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  • Selina B.
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  • 17.08.2020

Medizin im Zweitstudium – nichts ist unmöglich

Es ist nie zu spät, sich für ein Medizinstudium zu entscheiden. Selina hat den Traum vom Zweitstudium Medizin und erzählt, wie sie ihn sich erfüllen mag.

Für eine Tochter zweier promivierter Ärzte ist es häufig Gang und Gebe, in die Fußstapfen der Eltern zu treten und ebenfalls Medizin zu studieren. Schon als Kind wollte ich Ärztin werden und mit 14 schaute ich meinem Vater im Klinikalltag über die Schulter. Bereits damals reizte mich das Fach. Und dennoch entschied ich mich nach meinem Abitur gegen die Medizin und für den Journalismus.

Ich bin bis heute glücklich mit dieser Entscheidung. Und trotzdem weiß ich, dass es mich nicht vollständig erfüllt. Nach Einblick in die verschiedensten Arbeitsbereiche des Journalismus war mir sehr bald klar, dass ich nach meinem Studium nicht direkt in die Berufswelt einsteigen möchte. Meine freie Mitarbeit als Journalistin in medizinischen Verlagen weckte mein Interesse für die Wissenschaftskommunikation. Und so fand ich immer mehr Spaß daran, mich in komplexe medizinische Themen einzuarbeiten, zu recherchieren und wissenschaftlich zu schreiben. Meine ursprüngliche Begeisterung für das sehr facettenreiche Fach der Medizin wurde dadurch wieder mehr und mehr. Und auch wenn ich mich im Journalismus sehr gut aufgehoben fühle, so bin ich noch nicht am Ende angelangt. Ich möchte meinen Wissenshorizont erweitern. Und so entscheide ich mich nun nach fast drei Jahren Studium doch für die Medizin.

Wissenschaft, Medizin und Journalismus. Wie passt das zusammen? Und vor allem, geht das überhaupt? Nach einem bereits abgeschlossenen Erststudium nochmal fünf oder sechs Jahre zu studieren ist kein gewöhnlicher Schritt. Das Medizinstudium ist Traum vieler junger Menschen. Jährlich bewerben sich rund 40.000 Studieninteressierte auf die sehr begrenzten Plätze in Deutschland. Und nur rund 9000 Bewerberinnen und Bewerber können letztlich an einer deutschen Uni ihr Studium beginnen. Auch weitere medizinische Studiengänge wie beispielsweise Biomedizin oder molekulare Medizin sind durch ihren sehr hohen NC beschränkt. Doch während es viele Infos zum Erstbewerbungsverfahren gibt, so haben es Leute mit einer bereits abgeschlossenen Ausbildung vergleichsweise schwer, sich um einen Studienplatz zu bemühen.

Für mich steht fest, mein jetziges Studium zuerst abzuschließen, bevor ich mich im nächsten Jahr für einen Platz in der Medizin bewerbe. Aber schon jetzt wollte ich mich über die Vorgehensweisen und meine Chancen für ein Zweitstudium informieren. Sehr schnell wurde dabei jedoch klar: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Früher führte ein guter Abiturschnitt direkt ins Medizinstudium. Seit dem Sommersemester 2020 gelten andere Regelungen für die Abiturienten. Eignungsverfahren, wie dem Mediziner Test (TMS) und Diensten, wie dem Bundesfreiwilligen Dienst werden seither nämlich höherer Bedeutung zugeschrieben als zuvor. Nach Angaben der deutschen Zulassungsplattform Hochschulstart sind diese Neubestimmungen für Akademiker hinfällig. Lediglich 3% der vorhandenen Plätze werden Zweitbewerbern eingeräumt. Zwar ist der Abiturschnitt ebenfalls nicht mehr relevant für einen Zulassungsbescheid, dafür aber umso mehr die Note des ersten Studiums und insbesondere die genannten beruflichen oder wissenschaftlichen Gründe, die darlegen, warum es Sinn macht, beide Studiengänge für den späteren Berufswunsch miteinander zu kombinieren. Für beide Kategorien wird dann eine bestimmte Anzahl an Punkten vergeben und diese Messzahl entscheidet letztlich über eine Zulassung zum Studium. Einen Studienplatz in der Medizin zu erhalten ist ohnehin alles andere als einfach. Sich jedoch ein zweites Mal erfolgreich an einer Universität zu immatrikulieren scheint fast unmöglich.  

Unter diesen vagen Bedingungen zweifelte ich zunächst natürlich sehr an meinem Vorhaben. Und dennoch lässt mich der Gedanke bis heute nicht los, es trotzdem zu versuchen. Ich möchte mit diesem Artikel Mut machen. Niemand sollte davor zurückschrecken, sich beruflich doch noch einmal umzuorientieren und einen neuen Weg einzuschlagen, nur weil andere vielleicht schon mit Anfang 20 ihren Traumberuf gefunden haben. Jeder durchläuft seinen Weg. Und jeder durchläuft ihn in seinem eigenen Tempo.

Mein Ziel ist es, den Beruf der Wissenschaftsjournalistin und der Medizinerin zu verbinden, den Krankenhausalltag zu erleben und für renommierte Fachzeitschriften zu publizieren. Und auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt mein Wunsch nach einem Medizinstudium noch in den Sternen steht, so bleibe ich allein durch die Vorstellung motiviert, meiner Leidenschaft für das Schreiben und meinem Faible für die Medizin eines Tages nachgehen zu können.
Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Mein Weg verläuft dabei alles andere als geradlinig. Und genau deshalb blicke ich optimistisch in die Zukunft, halte weiterhin an meinem Ziel fest und freue mich auf alles, was mir bevorsteht.  

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