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  • Carmela aus Hannover*
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  • 29.02.2012

Carmelas Weg ins Medizinstudium

Träume sind Schäume? Nicht für Carmela aus Hannover. Nach einer Banker-Ausbildung, einem Spanienaufenthalt, einer Hochzeit und einem Todesfall entschließt sie sich, ihren ganz persönlichen Traum zu verwirklichen und Medizin zu studieren.

Foto: Harald Bieber - Fotolia

Mein Vorleben

Ich habe schon alles im Leben erreicht, was sich tausende von Menschen wünschten: Mit meinem Abitur habe ich eine konservative Ausbildung in der Bank absolviert, diese erfolgreich abgekürzt, und ich wurde übernommen. Nach zwei Jahren Berufserfahrung habe ich mit meinem Lebenspartner entschieden: Wir wandern aus und verbringen ein paar Jahre im Ausland.

Gesagt getan - wir zogen nach Südspanien und hatten maximal zwanzig Regentage im Jahr - ansonsten Sonne pur. Wir waren beide erfolgreich im Job, aber unser Geist lief in der südlichen Sonne in slow Motion und ich merkte nicht, wie sich langsam das „Stand by“ einstellte.

Vielleicht fragen sich nun viele: „Was konnte dieser Frau dort noch fehlen?“ Und im Innern wusste ich es genau: Es wartete ein Traum auf mich, den ich nicht verwirklicht hatte, weil ich mich einfach nicht traute.

Meine damalige Arbeit lag gegenüber dem städtischen Krankenhaus, und in dieses ging ich ein und aus, wie ein Geist, der auf den Gängen herumspukt. Ich stellte mir immer vor, wie ich selbst den zahlreichen Patienten helfen würde und kehrte jedes Mal enttäuscht in meine Realität zurück.

Während der gesamten Zeit habe ich mich sozial engagiert, und die Medizin zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben, winkte mir bei jeder Gelegenheit mit dem Zaunpfahl zu.

 

Wenn Angst das Tun beherrscht

Als ich im Juni 2009 heiratete und in meinen Flitterwochen nach New York flog, war es, als hätte jemand in meinem Gehirn auf Play gedrückt, das Stand by war beendet und alles in mir lief jetzt auf Hochtouren: Ich war nun 26 Jahre alt, verheiratet, stand voll im Berufsleben. Aber warum sollte ich meinem Leben keine Wende geben können? Natürlich suchte ich das Gespräch mit meinem Mann, der nur zu gut wusste, dass mich der Traum vom Medizinstudium nun schon über Jahre verfolgte. Er sagte mir immer wieder: „Was hält Dich davon ab?“

Ich denke, ich werde vielen Menschen aus der Seele sprechen, wenn ich sage, dass Angst mein Tun beherrscht hat. Noch immer habe ich einen riesen Respekt vor der Medizin und klein und leise gebe ich auch zu, dass mich die Angst nicht ganz verlassen hat. Immerhin geht es in eine komplett andere Richtung, in einer Richtung, die ich mir zwar immer herbeigesehnt habe, die aber die noch Jahre harter Ausbildung mit sich ziehen würde.

Das Abi liegt nun sieben Jahre zurück, ich erinnere mich dunkel an die Schulfächer und weiß eigentlich nur, wohin ich will und dass ich es über alles herbeiwünsche. Jahrelang habe ich mich durch alle Bibliotheken gelesen, tausend Foren durchforstet und mich informiert, wo ich nur konnte. Ich sah schließlich ein, dass ich den Schritt wagen musste, sonst würde ich nie erfahren, ob ich wirklich in der Lage bin, das Studium zu schaffen.

 

Ein persönlicher Schicksalsschlag als Wendepunkt

Nach einem schweren Krankheitsfall mit Tod in der Familie und den damit verbundenen Wochen als Angehöriger im Krankenhaus, fiel mir wie Schuppen von den Augen, was ich schon längst wusste: Ich wollte mit jeder Faser meines Körpers Ärztin sein.

Ich wollte den Patienten die Sicherheit und die Geborgenheit geben, die ihnen so oft fehlt. Ich wollte nicht einer der Ärzte sein, zu denen die Patienten kommen und merken: Diese Personen haben den Beruf verfehlt. Menschen spüren das. Sofort.

Viele wissen nicht, warum sie Medizin studieren möchten. Ich weiß es durch und durch und habe den festen Glauben, dass es der richtige Weg ist, und dass ich diesen Weg nun endlich gehen werde.

 

Die erste Vorlesung als Externe

Nach zweieinhalb Jahren kehrten wir nach Hannover zurück und wie schon zuvor in Südspanien, geisterte ich seitdem ständig durch die Gänge der Medizinische Hochschule (MHH). Durch die Foren hatte ich mittlerweile einen sehr schönen Kontakt zu Studierenden des 1. Semesters der Medizin in Hannover und diese luden mich ein, eine Vorlesung zu besuchen. Das Angebot nahm ich natürlich sofort an und so begab ich mich an die MHH. Ich saß in meiner ersten Vorlesung. Die Studenten beantworteten ganz geduldig meine euphorischen Fragen und erzählten mir von einem Präparierkurs, der am selben Nachmittag stattfinden sollte und fragten, ob ich an diesem teilnehmen möchte, vorausgesetzt der Professor würde zustimmen.

Ich war vollkommen sprachlos und sagte sofort zu. Dem Professor wurde meine Situation geschildert und ich war glücklich, als er seine Erlaubnis gab und hinzufügte: „Mit diesen Vorraussetzungen ist es ja so gut wie sicher, dass Sie bald bei uns sind.“

Zum nächsten Wintersemester 2010/2011 habe ich dann schon 14 Wartesemester angesammelt, und da ich verheiratet bin und mein Mann und ich in Hannover leben, sollte es mit der Ortspräferenz Hannover und dem Sozialkriterium keine Probleme geben.

Vier Stunden nahm ich an dem Präparierkurs teil und unterhielt mich im Anschluss mit den Studenten. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht in meinen fürs Medizinstudium erworbenen Büchern lese. Früher hatte ich mich gefragt, warum ich so lange gewartet hatte. Aber ich bin mir sicher, jetzt weiß ich genauer als bisher, dass es alles ist, was ich tun möchte.

 

Die Verwirklichung des Traums steht unmittelbar bevor

Mitte April sende ich meine Bewerbung an hochschulstart.de. Aus dem „Stand by“ wurde ein „Play“ und ich kann nur jedem raten, über seinen eigenen Schatten zu springen und es zu wagen, auch wenn es manchmal bedeutet, das aufzugeben, was man sich bisher aufgebaut hat.

Nun, da ich aus meinen Träumen erwacht bin, kann ich diese endlich verwirklichen.

 

Ihre eigenen Erfahrungen?

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*Die Autorin ist der Redaktion bekannt.

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