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  • Guillermo Sommer
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  • 03.11.2015

Von Pecs über Würzburg nach Leipzig

Guillermo hat die Vorklinik in Ungarn verbracht und ist dann nach Deutschland gewechselt. Welche bürokratischen Hürden er dabei überwinden musste.

Leipzig © Thieme Verlagsgruppe/Renate Stockinger

Halbzeit in Ungarn


Schon über die Hälfte der Vorklinik hatte ich an der Uni Pecs hinter mich gebracht. Den klinischen Studienabschnitt wollte ich gerne in Deutschland fortsetzen. Während des 3. Fachsemesters bewarb ich mich also für einen Studienplatz in Deutschland – und hatte Glück: Ich erhielt einen Studienplatz im ersten Semester an der Uni Würzburg.

 

In Würzburg konnte ich mein Studium definitiv im fünften Semester fortsetzen. Einen Hochstufungsantrag bei der Uni musste ich dennoch stellen, weil ich noch im zweiten Fachsemester eingeschrieben war. Sollte aber kein Platz im fünften Semester frei sein, kann ich mein Studium trotzdem im fünften Semester fortsetzen und alle Kurse, Vorlesungen etc. besuchen und auch die Prüfungen ablegen, wäre aber formell trotzdem weiterhin im zweiten Semester.

 

Für das Studium stellt das kein Problem dar, weil die Uni Würzburg mir versichert hat, dass ich das zweite Staatsexamen unter dieser internen Regelung ablegen kann. Ein Problem kann dann auftreten, wenn ich einen Ortswechsel anstrebe - weil ich nur im formellen eingeschriebenen Semester einen Ortswechsel vollziehen könnte.

 

Daher hat mir die Universität Würzburg geraten sofort einen Ortswechsel anzustreben. So ist es möglich, von anderen Universitäten direkt ins fünfte Semester eingestuft zu werden. Entsprechend habe ich mich an sechs Universitäten (Magdeburg, München, Gießen, Saarbrücken, Hamburg, Leipzig) zusätzlich beworben.

 

Ich bin sehr erleichtert, die Prüfungen in Ungarn erfolgreich in Regelstudienzeit absolviert zu haben. Zwei Jahre sind nun vorbei, die mir viel abverlangt haben. Währenddessen habe ich viel über mich selbst gelernt, bin an meine Grenzen gekommen, habe wichtige Erfahrungen gesammelt und einen großen Schritt in Richtung meines Traumberufes Arzt gemacht. Nie hätte ich mir erträumt einmal zu den Jahrgangsbesten zu gehören. Umso mehr erfüllt es mich mit Stolz und Selbstvertrauen, alle die an mir gezweifelt haben vom Gegenteil zu überzeugen.

 

Über Würzburg nach Leipzig


Mitte Oktober 2014 nahm ich mein Studium an der Universität Leipzig im 5.Fachsemester auf. Ursprünglich wollte ich ja nach Würzburg, aber dort wurden mir nicht alle Fächer angeboten, die im 5.Fachsemester vorgesehen sind. Glücklicherweise hatte ich mich aber an mehreren deutschen Unis gleichzeitig beworben, sodass ich mit der Zusage aus Leipzig direkt ins 5.Fachsemester wechseln konnte.

 

Anders als in Ungarn wird das Semester hier in Blöcke aufgeteilt:


1.-10. Woche: Vorlesungen der Pathologie und Neuropathologie, der klinischen Chemie, Geschichte der Medizin
2. Woche: Strahlenmedizin Vorlesung und Seminar
3.-10. Woche: Seminar Pathologie und klinische Chemie
10.-11. Woche: Statistik und Epidemiologie
11.-14. Woche: Anamnese und klinische Untersuchung

 

Es gibt keine Prüfungszeit wie in Ungarn, sondern die Zwischenklausuren werden im laufenden Semester geschrieben. Ich musste mir also eine neue Lernstrategie aneignen, da man die Inhalte in einer deutlich kürzeren Zeit verinnerlichen muss.

 

Das Studiensystem ist anders als in Ungarn und eher auf ein zügiges Vermitteln der Lehrinhalte ausgelegt. Lernpädagogik spielt eine sekundäre Rolle. Klausuren werden in kurzen Zeitabständen angesetzt. Die Studienplätze sind zu 80% von überdurchschnittlich guten Abiturienten belegt.

 

 Die Abiturdurchschnittsnote soll also ein zuverlässiger Prädiktor für den Studienerfolg sein? Hier nehme ich anderes wahr: Klausuren erscheinen als Hürde, die es mit minimaler Kraft zu überwinden gilt, um noch genügend Energie für alle weiteren kurz hintereinander folgenden Hürden zu haben. Stillschweigend werden diese desolaten Methoden hingenommen.

 

Das 6. Fachsemester begann Anfang April. Die Schwerpunkte des Semesters lagen auf den Fächern Pharmakologie und Toxikologie sowie Mikrobiologie und Virologie und den Teilfächern Immunologie und Hygiene. In den letzten Wochen habe ich noch „Problem orientiertes Lernens“ (POL) mit dem Schwerpunkt „Infektiologie und Immunologie“ belegt.


Die weitere Studienplanung im 7. Semester sieht folgende Fächer vor:

1. Anästhesie*
2. Innere 1*
3. Chirurgie 1*
4. Gynäkologie
5. Umweltmedizin
6. POL 2 –Notfallmedizin (QSB 8)


* -praktisch und theoretisch

Auch wenn der Wechsel nach Deutschland mit einigem bürokratischen Aufwand und angespannten Nerven verbunden war, bin ich froh, hier gelandet zu sein und freue mich schon darauf, in Leipzig durchzustarten.

 

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