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  • Martin Angerer
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  • 14.01.2019

Aller Anfang ist schwer: Der MedAT als Weg zum Medizinstudium in Österreich

Während in Deutschland der Numerus Clausus den Zugang zu den medizinischen Fakultäten reguliert, kann man sich in Österreich per Aufnahmetest den Traum vom Medizinstudium an einer der vier medizinischen Universitäten erfüllen.

Einmal pro Jahr entscheidet sich Anfang Juli die Zukunft tausender Jugendlicher, die davon träumen, in Österreich Medizin zu studieren. So bewarben sich im Jahr 2018 zuletzt 15.880 Personen für einen der insgesamt 1.680 Studienplätze, die in Wien (740), Innsbruck (400), Graz (360) und Linz (180) jedes Jahr zur Verfügung stehen. Doch Achtung: 75 Prozent aller Medizinstudienplätze sind für Bewerber mit österreichischer Matura reserviert. Teilnehmer aus der EU müssen ab diesem Jahr sowohl unter den besten 25%-EU-Bewerbern und Nicht-EU-Bewerbern sein und gleichzeitig besser sein als der beste Österreicher, der nicht in der Österreicher-Quote zugelassen wurde. Ansonsten wird der österreichische Bewerber zugelassen. Deshalb gibt es ab sofort zwar theoretisch mehr Studienplätze für Europäer, jedoch auch insgesamt mehr Konkurrenten.

Härter trifft es Studienwerber aus Nicht-EU-Staaten: Sie müssen sich sowohl gegen die besten Österreicher, als auch die besten Europäer durchsetzen, die in ihrem Kontingent keinen Studienplatz ergattern konnten.

2019 wird der Aufnahmetest übrigens am Freitag, den 5. Juli, stattfinden. Um dem ersehnten Studienplatz auch tatsächlich Schritt für Schritt näher zu kommen, musst du folgende Hürden meistern:

1. Die Online-Anmeldung
Zwischen dem 1. und 29. März 2019 steht das Online-Portal für den Medizin-Aufnahmetest (MedAT) an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck oder der Medizinischen Fakultät der JKU Linz offen. Wer sich für einen Test-Ort entscheidet, legt somit seinen Studienort sowie den Lebensmittelpunkt der nächsten Jahre fest. Unabhängig von der Bewerberzahl empfiehlt es sich, den Studienort den eigenen Interessen entsprechend zu wählen, um abseits der Hörsäle, Bibliotheken und Krankenhausabteilungen auch im Alltag sein Glück zu finden. Außerdem musst du dich zu diesem Zeitpunkt bereits entscheiden, ob du Zahnmedizin oder Humanmedizin studieren möchtest.

2. Überweisung der Kostenbeteiligung
Hat die Voranmeldung geklappt, darfst du nicht vergessen im selben Zeitraum auch noch die Kostenbeteiligung von 110 Euro zu überweisen, um die Online-Anmeldung auch tatsächlich erfolgreich abzuschließen. Wer nicht fristgerecht bezahlt, kann nicht am Test teilnehmen - und muss ein Jahr warten!
Die veranstaltenden Universitäten heben diesen Beitrag übrigens ein, um die Anzahl willkürlicher Anmeldungen zu minimieren und damit die Planbarkeit zu verbessern. Andererseits werden damit die doch beträchtlichen administrativen Kosten der Testung abgedeckt – etwa das Anmieten von Prüfungsräumlichkeiten, Tischen und Stühlen oder der Ausdruck aller Testunterlagen (allein in Wien sind das in etwa 2,5 Tonnen Papier pro Jahr!).

3. Die Vorbereitung auf den Test: Lernen, üben, lernen, üben!
Wer ernsthaft Medizin studieren und daher den MedAT bestehen möchte, sollte sich im Vorfeld mit den Testinhalten auseinandersetzen und die erforderlichen kognitiven Fähigkeiten trainieren. Zur Testvorbereitung stellt die MedUni Graz stellvertretend für die Medizinischen Universitäten Wien, Innsbruck und die Medizinische Fakultät der JKU Linz exemplarische Prüfungsfragen und Unterlagen für die Testvorbereitung online im so genannten Virtuellen Medizinischen Campus (VMC) zur Verfügung. Die Registrierung ist kostenlos.

Es gibt auch Apps, mit welchen du üben kannst. Zum Beispiel den TMS Trainer (für iOS und Android).

Der Aufnahmetest Humanmedizin (MedAT-H)* besteht aus vier Testteilen, die allesamt im Multiple-Choice-Format abgeprüft und unterschiedlich gewichtet werden.

1. Basiskenntnistest für Medizinische Studiengänge (BMS)
Hierbei wird konkretes Wissen in den für das Medizinstudium relevanten Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik abgefragt.
2. Textverständnis
Dieser Testteil überprüft die Lesekompetenz und das Verständnis von wissenschaftlichen Texten.
3. Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten
5 Aufgabengruppen decken jene kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, die wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge einen erfolgreichen Abschluss des Diplomstudiums der Humanmedizin besonders begünstigen sollen. In der Tat schließen seit Einführung des Medizin-Aufnahmetests fast alle Studienanfänger das Medizinstudium auch ab. Im Detail werden folgende Fertigkeiten getestet:

• Räumliches Vorstellungsvermögen: Figuren zusammensetzen
• Gedächtnis & Merkfähigkeit: Das Einprägen und zeitlich getrennte reproduzieren von sinnlosen, abstrakten Inhalten aus „Allergieausweisen“
• Zahlenfolgen erkennen und fortsetzen
• Wortflüssigkeit: Buchstabensalate entschlüsseln
• Erkennen von Implikationen (logische Schlussfolgerungen ziehen)

4. Sozial-emotionale Kompetenzen
Dieser zum Teil sehr umstrittene Untertest besteht aus zwei Aufgabengruppen, die sozial-emotionale Kompetenzen erfassen sollen:

Emotionen Erkennen (EE) überprüft die Fähigkeit zur Empathie. Anhand von Beschreibungen müssen die TestteilnehmerInnen die emotionale Situation fiktiver Personen in bestimmten Situationen erkennen und beurteilen.
Soziales Entscheiden (SE) misst die Eigenschaft, Entscheidungen in Alltagssituationen sozial zu beurteilen und dementsprechend zu reihen.

*Der Test für angehende ZahnmedizinerInnen (MedAT-Z) unterscheidet sich in einigen Punkten. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Je nach Vorbereitung, Intelligenz und Coolness ergibt sich am Ende für alle Teilnehmer ein individueller Gesamtwert, der für den Prozentsatz an erreichten Punkten im Verhältnis zur maximal erreichbaren Punktzahl im gesamten MedAT steht. Zur Bestimmung des Gesamtwertes werden alle vier Testteile (BMS mit 40%, TV mit 10%, KFF mit 40 % und SEK mit 10 %) addiert. Anhand dieses Wertes werden die Testteilnehmer gereiht und erhalten je nachdem einen Studienplatz oder nicht.

5. Der Tag der Entscheidung!
Der MedAT findet zur gleichen Zeit in Wien, Graz, Innsbruck und Linz statt und beginnt offiziell um 8 Uhr morgens. Erlaubt sind keinerlei Hilfsmittel, nur analoge Uhren und die stärkende Verpflegung darf der Teilnehmer mitnehmen . Schreibmaterial wird zur Verfügung gestellt. Da beim Einlass mittels Metalldetektoren und Body Scans akribisch auf verbotene Gegenstände hin kontrolliert wird, hat sich der eigentliche Testbeginn in den letzten Jahren stets erheblich verzögert. Die Testung dauert schließlich (inklusive einer Pause gegen Mittag) einige Stunden bis in den späteren Nachmittag hinein.

6. Ergebnisbekanntgabe und Inskription

Nach einigen Wochen der Erleichterung und gleichzeitiger enormer Nervosität werden Anfang August die Ergebnisse bekanntgegeben, und zwar recht kompliziert: Per Mail erhalten die Teilnehmer Zugangsschlüssel zu einer online-Maske, in der sie in einer Liste nach ihrer Registrierungsnummer suchen müssen. Daneben steht schließlich – recht formlos – „JA“ oder „Nein“, was sich schließlich auf den Erhalt des ersehnten Studienplatzes bezieht.

All jene, die sich gegen über 90 Prozent ihrer Mitstreiter durchsetzen konnten, müssen jetzt nur noch zur Inskription, um ihren Medizin-Studienplatz offiziell anzunehmen. Wer dies versäumt, verliert seinen Studienplatz und jemand anderer rückt in der Reihung nach.

Alle wichtigen Termine auf einen Blick:

1.3.2019 - 29.03.2019: Anmeldung für den MedAT an online .
1.3.2019 - 29.03.2019: Überweisung der Anmeldegebühr.
Ab Anfang April (persönliche Empfehlung): Vorbereitungsphase.
5.7.2019: Teilnahme am MedAT.
Anfang August 2019: Ergebnisbekanntgabe & Inskription


Ich behaupte: Für all jene, die wirklich und wohl überlegt Medizin studieren möchten und sich dementsprechend vorbereiten, ist der MedAT in jedem Fall eine zu bewältigende Hürde. Letztendlich ist der Aufnahmetest auch nur der erste Schritt in ein forderndes, lernintensives, aber auch unendlich spannendes Studium, das viele Höhen und Tiefen bereit hält. Am Ende winkt schließlich ein Traumberuf, für den es sich unbedingt zu kämpfen lohnt.

Ich wünsche Euch alles Gute!

Euer Martin

(P.S.: Ihr habt fragen? Zögert nicht, mich zu kontaktieren!)

 

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