nur ein kleiner Anteil, doch beim Lernen machte sich das sehr bemerkbar. Vieles wurde wiederholt, anderes vertieft. Und schließlich hatte ich bei den vielseitigsten Operationen der unterschiedlichsten Fachbereiche bereits assistiert. In der Anatomie wurden nicht selten schon während Klausuren Röntgenbilder gezeigt, zu denen Fragen gestellt wurden. Meist hatte ich die Diagnosen schon mal gesehen, was mir das Lernen und die Klausuren dann erleichterte. 

Ich denke, dass jede zuvor gesammelte Erfahrung seine Vorteile mit sich bringt. Dazu zählen auch ganz allgemeine Erfahrungen in der Berufswelt oder eben fachliches Wissen durch Studiennahe Bereiche.
Im Laufe der Wartezeit fragte ich mich immer wieder, wie die Zusammenarbeit mit jüngeren Studenten funktionieren würde. Immerhin war ich etwa sechs Jahre älter. Was man aber bedenken sollte ist, dass 20% über die Wartezeit einen Platz bekommen und daher im ähnlichen Alter sind. Die Erfahrung zeigt, dass es weder für die Professoren, Mitstudenten noch für die Leistung eine Rolle spielt, in welchem Alter man ist. Entscheidend ist nur die eigene Motivation und Ausdauer.

Ich bereue es nicht, die 12 Wartesemester auf mich genommen zu haben. Das Studium bedeutet für mich eine Menge Arbeit, aber ich leiste sie gerne. Durch meine sehr guten Noten im Examen, bekam ich sogar ein Stipendium für Studenten mit Berufserfahrung.

Jedem Bewerber mit Wartezeit kann ich nur empfehlen durchzuhalten. Es lohnt sich!

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