• Bericht
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  • Kerstin Tacke
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  • 08.02.2007

Teamwork zwischen weißen Laken

Der Umgang dem Tod ist nicht einfach. Im Präpkurs werden viele Medizinstudenten zum ersten Mal damit konfrontiert.

 

Juhu!!!! Ich hatte das erste Semester erfolgreich hinter mich gebracht und war nun endlich kein Ersti mehr. Nun würde es sich zeigen, ob ich das Studium auch beenden würde. Denn im Zweiten hatten wir den Präpkurs. Ein bißchen mumlig war mir schon.

Mit dem Rücken an der Wand: der erste Tag

Dienstag morgen, ich erwache aus einem zu kurzen Schlaf, in dem es von Alpträumen nur so wimmelte. Und mein Blick fällt auf Erwin, mein Skelett. Ich bekomme eine Gänsehaut - heute ist also der Tag, vor dem es mir so graut. Ich packe mein Präpbesteck, Kittel und den Anatomieatlas und dann nichts wie los.

In der Uni angekommen stehen schon alle in Grüppchen zusammen. Es wird gemurmelt, nervös gekichert und immer wieder um sich geschaut, wie es den anderen so geht. Dann die Aufforderung, sich in den Saal zu begeben. Langsam gehe ich die Treppe hinauf ins Obergeschoss der Anatomie. Auf der Tür zum Saal steht der Hinweis : Zutritt nur für Studierende der Medizin und Ärzte.

Meine Hand umfasst den Atlas und ich drücke ihn mir vor die Brust wie einen Schutzschild. Die Tür öffnet sich und wir gehen hinein. Der Saal ist groß, mit ca. 100 Tischen. Es ist recht kalt hier. Der Blick wandert umher und ich werde mir der Körper auf den Tischen bewusst. Das waren sie – die Leichen - noch mit weißen Laken bedeckt.

Wir beginnen, die Leichen am Rücken zu öffnen. Viele aus unserer Gruppe können es gar nicht erwarten, mit dem Sezieren zu beginnen. Andere, zu denen gehöre ich selbst, stehen mit dem Rücken an der Wand, blättern im Atlas und werfen immer wieder verstohlene Blicke zum Tisch.

Man gewöhnt sich an alles

Ich studiere immer noch und denke, dass dieser Kurs, so anstrengend er auch war, zu den wichtigsten und interessantesten der Vorklinik gehört. Bezüglich des Widerwillens gegen den Kurs, der auch mit dem Umgang mit dem Leichnam und dem Tod zusammenhängt, kann ich nur sagen, dass man sich daran gewöhnt. Nach einigen Tagen ist man sehr daran interessiert, die Anatomie zu kennenzulernen, sodass man sich sogar auf den Kurs freut.

Der Formalingeruch ist mir in negativer Erinnerung geblieben. Er begleitet einen während des Kurses - vergessen wird man ihn nicht.

Noch ein paar Tipps

Besonders empfehlenswert finde ich die Vorlesungen von Frau Dr. Schulze. Auch Herr Dr. Lorke möchte ich hier erwähnen, der eine sehr interessante Vorlesung über die Neuroanatomie gehalten hat.

Ein Tipp noch für alle, denen der Kurs noch bevorsteht. Man sollte sich genau überlegen, mit wem man zusammen in einer Gruppe sein will. Ihr seid jeden Tag einige Stunden zusammen, auch über die Kurszeit hinaus und dieser Kurs setzt echtes Teamwork voraus. Wenn man sich untereinander nicht leiden kann, kann es zur Hölle werden. Andererseits kann auch die Freundschaft fürs Leben entstehen!

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