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  • Juliana Sciabica
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  • 06.11.2015

Bereite dich auf die Zeit nach dem Physikum vor!

Ja es gibt sie! Es gibt eine Zeit nach dem Physikum. Auch wenn du es dir im dritten Semester nur schwer vorstellen kannst: irgendwann kommt der Moment, an dem du den vorerst größten Gegner besiegt hast.

 

© GIS-Fotolia.com 

 

Bevor du dieses Etappenziel erreicht hast, löst du ein Ticket für eine wilde Achterbahnfahrt mit vielen waghalsigen Loopings. Eine Prüfung jagt die nächste, ein Adrenalinschub folgt dem anderen. Als Medizinstudent in den vorklinischen Semestern, lebst du ein Leben in Extremen – ein Leben das aus Lernen, Lernen und – wer hätte das gedacht – Lernen besteht. Die Alternative ist, nicht zu lernen – dann kannst du dich aber auch vom bestandenen Physikum verabschieden.

 

In Lernphasen beschäftigen dich Gedanken wie: „Wie kann ich heute Nacht länger wach bleiben um noch mehr zu lernen?“ „Wie sage ich meiner besten Freundin zum dritten Mal ab?“ Sprich: Du versuchst aus den 24 Stunden des Tages irgendwie 25 rauszuholen. Oft auf Kosten der Nachtruhe. Neben den anstrengenden Lernphasen während des Semesters, erwarten dich 12 Wochen Pflegepraktikum zwischen den Semestern. Das ist zwar eine nette Abwechslung zur staubtrockenen Theorie am Schreibtisch - ein, zwei Wochen Pause zum Durchatmen wären aber auch nicht übel.

 


Aber man will sich ja nicht beschweren – schließlich ist man einer der wenigen glücklichen Medizinstudienplatzbesitzer. Die Devise lautet also: Zähne zusammenbeißen, Handschuhe überziehen und Bettpfannen leeren.

 


Zurück am Schreibtisch geht die Lernerei wieder von vorne los. Du gerätst in einen tranceartigen Zustand, der dir neben nervenzerreißenden Momenten auch eine sichere Routine verschafft. Die Bib-Gänger unter euch grüßen die netten Damen am Infoschalter und werden nervös, wenn der schräge Typ mit Vollbart nicht auf seinem Stammplatz sitzt. Diejenigen, die zu Hause lernen, schalten zur Mittagspause immer um dieselbe Uhrzeit ins gewohnte TV Programm und gönnen sich neben der Tiefkühlpizza eine halbe Stunde Leerlauf. In der Vorklinik gleicht jeder Tag dem anderen.

 


Doch was tun, wenn dieser einlullende Wattebausch der ersten vier Semester auf einmal wegfällt? Mit dem Physikumszeugnis erlangst du von heute auf morgen deine Freiheit zurück. Eine Freiheit, die für Studenten anderer Fächer zum normalen Alltag gehört. Doch als frischer Student der klinischen Semester weißt du plötzlich nichts mehr mit diesem wiedergewonnenen Gut anzufangen. Panik macht sich breit. Panik vor der Aussicht des Nichtstuns.

 

Aus lauter Selbstzweifel und Zeitdruck hast du dich bei all dem Lernstress nicht getraut oder schlichtweg einfach vergessen, die Zeit NACH dem Physikum zu planen. Warst du doch mit viel Wichtigerem beschäftigt – dem Lernen. Doch nun liegen drei, vier Wochen vor dir, in denen du nicht lernen musst. Leere Wochen. Zeit, um nichts zu tun oder endlich mal deine verstaubte To-Do-Liste abzuarbeiten:

 

  • Den alten Kindergartenfreund in Paris besuchen
  • Alle sieben Harry Potter Bücher zum vierten Mal lesen
  • Einen ganzen Tag im Bett verbringen – mit bestellter Pizza
  • Oma besuchen

 

Besonders letzten Punkt kann ich nur wärmstens empfehlen. Die stolzen Augen der Omi lassen dich die Strapazen der letzten Monate ganz vergessen. Aber mach dir keinen allzu großen Stress bei der Vorbereitung deiner freien Wochen nach dem Physikum. Kurz nach der Prüfung wirst du wahrscheinlich erstmal eine Woche lang krank sein und somit genug Zeit zum Planen haben. Versprochen.

 

P.S.: In diesem Artikel habe ich 13 Mal das Wort LERNEN verwendet. Damit ist nach dem Physikum erstmal Schluss. Auch versprochen.

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